Einmal bankrott und zurück

Andrew Feldman
Mit 22 schon alles gesehen - Andrew Feldman.

Andrew Feldman verspielte seine gesamte Bankroll an einem Tag. Er ging zu den anonymen Spielsüchtigen und mühte sich zum Schulabschluss. Dann entdeckte er einen Rest Rakeback auf einen Account und machte aus ein paar hundert Pfund innerhalb von acht Monaten $100.000. Jetzt spielt er das Full Tilt Million Euro Cash Game.

In nicht einmal 24 h war alles weg.

„Ich kam eines Nachts aus dem Casino nach Hause, wo ich bereits £2000 bei 3-Card-Poker verloren hatte. Ich war also sowieso schon genervt", erklärt Feldman.

„Ich dachte mir, was soll's, ich gewinne es online zurück. Also spielte ich mit meiner Bankroll $25/$50. Ein einziger Bad Beat reichte, um mich aus der Fassung zu bringen. Danach spielte ich immer schlechter, und am Ende der Session hatte ich meine halbe Bankroll verspielt."

„Ich ging ins Bett, und als ich wieder aufwachte, erschrak ich über meinen Kontostand. Ein paar Stunden später hatte ich alles verspielt."

Der damals 18-jährige Feldman war deprimiert und bankrott, aber das Schlimmste stand ihm noch bevor.

„Ich musste meinen Eltern beichten, dass mein ganzes Geld weg war. Das war umso schlimmer, weil sie mich mehrfach aufgefordert hatten, einen Teil davon zu überweisen, aber ich weigerte mich, weil ich ein bisschen abergläubisch war und dachte, ich würde nicht mehr regelmäßig gewinnen, wenn ich weniger auf dem Konto hatte."

„Meine Eltern, ok, das war's kein Glückspiel mehr in diesem Haus, du wirst dich jetzt auf deinen Schulabschluss konzentrieren und dann auf die Universität gehen." Ich wollte unbedingt weiterspielen, also brachten meine Eltern mich dazu, zu den anonymen Spielern zu gehen, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Aber sogar während der Zeit, als ich zu der Gruppe ging, konnte ich an nichts Anderes als Poker denken."

„Ich wollte wieder spielen, weil ich wusste, dass ich das Potenzial hatte. Ich brauchte nur eine neue Chance."

Wie es der Zufall wollte, entdeckte Feldman einige hundert Pfund auf einem Rakeback-Account. Genug, um wieder an die Tische zu gehen und zu grinden.

Andrew Feldman
Ich konnte an nichts Anderes als Poker denken.

„Am ersten Tag baute ich £1000 auf, nach einer Woche waren es £10.000, am Ende des Monats schon £30.000. Dann brachten meine Eltern mich dazu, den größten Teil davon auszucashen", erzählt Feldman. „Das Geld wurde angelegt, meine Eltern gaben mir £5000, mit denen ich machen konnte, was ich wollte, und sie zwangen mich, zunächst meine Abschlussprüfungen zu machen, was ich dann auch tat."

„Ich schaffte es irgendwie durch die Prüfungen, ohne wirklich großen Wert auf die Ergebnisse zu legen, wenn ich ehrlich bin. Ich wurde an der Universität aufgenommen, aber alles, was ich wollte, war weiter Poker spielen."

Und er spielte weiter, Mid-Stakes online, dann auch live bei der GUKPT. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregte er schließlich mit seinem Sieg und den £250.000 Preisgeld bei der 888.com IK Open, die auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde.

„Danach wurde ich auch zu anderen Events wie dem Poker Den Cash Game eingeladen, wo ich der Gewinner des Abends wurde", fährt Feldman fort. „Inzwischen habe ich schon eine Reihe von TV-Events gespielt. Erst letzte Woche haben wir das Fill Tilt Cash Game abgedreht."

Das Pokerphänomen Feldman ist heute 22 Jahre alt und lernte Poker von seinem älteren Bruder, der online auch Satellites spielte. Das meiste hat er sich jedoch selbst beigebracht - durch Praxis, nicht durch Lesen.

„Ich lese keine Bücher", sagt Feldman. „Ich lerne durch Erfahrung."

Der ebenfalls britische, ausgesprochene High-Stakes-Spezialist Luke „_FullFlush1_" Schwartz hat Feldman dafür kritisiert, die High-Stakes-Tische zu meiden. Feldman lässt sich dadurch aber nicht beeindrucken. Es ist nicht sein Ziel, an diesen Tischen allen zu zeigen, wer der beste ist.

Luke Schwartz
Feldman lässt sich von Schwartz nicht provozieren.

„Wenn ich Cash Game spiele, wähle ich meine Tische genau aus. Ich bin nicht so wie [Tom Dwan] oder Phil Ivey, die gegen jeden auf jedem Level antreten."

„In dem Full Tilt Cash Game gab es natürlich kein Dead Money, aber ich konnte mich immerhin der Öffentlichkeit zeigen und Erfahrung sammeln. Ich hatte nicht erwartet, zu gewinnen. Ich wollte nur dabei sein, um zu sehen, was dort abläuft."

„Ich muss nicht unbedingt der beste sein. Das ist einfach nicht mein Spiel. Ich versuche, die schwachen Spieler zu finden und auszunutzen."

Feldman zeigt sich auch nicht an einem verbalen Schlagabtausch mit Schwartz interessiert.

„[Schwartz] hat eben gewisse Eigenarten", erklärte Feldman dazu. „Er ist ein eigenwilliger Typ und er nimmt kein Blatt vor den Mund. Ich persönlich halte das nicht unbedingt für richtig, denn man sollte Respekt vor den anderen Spielern haben."

„Aber er macht das gern, er versucht, seine Gegner zum tilten zu bringen, das ist seine Strategie. Wenn das funktioniert und er sich damit wohlfühlt, bitteschön, seine Sache."

Derzeit wird Feldman von Full Tilt unterstützt und interessiert sich mehr für große Live-Turniere als für Online High Stakes.

„I würde gerne ein großes Turnier gewinnen. Ich habe schon seit längerem keine guten Ergebnisse mehr gehabt. Ich bräuchte einmal ein Erfolgserlebnis und ich möchte einen großen Titel gewinnen. Deshalb konzentriere ich mich vorerst auf Live-Turniere.

„Wenn ich auf Cash Games stoße, in denen ich Dead Money sehe, dann ok, ich bin dabei. Aber live möchte ich jetzt Turniere spielen. Und zwar so viele wie möglich."

 

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