Missverständnisse am Tisch: „Pot-Committed"

David Sklansky

Wenn ich so überlege, wie oft Spieler die Begriffe „Pot Odds" und Pot-Committed" falsch verwenden, denke ich, eine Klärung der Bedeutung dieser Termini könnte Vielen eine große Hilfe sein.

Pot Odds

Pot Odds sind leicht zu erklären. Wenn Sie eine Hand halten, die in 30% der Fälle vervollständigt wird (unter der Annahme, dass sie in diesen Fällen auch gewinnt), verliert sie natürlich in 70% der Fälle. Also müssen Sie korrekte Pot Odds erhalten, um die Hand zu spielen.

Für jeden Dollar, den Sie in den Pot bezahlen, müssen bereits $3 vorhanden sein. Wenn Sie die Hand also von drei Fällen in einer Situation gewinnen, spielen Sie profitabel. Ohne Odds können Sie einen Draw nicht fortsetzen.

Das bedeutet, dass Sie fast nie die richtigen Odds erhalten, wenn Sie heads-up um den Pot spielen.

Implied Odds

Die zweite Sorte sind die so genannten Implied Odds. Grundsätzlich bezieht sich dieser Begriff auf das Geld, dass nach der momentanen Setzrunde noch in den Pot bezahlt wird. In einer No-Limit-Partie sind diese viel komplexer als in einer Limit-Partie.

In einer Limit-Partie kann man leicht ausrechnen, wie viele Bets noch in den Pot bezahlt werden können. Deshalb ist Limit eine gute Variante für Anfänger. Gerade das Konzept von Implied Odds erschließt sich in dieser Variante viel schneller.

In No Limit sind die Implied Odds sehr viel schwieriger zu berechnen. Interessant sind für Implied Odds z. B. Calling Trains.

Der Calling Train

Wenn Sie wissen, dass die Spieler zu Ihrer Linken loose-aggressive sind, große Pots lieben und guten Odds nicht widerstehen können, können sie die Implied Odds pre-Flop schätzen.

Nehmen wir an, der Spieler zu Ihrer Rechten setzt einen kleinen Raise an. Sie sind an der Reihe, und hinter Ihnen sitzen sieben noch Spieler. Wenn Sie jetzt callen, starten Sie den Calling Train.

Dem Spieler hinter Ihnen ist das Phänomen möglicherweise bekannt, also macht der denselben Spielzug wie Sie - er callt mit einer marginalen Hand für einen geraisten Pot. Wenn Sie callen und der Spieler hinter Ihnen ebenfalls, erhält der übernächste Spieler bereits 3:1 Pot Odds (dead money nicht eingerechnet).

Bei jedem folgenden Spieler erhöhen sich die Odds um 1. Also wird der Call immer einfacher, selbst mit schwachen Händen und unabhängig von den Spielertypen.

Obwohl Sie also nicht die Odds erhalten, die Sie für einen Call benötigen, können Sie bezahlen, da die Implied Odds stimmen.

Mike Caro
Mike Caro: der grosse Pokermathematiker

Pot-Committed

Der Begriff Pot-Committed wird gerne verwendet, um schlechte Calls zu rechtfertigen. Manche Spieler callen trotz besseren Wissens und rechtfertigen sich dann mit dem Satz: „Ich war Pot-Committed." Dies ist eine der wichtigsten Lektionen, die ich Ihnen erteilen werde. Es ist auch das häufigste Thema der Diskussionen, die ich bis heute mit anderen Pokerprofis geführt habe.

Zur Verdeutlichung verwende ich ein simples, aber eindrückliches Beispiel.

Zu meiner Linken sitzt eine Frau, fünf Spieler sind bereits in der Hand. Sie hält T-J und hat damit einen open-ended Straight Draw auf dem Flop. Es wird bis zum River gespielt, sie ist als Dritte an der Reihe. Da alle fünf Spieler in der Hand geblieben sind, ist der Pot überdurchschnittlich groß.

Als der River fällt, sind etwa $350 im Pot. Der erste Spieler geht all-in, der zweite tut dasselbe.

