Eddy Scharf verurteilt

eddy scharf dapd
Eddy Scharf vor dem Urteilsspruch. Photo: dapd.

Das Kölner Finanzgericht ist der Argumentation des Finanzamts gefolgt. Eddy Scharf hat die falsche Argumentation gewählt – und vielleicht auch den falschen Rechtsbeistand.

Das Verfahren wurde von der Poker-Community aufmerksam verfolgt, denn Eddy Scharf gehört zu den Pokerpionieren in Deutschland.

Begründet wurde das Urteil kurz gesagt damit, dass Scharf zu viel und zu gut spiele.

Ein Profi, argumentierten Gericht und Finanzamt, weiß besser, wie das Spiel funktioniert und hat deswegen gegenüber dem Hobbyspieler einen Vorteil. Außerdem spielt er häufiger, was das Spielen zu einem Gewerbe macht.

Ein Hobbyspieler, heißt es weiter, spielt seltener und verliert. Eddy Scharf hat viel gespielt und beizeiten auch gewonnen, muss also ein Profi sein. So weit, so wirr.

Was aber ist mit einem gewerblichen Spieler, der verliert? Oder einem Hobbyspieler, der mal so richtig gewinnt? Mit so schwierigen Fragen wollte sich das Gericht dann aber doch nicht auseinandersetzen, und das Finanzamt hatte natürlich gar kein Interesse daran, das Thema auch nur anzusprechen.

Dr Robert Kazemi
Anwalt Kazemi - professionelle Falschspieler?
 

Ein praktisches Beispiel:

WSOP Main Event 2009, Heads-up, Joe Cada gegen Darvin Moon. Nach der vom Kölner Gericht vertretenen Rechtsauffassung müsste der Jungprofi Cada hier seinen Gewinn versteuern, während der Holzfäller aus Maryland seine Prämie komplett behalten dürfte.

Im Gegenzug könnte Cada aber wohl seine Reisekosten absetzen, er ist ja ein gewerblicher Spieler. Moon als erklärter Amateur wäre dagegen als zahlungspflichtiger Tourist in Las Vegas.

Wo die Grenze zwischen Profi und Hobbyspieler liegt, wurde nicht definiert. Wie die Ausgaben angerechnet werden sollen? Auch kein Thema.

Eddy Scharfs Fehler

Er war lange Zeit als Red Pro bei Full Tilt aktiv, erreichte 2004 die letzten beiden Tische im WSOP Main Event, gewann zwei Bracelets, war Kommentator neben Michael Körner beim DSF und trägt einen der bekanntesten Namen der deutschsprachigen Pokerszene.

Das Finanzamt bezeichnete ihn gar als „Star der Szene“. Das ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber offenbar ist sich die Staatsmacht für ein bisschen Populismus nicht zu schade, wenn es um ein möglicherweise richtungweisendes Verfahren wie dieses geht.

Jahrelang war Eddy Scharf dafür eingetreten, Poker als Geschicklichkeitsspiel anzuerkennen. Vor Gericht behauptete er dann jedoch, es handele sich um ein Glücksspiel. Gewinne aus Glücksspiel sind in Deutschland steuerfrei.

Für die zahllosen Hobbyspieler hört sich das so an, als ob da jemand seine Überzeugungen verleugnet, nur um ein paar Kröten zu sparen. So etwas kommt gar nicht gut an.

Darvin Moon
Darvin Moon - Prämie komplett behalten?
 

Scharf hat erklärt, die Verurteilung würde ihn ruinieren, denn letztlich habe er mehr verloren als gewonnen, und die ganzen Ausgaben kämen ja auch noch dazu. Von außen ist diese Aussage nicht zu überprüfen, sicher ist aber, dass Scharfs Glaubwürdigkeit in der Szene stark gelitten hat.

Dabei könnte es durchaus so sein: Reisekosten, Hotelkosten, Lebenshaltungskosten addieren sich schnell zu erklecklichen Summen, und Scharf ist schon lange in der Casinoszene unterwegs. Sein erster Turniererfolg datiert aus dem Jahr 1996.

Andererseits bezeichnete sich Scharf vor Gericht hauptberuflich als Flugkapitän, und Piloten sind selten von Armut bedroht.

Wenn die Gewinn/Verlustrechnung von Eddy Scharf über Jahre tatsächlich negativ ausfällt, hätte er vielleicht lieber versuchen sollen, auch die Ausgaben geltend zu machen, um einer Steuernachzahlung zu entgehen.

Auch die Wahl seines Anwalts scheint unglücklich. Auf die Bemerkung der Richter, dass es Profipokerspieler schon Mitte des 19. Jhdts. gegeben habe, mit der Bemerkung zu reagieren, „mag sein, nur waren das dann aller Wahrscheinlichkeit nach professionelle Falschspieler“, rückt weder das Spiel noch den eigenen Mandanten in gutes Licht.

Die Fehler des Gerichts

„Wie heißt es so schön: Das Glück ist mit den Tüchtigen.“ Diese Worte stammen von der Vorsitzenden Richterin Maria-Elisabeth Wetzels-Böhm, die damit entweder eine große Portion Ignoranz oder Zynismus offenbart. Soll das etwa die Grundlage einer Besteuerung sein? Ein falsch zitiertes Sprichwort?

Scharf hat also das Glück durch viel Übung  erzwungen und sich damit quasi das Recht verschafft, besteuert werden zu müssen? Ernsthaft?

Die Probleme, die sich durch die Besteuerung von Pokerprofis ergeben, können Sie hier im Detail nachlesen.

Das Finanzamt argumentierte vor Gericht damit, dass Poker ja schließlich ein Spiel sei, bei dem es auch auf um psychologische Fertigkeiten ginge.

