Das Ende der GPPA

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Zwischen Wahn und Wirklichkeit - Horst Koch.

Horst Koch gibt auf. Zumindest sieht es so aus, denn einer der bekanntesten und bestgehassten Pokerveranstalter hat keine Mitarbeiter mehr. Das Ende einer Ära?

Ende Dezember verließ der letzte feste Mitarbeiter das Büro. Auf der Seite, die den Turnierplan auflistet, findet man nur noch den Eintrag „Keine Ergebnisse gefunden!". War es der allgemeine Niedergang der Sachpreisturniere oder muss sich Horst Koch, der berüchtigste aller Turnierveranstalter, selbst die Schuld an der Entwicklung geben?

Vor drei Jahren war die German Poker Players Association ganz dick im Geschäft. Zwischen Schleswig-Holstein und Bayern arbeitete in jedem Bundsland mindestens ein Turnierleiter für den Veranstalter aus Leinfelden-Echterdingen. Der Turnierkalender war voll, teilweise fanden über einhundert Turniere innerhalb eines Monats statt, in der Leverkusener BayArena kamen über 500 Spieler zu einem einzigen Turnier. Koch mietete neue Büroräume an, über 100 qm in einem Industriegebiet in Echterdingen, in direkter Nähe zu Autobahn und Flughafen. Die Ansprüche stiegen.

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Keine Turniere mehr geplant.

Im Frühjahr klingelte dann auch noch der Online-Pokeranbieter Gnuf aus Schweden und bot an, eine Turnierserie in ganz Deutschland auszutragen, an deren Ende fünf Sponsorenverträge im Wert von jeweils $250.000 winken sollten. Bis heute die größte Promotion, die je in Deutschland stattgefunden hat. Es sah gut aus für den umstrittenen Schwaben, der seinen Turnierleitern das Ereignis mit der ihm ureigenen irrlichternden Rhetorik ankündigte: „Jeder Einzelne muss von jetzt an sieben Tage die Woche für das Projekt arbeiten. Der eine mehr, der andere weniger."

Bedenken äußerte er dagegen eher im kleineren Kreis: „Ein Online-Casino ist ein zweigleisiges Schwert. Damit muss man sich erst einmal auseinanderschlagen."

Die Serie sollte der größte Triumph für die GPPA werden und wurde stattdessen eine Katstrophe. Schlechtes Marketing führte dazu, dass der Bekanntheitsgrad der Promotion trotz der großen Zahlen nicht so recht wachsen wollte. So wurde z. B. auf Fernsehwerbung ganz verzichtet, obwohl dies im Rahmen von .net-Spots durchaus möglich gewesen wäre. Gnuf wechselte zunächst die PR-Firma, dann den Marketing-Verantwortlichen, aber es half nichts. Zwar waren einige Turniere - es wurden sowohl Buy-inTurniere als auch Freerolls gespielt - gut besucht, in manchen Regionen ließen sich aber nicht einmal zwei Tische besetzen. Bei einem Preispool von weit über einer Million eigentlich undenkbar.

Dabei zeigte sich das Online-Casino durchaus großzügig. Neben den Hauptpreisen wurden zusätzlich Monatspreise ausgespielt. Darunter war schnell mal ein Kleinwagen oder eine Reise zu den Irish Open mit allem Drum und Dran. Mehrere tausend Spieler nahmen an der Serie insgesamt teil, doch nach den Vorstellungen der Sponsoren hätten es wohl mehrere Zehntausend sein müssen. Trotzdem sah es lange Zeit so aus, als würde die Serie zu einem guten Ende gebracht werden können.

Zum großen Finale reisten über 200 Spieler aus ganz Deutschland an, um fünf Viertelmillionen Dollar zu verteilen. Zusätzliche Preise wie Fernseher und andere Elektrogeräte, die zur damaligen Zeit bei den ortsüblichen €15-Turnieren gerne als Hauptpreise ausgespielt wurden, fielen da gar nicht mehr weiter ins Gewicht, denn jetzt ging es ja um das große Geld.

Was die Teilnehmer nicht wussten war, dass der Sponsor den bestehenden Vertrag wenige Tage vor dem Finale einseitig aufgekündigt und erklärt hatte, aufgrund des mangelnden Erfolgs der gesamten Marketing-Aktion sei die Ausspielung einer so großen Summe nicht mehr möglich.

Für die GPPA war das der Super-GAU. Wie sollte man den Spielern das beibringen? Außerdem fühlte man sich an den Vertrag gebunden, in dem angeblich stand, dass über ihn nicht gesprochen werden durfte. Klingt merkwürdig? So äußerten sich aber die Verantwortlichen. Und bei den Kontroversen, die sich ohnehin ständig um Koch rankten, würde der Schuldige schnell gefunden sein.

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Mit Marcel Luske zu besseren Zeiten - „Wenn ich  das nicht darf, dürfen die das auch nicht."

Vielleicht hätte man die Situation noch retten können, aber Koch, der gerne mal den Abend damit verbrachte, Websites von Konkurrenten auf abmahnungswürdige Links (z. B. zu Pokerräumen) hin zu untersuchen und sich damit die tiefe Abneigung fast aller Pokerveranstalter des Landes zugezogen hatte (Motto: „Wenn ich das nicht darf, dürfen die das auch nicht!"), konnte nicht mit Verständnis rechnen.

Zu viele Vereine und Veranstalter hatten von seinen Anwälten bereits besagte Abmahnungen bekommen, für viele war das überhaupt das Einzige, was sie mit Koch verbanden. Abgesehen natürlich von der kaum fassbaren Story um den „Pokerweltmeister Horst Koch", der Mutter aller Bluffs. Damals war Koch nach einem Casinoturniersieg mit einem selbstgemachten Pokal bei RTL als „Weltmeister" angetreten. Der Fernsehsender drehte prompt eine Reportage.

Die Enttäuschung der Gewinner war verständlicherweise riesig, der Frust schlug sich Bahn in einer Flut von Protestmails, Schmähungen in Foren und wütenden Anrufen. Hinzu kam, dass die GPPA mehrere Wochen benötigte, bevor sie überhaupt zu dem Fiasko Stellung nahm. Zu diesem Zeitpunkt war das Kind natürlich längst in den Brunnen gefallen und der vermeintlich Verantwortliche ausgemacht.

Aber auch hinter den Kulissen brodelte es schon längst. Koch und mehrere Turnierleiter beschuldigten sich mehr oder weniger gegenseitig finanzieller Manipulationen, in der Folge gingen die ersten Turnierleiter oder wurden gegangen. Koch zog einen Unternehmensberater hinzu, der für eine weitere „Verschlankung" der GPPA sorgte, sodass innerhalb weniger Monate ein Großteil der Mitarbeiter ausschied. Danach ging auch der Unternehmensberater.

Was Mitte 2008 blieb, war eine Rumpftruppe weniger Unbeirrter, die an einen Neuanfang glaubten. Vergeblich, wie sich nun zeigt. Einige Monate lang dümpelten noch wenige Turniere im Raum Stuttgart/Reutlingen sowie in Rheinland-Pfalz vor sich hin, dann verschwanden auch sie. Die letzte News-Meldung datiert vom Dezember 2009, das letzte Turnier war für Februar 2010 angekündigt.

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Sturgarter 2011-07-04 03:51:24

RIP GPPA

hk 2011-07-04 03:12:18

gppa.de seems to be offline!

horst 2010-10-03 09:25:03

ja ja unser horst.. trotz der guten idee und vorallem das umsetzen von pokerturnieren, ging letztlich alles in die brüche, weil "unser" horst den hals nicht voll bekam..