Die widersprüchliche Welt des Daniel Colman

Daniel Colman

Daniel Colmans Verhalten nach dem Gewinn des Big One for One Drop 2014 und seine überraschende Antwort auf die harte Kritik der Medien hat eine große Diskussion in der Pokerwelt ausgelöst. Rainer Vollmar, den Colmans Post im 2+2 Forum ganz besonders bewegt hat, bezieht mit dem folgenden Text ganz klar Position und zieht einen überaus interessanten Vergleich zur Fußball-WM.

Auch bei uns in der Redaktion war das Verhalten von Daniel Colman Thema Nummer Eins uns so haben sich unsere beiden Redakteure Dirk Oetzmann und Rainer Vollmar unabhängig und ohne voneinander zu wissen Gedanken dazu gemacht. Es ist sehr interessant zu sehen wie unterschiedlich man dieses Thema interpretieren kann und die beiden Meinungen dann gegenüberzustellen und zu vergleichen.

Während Dirk eine Brücke von Poker zum Sinn des Lebens schlägt, analysiert Rainer das Verhalten von Daniel Colman ganz genau und stellt den Bezug zur Fußball-WM in Brasilien her.

Hier ist Rainer's Sicht der Dinge:

Mit der medialen Totalverweigerung nach seinem Triumph beim Big One for One Drop 2014 hat Daniel Colman zumindest in der amerikanischen Öffentlichkeit für einen mittleren Skandal gesorgt. Seine spätere Erklärung im TwoPlusTwo-Forum goss weiteres Öl ins Feuer, allerdings dürften sich die Herrschaften der Las Vegas Sun und Konsorten kaum in diese tiefgründigere Welt des Pokerspiels verirrt haben. Die Medien und das breite Publikum wollen (vor allem in den USA) strahlende Sieger sehen, da kommt jemand, der gerade über 15 Millionen bei einem dreitägigen Pokerturnier gewonnen hat und das Siegerlächeln verweigert, überhaupt nicht recht.

Stellen wir uns tatsächlich einmal vor, der Kapitän des künftigen Fußball-Weltmeisters würde am kommenden Sonntag mit grimmiger Miene den Pokal aus den Händen von Joseph Blatter in Empfang nehmen, ausdruckslos an seine Mannschaftskameraden weitergeben und schließlich jede Interviewanfrage ablehnen.

FIFA Fussball Weltmeisterschaft Brasilien 2014 Pokal
Ein Verhalten wie das von Daniel Colman wäre bei der Siegerehrung der Fußball-WM in Brasilien undenkbar.

Das wäre mehr als verblüffend (und wahrscheinlich musste er unterschreiben, dass er Letzteres nicht tut), wenngleich es für ein solches Verhalten viele nachvollziehbare Motive gäbe. Der enorme Druck, der auf den Spielern lastet, die unerträgliche Korruption in der FIFA und deren Milliardenreibach, die soziale Belastung in einem Land wie Brasilien und vieles mehr. Und dennoch wird ein solches Szenario vermutlich nicht vorkommen, denn die meisten Spieler und Verbände interessiert das entweder nicht oder sie wissen genau, was sie von dem System haben und wie stark sie selbst davon profitieren. Ist man aber an einem Punkt, an dem etwas nicht mehr akzeptieren kann, muss man die Konsequenzen ziehen, wie etwa ein Boykott der FIFA WM 2022, der momentan in vielen Ländern diskutiert wird.

Und genau an diesem Punkt kommt wieder Daniel Colman ins Spiel. Der Amerikaner schreibt in seiner Erklärung auf TwoPlusTwo, „Wenn man die Menschen dazu bringt, zu jemandem aufzusehen und nach dem Motto, ‚Werde reich und vergiss alles andere‘ zu leben, dann entsozialisiert man sie, und das ist sehr gut für das herrschende System. Außerdem vergessen die Menschen dadurch, um was es im Leben wirklich geht.“

Womöglich hat Colman Recht, doch nun kommen wieder die Fußballer ins Spiel. Das Big One ist das teuerste Pokerturnier der Welt, mit der höchsten Siegprämie und einer enormen Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Von außen betrachtet, kann es dabei nur darum gehen, den Sieg zu erringen und reich zu werden. Was sonst sollte der Grund sein, sich mit mehreren Profis und einigen Amateuren zu messen? Warum in Teufels Namen kritisiert Colman das, was er mit seiner eigenen Teilnahme nicht nur akzeptiert, sondern sogar fördert?

Daniel Colman
Das Handeln von Daniel Colman beim Big One for One Drop hat viele zum Nachdenken angeregt und die Pokerwelt in zwei Lager gespalten.

In seinem Statement erwähnt Colman auch, dass er keine Werbung für das Pokerspiel machen wolle, außerdem hätte es für die Spieler sowohl finanzielle als auch emotional negative Auswirkungen. Ist ein solcher Text nach dem Gewinn von 15 Millionen Dollar angemessen oder einfach nur unverschämt?

Dabei hat Colman im Grunde mit allem Recht, das wird jeder langjährige Pokerspieler mit durchschnittlicher Introspektionsfähigkeit bestätigen, er hat nur kein Recht, es zu sagen. Mit seiner Teilnahme akzeptierte er die Spielregeln, die beim Poker nun einmal getreu dem Darwin‘schen „Survival of the fittest“ lauten, nimm den andern ihr Geld ab, bevor sie es bei dir tun. Mit seinem Sieg bewarb er das Pokerspiel als Disziplin, bei der man 15 Millionen Dollar gewinnen kann, wenn man nur klug genug ist und ein bisschen Glück hat. Mit seinem Sieg sorgte er möglicherweise für emotional negative Auswirkungen bei Mitspielern, die sich das Buy-In nicht recht leisten konnten oder aus anderen Gründen. Und all das wusste er im Voraus.

Daniel Colmans Aufbegehren nach dem Gewinn des Big One kommt zu spät bzw. zum falschen Zeitpunkt. Seine Worte enthalten viel Wahres, doch er ist im Grunde der Letzte, dem sie über die Lippen kommen sollten. Oder wie Adorno schon sagte: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“   

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