Auf dem Board liegen 9-Q-A-6-7 mit drei Herz, von denen das dritte auf dem River auftauchte. Die Dame neben mir hat nur noch $10, und der Pot, in den sie noch immer involviert ist, beträgt nun $420. Damit bekommt sie Odds von 42:1. Sie sieht sich den Pot an, zeigt mir ihre Hand, sagt „Tja, ich bin pot-committed", und wirft ihre $10 auf den Tisch. Obwohl sie in dieser Situation nur jedes 42. Mal gewinnen muss, um ihre $10 gewinnbringend einzusetzen, ist dies ein vollkommen idiotischer Spielzug.

Sieht man sich das Setzverhalten an, kann sie diesen Pot unmöglich gewinnen. Selbst wenn der erste Spieler mit 3 hoch einen reinen Bluff angesetzt hat, ist es nicht möglich, dass der zweite Spieler mit einer schlechteren Hand bezahlt als Bube hoch. Odds bedeuten gar nichts, wenn Sie drawing dead sind.

Was ich damit verdeutlichen möchte ist, dass Sie immer einen negativen Erwartungswert haben, wenn Sie Geld in einen Pot investieren, obwohl Sie drawing dead sind. Sie wandeln stets auf einem schmalen Grat, wenn Sie entscheiden, ob sie Ihre Odds spielen oder sich von einer Hand verabschieden, obwohl die Odds dagegen sprechen.

Meiner Meinung liegt hier eine Möglichkeit, die eigene Gewinnquote zu verbessern. Daniel Negreanu erzählte mir von einem Disput mit einem Hold'em-Spieler aus Texas, der bei einem $1000,-Pot mit nur noch $10 vor sich folden würde, wenn er wüsste, dass er geschlagen ist.

Negreanu argumentierte damit, dass es ein Fehler sei, in dieser Situation zu folden, da man den Pot nur in einem von hundert Fällen gewinnen muss, um den Call zu rechtfertigen.

In Wirklichkeit sind die Pots jedoch selten so hoch. Letztlich müssen Sie auf Basis Ihrer Reads und dem Wert Ihrer Hand entscheiden, ob Sie pot-committed sind oder nicht.

Aufgeblähte Pots

Das letzte Thema, das ich ansprechen möchte, ist ein Fehler, den ich ebenfalls häufig beobachte. Ich nenne ihn gern den „aufgeblähten Pot", und er führt zu einer Verzerrung der Odds.

Beispiel: Sie sind auf dem Flop zu sechst in der Hand und haben einen Flush Draw gefloppt. Im Pot befinden sich $50. Die ersten vier Spieler checken, der Spieler rechts neben Ihnen setzt $30 mit $100 dahinter. Sie erhöhen auf $80 und alle andere Spieler folden. Der Pot steht jetzt bei $160.

Der ursprüngliche Raiser geht nun mit $130 all-in (Pot= $260). Sie müssen also $50 in einen $260 Pot bezahlen. Damit haben Sie 5:1 Odds, genug für einen Call.

Der Fehler besteht meiner Meinung nach allerdings in Ihrem Raise auf $80. Sie können ziemlich sicher sein, dass niemand Ihren Raise vor dem ursprünglichen Bettor bezahlen wird. Alle haben gecheckt. Mit einem Monster würden sie erhöhen, ansonsten folden.

Sie haben also einen Raise angesetzt, den Ihre Gegner nur mit einem Fold oder einem All-in beantworten können. sie bekommen ein All-in und sind nun gezwungen zu bezahlen. Hätten Sie Ihren Raise nicht so hoch angesetzt, hätten Sie jetzt nicht die Odds, um $130 auf einen Draw bezahlen zu können.

Wenn Sie sich das Ergebnis dieser Spielweise einmal ansehen, haben Sie 50% des Pots investiert.

Zwar ist der Call des All-ins der richtige Spielzug, aber Sie hätten sich niemals in eine solche Situation bringen sollen. Sie hatten nicht die Odds, um zum Flush zu ziehen. Stattdessen haben Sie den Pot so aufgebläht, dass Sie sich selbst in eine Zwangslage gebracht haben.

Glücksspieler werfen ihre Flush Draws ungern weg. Ein Spieler, der weiß, dass er eigentlich folden müsste, macht solche Spielzüge, um seine eigene Spielweise zu rechtfertigen.

Trotzdem ist dies ein Fehler, der Sie Geld kosten wird. Grundsätzlich gilt, dass Sie dann Geld mit Poker verdienen werden, wenn Sie Ihre Odds richtig ausspielen, unabhängig davon, welche Karten Sie halten oder gegen wen Sie spielen.

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