Martin Finger: „Es ist wichtig mit sich selbst im Reinen zu sein“

Martin Finger

Martin Finger hat im Alter von gerade mal 25 pokertechnisch mit dem Gewinn eines Bracelets und einer EPT schon fast alles erreicht. Im Interview bewies er zudem, dass er sehr vernünftig geworden ist, und das Bad Boy Image früherer Tage längst abgelegt hat. Außerdem hat er es als einziger Deutscher an den heutigen Final Table des €25.500 High Roller bei der EPT Malta geschafft. Darüber hinaus wird er morgen gemeinsam mit Ole Schemion, George Danzer und Marvin Rettenmaier unser Land bei den Global Poker Masters vertreten. Wir haben uns mit ihm über dieses ganz besondere Event, die EPT Malta und die wirklich wichtigen Dinge im Leben unterhalten.

Pokerzeit: Dein großer Durchbruch war der Sieg bei der EPT Prag 2011. Würdest du das rückblickend auch als deinen wichtigsten Erfolg sehen, weil er dir neue Türen geöffnet hat?

Martin Finger: Pokertechnisch gesehen war der Gewinn der EPT Prag mein größter emotionaler aber auch finanzieller Erfolg, zumindest zu diesem Zeitpunkt, weil es mir tatsächlich Türen geöffnet und Chancen gegeben hat, die aufgrund der beschränkten Bankroll ohne den Erfolg nicht möglich gewesen wären.

Martin Finger EPT Prag
„Ich schätze den Sieg bei der EPT Prag mehr als jeden anderen", sagte uns Martin.

Ich war zu diesem Zeitpunkt mit Heads-Up Sit & Gos auf einem sehr guten Weg. Daher denke ich, dass es mir einiges an Zeit und Arbeit erspart hat, um da hin zu kommen, wo ich jetzt bin. Das war ein großes Glück für mich ich schätze diesen Turniererfolg mehr als jeden anderen.

PZ: Du lebst jetzt schon seit einiger Zeit in Wien, und hast bei der WPT Wien auch das 1K WPT 8-MAX gespielt. Was macht für dich den Reiz dieser Stadt aus? Fühlst du dich in Wien wohl und was gefällt dir nicht so gut?

MF: Ich lebe jetzt seit zwei Jahren in Wien und habe mich erst kürzlich wirklich gut eingelebt. Ich habe es als meine neue Heimat akzeptiert und seitdem auch angefangen, die Stadt in vollen Zügen zu genießen. Meine Mitbewohner und mein Umfeld in Wien machen es mir sehr einfach mich dort wohl zu fühlen. Wien hat für mich die perfekte Größe einer Stadt, alles ist easy erreichbar und übersichtlich aber trotzdem fehlt es an nichts.

Wien2
Auch Martin nennt Wien, wie so viele andere deutsche Pokerspieler, mittlerweile seine Heimat.

Außerdem liebe ich den 7. Bezirk, in dem ich wohne, mit seinen zahlreichen kleinen Stores, dem jungem Publikum, vielreichendem Angebot an Aktivitäten und den tollen Restaurantangeboten. Was ich nicht so gern mag an Wien ist der lange Winter und der nicht vorhandene Strand.

PZ: Online bist du unter dem Namen „0Piggybank“ bekannt. Du warst 2010 bereits Supernova Elite und giltst als Heads-Up Spezialist. Woher kam die Inspiration für diesen Namen, findest du bei den ganzen Live Events überhaupt noch Zeit online zu grinden und was macht für dich die Faszination von Heads-Up aus?

MF: Ich habe versucht, bei meinem Namen einfach ein bisschen kreativ zu sein und dachte, dass Piggybank doch für einen aufstrebenden Pokerspieler ein lustiges Synonym ist. Geld rein, sammeln und einlocken.

Die Zeichen bedeuten im Endeffekt gar nichts außer, dass ich damit an die oberste Stelle in der Lobby eines nicht gestarteten online Turniers gesetzt werde, damit jeder schon mal Bescheid weiß, was ich mir für das Turnier vorgenommen habe.

Ich war schon immer ein Grinder und bin immer noch einer, von daher fällt mir das Onlinespielen zwischen den Liveturnieren absolut nicht schwer und es findet sich immer noch mehr Zeit als genug.

Selbst als talentierter Pokerspieler verdient man sein Geld nicht im Schlaf. Was ich an Heads-Up liebe, ist die Komplexität des Spiels sowie das direkte Duell und das damit verbundene Anpassen an seinen Gegner, was einen immer wieder vor neue Herausforderungen stellt.

PZ: Was machst du eigentlich wenn du gerade einmal nicht Poker spielst?

Martin Finger Super High Roller EPT London
Martin Finger nach seinem Sieg und größten Cash beim Super High Roller der EPT London 2013.

MF: Wenn ich mal nicht Poker spiele, dann bin ich einfach nur ein ganz normaler Mitte 20-Jähriger, der das Leben mit Freunden, Feiern, Reisen und seiner Familie verbringt.

PZ: Was bedeutet dir persönlich mehr das Bracelet oder dein größter Cash beim Super High Roller der EPT London?

