Gus Hansen – Steht eine längere Pokerpause an?

Gus Hansen
Gus Hansen - Wie soll es weitergehen?

Er gewann WPT und Aussie Millions, spielt seit Jahren Poker und Backgammon auf den höchsten Levels und gehörte zu den 50 Sexiest Men Alive. Wie geht Gus Hansen mit dem Downswing der letzten Monate um?

Trotz allem: Eine Frage muss sein, denn es geht um die schönste Nebensache der Welt.

PZ: Welche Mannschaft unterstützt du bei der Fußball-WM und wer hat die größten Chancen auf den Titel?

GH: Ich unterstütze das Team, auf das ich wette.

PZ: Nämlich?

GH: Gute Frage, da ich noch gar nicht gesetzt habe. Brasilien hat den Heimvorteil, also sind sie stärker, als sie es woanders wären.

Die Spanier werden langsam etwas alt, gehören aber immer noch zu den besten. Und Deutschland hat mit Bayern München wohl die derzeit beste Mannschaft der Welt.

Da sind natürlich auch deutsche Spieler dabei. Deutschland könnte eine Rolle spielen.

Gus Hansen
Tracking Software? - Nein, aber wahrscheinlich sollte ich.

PZ: Benutzt du Tracking Software, wenn du online spielst?

GH: Nein, aber es scheint, als sollte ich damit anfangen!

Bis jetzt habe ich keine Ahnung von PokerTracke und Hold’em-Manager, aber ich muss mich wohl langsam damit beschäftigen.

PZ: Was hältst du davon, eine Shot Clock am Pokertisch einzuführen?

GH: Ich habe den High Roller Event in Prag gespielt, und da hatten wir einen Spieler am Tisch, der bei jeder einzelnen Hand ewig überlegt hat.

Irgendwann färbte das auf die anderen ab, und wir spielten nur halb so viele Hände wie die anderen Tische. Das war sehr frustrierend.

Wenn jemand eine schwierige Entscheidung treffen muss, soll er so viel Zeit bekommen, wie er braucht. Aber Staller sind schlecht für das Spiel.

Insgesamt glaube ich, die Shot Clock ist eine gute Idee. Gut für die Action, gut für das Fernsehen. Aber ich bin gegen Ausnahmen und extra Auszeiten. Das macht die Sache nur komplizierter.

30-60 Sekunden, was immer die Veranstalter entscheiden, und dabei bleibt es.

PZ: High Stakes Poker ist extrem anstrengend und geht an die Substanz, vor allem, wenn es schlecht läuft. Wie hast du deine Situation in den letzten Jahren empfunden und wie bleibst du optimistisch?

GH: Also zurzeit bin ich alles andere als sch…optimistisch, das kann ich dir sagen! Ich hatte erst gestern Nacht wieder eine furchtbare Session und brauche dringend Schlaf und ein bisschen Sport.

Ich mache eine ziemlich lange Durststrecke durch, also muss ich versuchen, die schlechten Ergebnisse zu ignorieren und mehr auf mich selbst achten.

Macau
High Stakes in Macau - mehrere Millionen Dollar im Pot.

Vielleicht sollte ich mal eine längere Pause einlegen.

PZ: Stimmst du der folgenden Aussage zu: Dein größtes Problem ist die Spielauswahl. Deine Bereitschaft, gegen jeden praktisch alles zu spielen, ruiniert dich.

GH: Ich würde sagen, ich habe ungefähr die schlechteste Spielauswahl auf der ganzen Welt.

PZ: Du bist seit Jahren fester Bestandteil der Pokerwelt. Könntest du dir vorstellen, einen Schlussstrich zu ziehen, wenn es weiter so bergab geht?

 GH: Ja. Andererseits war ich immer ein Gambler. Ich könnte mich teilweise aus der Szene zurückziehen, aber nicht vollständig.

PZ: Vor ein paar Jahren hast du während des EPT Grand Finals angeblich 2,5 Mio. Dollar beim Backgammon gewonnen. Stimmt die Geschichte? Kannst du mit Backgammon deine Pokerverluste kompensieren?

 GH: Die Geschichte stimmt. Ich habe damals in kurzer Zeit eine siebenstellige Summe gewonnen, allerdings später auch wieder verloren.

Gus Hansen
"Irgendwann kann ich die Verluste nicht mehr kompensieren."

Ich versuche, damit zusätzliches Geld zu verdienen, aber irgendwann kann ich die Verluste nicht mehr auffangen. Außerdem gibt es nicht viele Leute, die es sich leisten können, um so viel Geld zu spielen.

PZ: Tom Dwan hat Full Tilt verlassen? Hättest du einen Favoriten als Ersatz?

GH: Ein paar deutsche Namen fallen mir dazu ein. Philipp Gruissem zum Beispiel. Es gibt eine ganze Reihe richtig guter deutscher Spieler.

Ich glaube, die professionelle Einstellung der Deutschen wäre ein guter Kontrapunkt zu den etwas verrückteren Typen wie Isildur und mich.

PZ: Poker wird angeblich immer schwieriger. Kann man überhaupt noch davon leben? Muss man dafür nach Macau?

GH: Ganz offensichtlich kann man noch davon leben. Man muss nur besser sein als die anderen am Tisch. Aber es ist natürlich nicht mehr 2003.

In Macau ist es für mich sehr gut gelaufen, das hilft natürlich. Ich war schon häufiger da, aber in naher Zukunft stehen für mich erstmal das EPT-Finale und die WSOP an.

PZ: Überhaupt Macau. Erzähl uns doch ein bisschen mehr darüber, was da los ist.

GH: In Macau ist Poker fot genauso wie überall, aber es gibt natürlich auch Partien, in die man nur auf Einladung kommt. Bei meinem ersten Besuch bin ich so in eine private Partie gekommen.

Das gehört zu den Sonderregeln in Macau. Wenn ein Spieler in eine Runde einsteigen will, geht das nur, wenn die anderen Spieler zustimmen.

Gus Hansen
Hinterfragt sich selbst - Gus Hansen.

So läuft das übrigens auch im Backgammon, und mir ist das  sehr recht.

Ich habe in Macau ein paar irre Abende erlebt, mit Mehrfach-Straddles und Pots in höhe von mehreren Millionen US-Dollar. Dabei spiele ich gar nicht in den höchsten Partien.

PZ: Vielen Dank für das Gespräch. Ach ja, meinst du, du kommst nochmal unter die Top 50 der Most Sexiest People alive?

GH: Nein! Ich werde schließlich nicht jünger. Da müsste ich erstmal an mir arbeiten und einiges verändern, angefangen mit meiner physischen Verfassung.

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