Das ist zwar sehr richtig gesagt vom Finanzamt, widerspricht aber irgendwie allem, was jemals vom Staat vorgebracht wurde. Woher der Sinneswandel? Um ein Exempel zu statuieren?

poker paragraph
Gerichtsurteil mit Folgen - das Glück ist mit den Tüchtigen?
 

Führt man die Argumentation zu Ende, ergeben sich ja nicht unbedingt Vorteile für die deutschen Steuereinzieher.

Obwohl oder gerade weil es extrem unwahrscheinlich ist, dass das Gericht auch nur über oberflächliches Wissen darüber verfügt, wer die „Stars der Szene“ sind, fiel dieses unglücklicherweise auch noch auf einen so plakativen Terminus herein.

Wetzels-Böhm verstieg sich laut sueddeutsche.de gar zu der Aussage, dass allein der Umstand, dass Pokerturniere existieren, sowie die Tatsache, dass gewisse Spieler in der Szene  bekannter seien als andere, ein Hinweis darauf sei, dass es auf Können ankomme.

Genau. So wie bei dem großen Casting-Turnier DSDS, bei schon Leute brühmt wurden, weil sie noch nie von Shakespeare gehört hatten. Da kommt’s offenbar auch auf's Können an, und es gewinnt immer der Beste.  

Damit kommen wir zum letzten Fehler: der einseitigen Betrachtung von Turnierergebnissen.

Profipokerspieler spielen anteilsmäßig häufig deutlich mehr Cash Games als Turniere. Diese werden jedoch in dem Prozess gar nicht berücksichtigt.

Man kann darf also ein Vermögen in regelmäßigen Cash Games verdienen, ohne behelligt zu werden. Gewinnt man aber ein Turnier, das nur einmal im Jahr stattfindet, gerät man in den Verdacht der Gewerbsmäßigkeit.

Aber das Glück ist ja mit den Tüchtigen. Woher das Glück den Unterschied zwischen Turnieren und Cash Games kennt, ist allerdings ungewiss.

„Beredsamkeit“, so lautet übrigens ein anderes deutsches Sprichwort, „ist Logik in Flammen.“

In nächster Instanz wird sich nun der Bundesfinanzhof des Falles annehmen.

Über den Autor: Dirk Oetzmann
Dirk Oetzmann ist leitender Redakteur bei PokerListings/Europa.

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DonkKilla 2013-03-12 15:53:31

Vom Rake leben schließlich auch die Anbieter....das wird nie aufhören zu fließen :) Wenn hingegen die Spieler besteuert werden (je nach Laune der Justiz) bringt das nur Unsicherheit für alle Beteiligten.

DOnkKilla 2013-03-12 15:51:52

Mein Meinung zu dem Thema ist, das sich der Staat besser Steuermässig an das Rake dran hängt, anstatt die Spieler zu besteuern. Poker ist ein Skillspiel, so lange es einen Skillunterschied gibt. Sind alle Spieler mehr oder weniger auf einem Level entscheidet leider das Glück (die gedealten Karten). Wie soll der Staat das Trennen???

D0nkKilla 2013-03-12 15:49:21

Igor.....dein posting ist zwar schon etwas älter...aber das kann ich so nicht stehen lassen. Dir ist schon klar das nur ein kleiner Teil der Spieler gewinnt langfristig, oder? Und dies sind zumeist die Leute, die am härtesten an ihrem Spiel gearbeitet haben. Hast Du jemals ein Buch über Poker gelesen, Videos gesehen oder Coaching in Anspruch genommen? Ein Coach stopft deine Leaks in der korrekten Reihenfolge (größte Leaks zu erst), wenn er gut ist. GL

Floater 2012-11-07 13:17:36

@jokerstars

Welche Machenschaften? Womit hat Igor recht? Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, wo sind dann die Machenschaften?

Ich kann keinen Sinn in deinem Post finden.

Igor Soukharyev 2012-11-06 11:49:53

Durch Ausnahme und Untersuchung von Festplatten der Servers + Geständnis und Mitwirkung von IT-Personal ist alles nachweisbar.

jokerstars 2012-11-06 03:07:19

Igor hat vollkommen recht. Alles Schmuh ! Nur leider ist es schwierig diese Machenschaften zu unterbinden/beweisen da ja immer alles mit "Rechten Dingen zugeht" bla bla bla

Igor Soukharyev 2012-11-04 11:58:05

DER RECHTSSTAAT WIRD BALD EIN MITGLIED DER BANDE. JA - DAS HEIßT - MAFIA.
Online-Poker ist weder ein Glücksspiel, noch eine Sportart. In einer Sportart muss irgendwie "Fair Play" versorgt werden. An Spielen mit nicht voller Information kann nichts geprüft werden. Bei Glücksspielen garantiert ein Anbieter bestimmte Gewinnwahrscheinlichkeit, was bei online-Poker durch das Mythos über Geschicklichkeit dementiert ist. Bots sammeln alle Gelder ohne Rest. Einzige "Prominente" gewinnen was nach positiven Einstellungen eurer Konten, aber nur im Rahmen der Werbungsaktionen.
Einfach umfassend: um im online-Poker zu gewinnen, haben viele die besondere mathematische und psychologische Talente. Aber ohne Einstellungen des Profiles auf "+" von IT-Personal des Anbieters gewinnt niemand. Wie im wahren Leben - von Talenten hängt nichts ab. Nur von Beziehungen, Positionen, Verwandschaft, Bestechung usw.
Haben die Rechtsstaaten diesen nackten Betrug noch nicht entdeckt? Natürlich, nein... Die Rechtsstaaten werden gerne Komplizen dieses betrügerischen Businesses. Katastrophe...