MF: Für mich ist das nicht einfach zu entscheiden, aber ich kann dennoch sagen, dass ich den Super High Roller Gewinn vorziehe. Dieses Turnier hat mir einfach gezeigt, dass ich keine Scheu haben brauche sondern ganz im Gegenteil auch als Gewinner hervorgehen kann, selbst wenn ich mich mit der Pokerelite messe. Auch das Buy-In des Turniers war außergewöhnlich hoch und erforderte somit ein hohes Maß an Abgebrühtheit, die ich mit dem Turniergewinn wohl unterstrichen habe.

Die einzigartigen Momente des Turnierverlaufes beim WSOP 6-Max Event und alles, was es mit sich gebracht hat, waren einzigartig und werden auch immer einzigartig bleiben.

PZ: Früher hast du mit der einen oder anderen negativen Schlagzeile und Party-Eskapade Aufmerksamkeit erregt. Nun ist es ruhiger um dich geworden. Würdest du sagen, dass deine wilden Jahre vorbei sind?

MF: Diese Art der Schlagzeilen gehören der Vergangenheit an. Ich glaube auch, dass diese Art von News mich oft in ein falsches Licht für Außenstehende gestellt hat, was mir aber auch ehrlich gesagt schon immer egal war. Es ist wichtig mit sich selbst im Reinen zu sein und seinen inneren Frieden zu finden.

Martin Finger Bracelet
Das Siegerbild nach dem Gewinn des Bracelets bei der WSOP 2013.

Dafür brauche ich nicht eine Hand voll Fremder, die meinen, sie müssen dies über das Internet bestimmen. Ich werde immer meinen Weg gehen und dieser ist momentan ein sehr friedlicher.

PZ: Die EPT Malta wurde neu in den Turnierkalender der EPT aufgenommen und ist mit 69 Turnieren das größte Pokerfestival in der Geschichte der European Poker Tour. Was erwartest du dir vom neuen Stopp in Malta und welche Events wirst du dort spielen?

MF: Ich erwarte mir eine tolle Turnierwoche mit einem umfangreichem Turnierangebot und vielen großen Preispools. Spielen werde ich wie immer das Main Event, das High Roller und ganz besonders freue ich mich auf den Start mit einem €25.500-Buy-In-Event, was man sonst eigentlich nur bei der PCA und in Monte Carlo geboten bekommt. Das Global Poker Master wird dann sicherlich noch das i-Tüpfelchen der Woche.

PZ: Wie du gerade schon durchblicken hast lassen bist du Teil des Team Germany beim Global Poker Masters. Was hältst du von Team Events und glaubst du, dass das Global Poker Masters ein Erfolg wird?

Global Poker Masters
„Das Global Poker Masters ist eine große Chance Poker von seiner besten Seite zu zeigen", glaubt Finger.

MF: Ich bin sehr gespannt auf das Global Poker Masters. So ein Format gab es in dieser Hinsicht noch nie in der Pokergeschichte. Ein Teamevent mit den besten Spielern der stärksten Pokernationen verspricht eine Menge Spaß und Entertainment.

Ich fühle mich sehr geehrt für dieses Event ausgewählt worden zu sein und freue mich darauf, mit meinen Pokerkollegen an diesem Wettbewerb teilzunehmen, um hoffentlich den Sieg für unser Land zu holen. Dieses Event sollte eine große Chance sein Poker mal wieder von seiner besten Seite zu zeigen und die Attraktivität des Spiels zu veranschaulichen.

PZ: Bei den Buchmachern ist Kanada der Favorit, doch GPI-Boss Alex Dreyfus hat über Twitter verlauten lassen, dass er auf Deutschland wetten würde. Wie siehst du eure Siegchancen?

MF: Wie in der oberen Frage bereits erwähnt, wird es sich um ein sehr stark besetztes Feld handeln. Aber ich kenne unser Team und somit auch die Stärken eines jeden einzelnen.

Martin Finger Team Germany
Martin Finger ist Teil des Team Germany und wird unser Land morgen beim Global Poker Masters vertreten.

Mit George haben wir einen 3-fachen Braceletgewinner, mit Ole Schemion den Shootingstar schlechthin der letzten Jahre, mit Marvin einen der erfahrensten Livepokerspieler auf dem Globus und mit Christopher Frank einen aufstrebenden jungen Pokerspieler im Team, der sich online schon längst einen Namen erspielt hat und ebenso über EPT Main Event Finaltischerfahrung verfügt.

Außerdem sind wir alle befreundet und werden Geschlossenheit präsentieren. Damit wäre mein persönlicher Geheimtipp Deutschland ohne die anderen Nationen zu unterschätzen.

PZ: Du bist gerade mal 25 Jahre und hast mittlerweile schon knapp 4,7 Millionen Dollar bei Liveturnieren, ein Bracelet und eine EPT gewonnen und somit pokertechnisch schon fast alles erreicht. Woher nimmst du deine Motivation weiterzumachen und was sind deine Pläne und Ziele für die Zukunft?

MF: Das Spiel an sich fasziniert mich einfach. Seine unglaubliche Komplexität in der Pokertheorie als auch das Verarbeiten von Live Reads und Tells machen es möglich, immer weiter lernen zu können unabhängig davon, wie gut und zufrieden jeder einzelne mit seinem momentanen Spiel ist.

In Zukunft wird man mich erst einmal weiterhin im Pokerzirkus finden, mit hoffentlich nur noch neuen und positiven Schlagzeilen.

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