Open Face Chinese Poker - Regeln und Strategie

chinese poker hand

Allen Pokerfans, die zumindest gelegentlich eine willkommene Abwechslung zu No-Limit Hold’em oder Pot-Limit Omaha suchen, steht mit Open Face Chinese Poker eine interessante Variante zur Verfügung, die eine Menge Spaß macht. Wir stellen die Open Face Chinese Poker Regeln vor.

In den USA ist Open Face Chinese Poker aktuell der letzte Schrei. Im Rahmen der NBC National Heads-Up Championship 2013 berichtete Barry Greenstein von einer Partie mit Viktor Blom, Tom Dwan und Gus Hansen, bei der um astronomische Summen gespielt wurde und deretwegen Blom um ein Haar sein Match gegen Andrew Lichtenberger versäumt hätte.

In diesem Artikel wollen wir die Regeln sowie die Wertung erläutern und einige strategische Tipps geben. Open Face Chinese Poker ist leicht zu erlernen und garantiert auch ohne große Einsätze viel Vergnügen.

Regelwerk

Im Unterschied zum normalen Chinese Poker, wo jeder Spieler direkt 13 Karten bekommt und daraus verdeckt drei Pokerhände bilden muss, wird Open Face Chinese Poker mit offenen Karten gespielt, das grundlegende Prinzip ist aber dasselbe.

dwan blom
Viktor Blom und Tom Dwan sind begeisterte OFCP-Spieler.
 

Verwendet wird ein normales Blatt mit 52 Karten, teilnehmen können 2 bis 4 Spieler.

Das Ziel beim Open Face Chinese Poker (und beim normalen Chinese) ist es, aus den 13 Karten eine Front Hand (mit drei Karten), eine Middle Hand (mit fünf Karten) und eine Back Hand (mit fünf Karten) zu bilden.

Der Wert der Hände muss  von vorne nach hinten ansteigen.

Am Ende werden die Hände verglichen und entsprechend Punkte vergeben, außerdem gibt es sogenannte Royalties für besonders gute Hände. Zur Wertung später mehr.

Spielablauf

Wie bei anderen Pokervarianten gibt es beim Open Face Chinese Poker einen Dealer-Button, der wie gewohnt nach jedem Spiel im Uhrzeigersinn verschoben wird. Die Reihenfolge der Aktionen ist ebenfalls wie sonst – der Spieler links vom Button ist immer als Erster an der Reihe. 

Jeder Spieler erhält zunächst 5 Karten, die er beliebig, aber offen auf seine drei Hände verteilt. Pro Spielrunde bekommt jeder Spieler eine weitere Karte, die er wiederum offen zuordnen muss. So geht es, bis jeder 13 Karten bekommen und diese auf seine drei Hände verteilt hat. Die Runde ist beendet und die Punkte werden vergeben.

Beispiel:

 

Spieler 1   Spieler 2

FRONT HAND

     

 

 

FRONT HAND

     

MIDDLE HAND

         

 

 

MIDDLE HAND

         

BACK HAND

         

 

BACK HAND

         

Wertung

Alle Spieler vergleichen untereinander ihre Hände und rechnen mit jedem Gegner einzeln ab. Für einen Sieg in allen drei Händen (ein sogenannter Scoop) gibt es 6 Punkte, für zwei bessere Hände gibt es 1 Punkt, für zwei schlechtere Hände gibt es -1 Punkt und für drei schlechtere Hände -6 Punkte.

Für unser Beispiel bedeutet das:

  • Spieler 2 gewinnt die Back Hand mit Full House Königen voller Neunen gegen den Flush von Spieler 1.
  • Spieler 2 gewinnt die Middle Hand mit einer Straight 6-10 gegen ein Set Sechsen.
  • Spieler 1 gewinnt die Front Hand mit einem Paar Buben gegen Ass hoch.

Damit ist die Wertung aber noch nicht beendet. Anschließend werden die Sonderpunkte/Royalties für besondere Handstärken vergeben und verrechnet.

Dies ist etwas komplizierter und sollte am Anfang mit einem Hilfsblatt erledigt werden. Hier die Punktevergabe:

Sonderpunkte für Middle Hand und Back Hand:

Handstärke

Middle Hand

Back Hand

Straight

4

2

Flush

8

4

Full House

12

6

Vierling

16

8

Straight Flush

20

10

Royal Flush

40

20

 

Sonderpunkte für Front Hand:

66 = 1 Sonderpunkt, 77 = 2 Sonderpunkte, 88 = 3 Sonderpunkte, 99 = 4 Sonderpunkte, TT = 5 Sonderpunkte, JJ = 6 Sonderpunkte, QQ, = 7 Sonderpunkte, KK = 8 Sonderpunkte, AA = 9 Sonderpunkte, 222 = 10 Sonderpunkte, 333 = 11 Sonderpunkte, 444 = 12 Sonderpunkte, 555 = 13 Sonderpunkte, 666 = 14 Sonderpunkte, 777 = 15 Sonderpunkte, 888 = 16 Sonderpunkte, 999 = 17 Sonderpunkte, TTT = 18 Sonderpunkte, JJJ = 19 Sonderpunkte, QQQ = 20 Sonderpunkte, KKK = 21 Sonderpunkte, AAA = 22 Sonderpunkte.

Für unser Beispiel ergibt sich also folgende Punktezahl:

1. Spieler 2 hat zwei bessere Hände als Spieler 1 und erhält dafür einen Punkt. Spieler 1 erhält entsprechend -1 Punkt.

2. Spieler 1 erhält außerdem 4 Punkte für einen Flush in der Back Hand sowie 6 Punkte für das Bubenpaar in der Front Hand.

3. Spieler 2 erhält zuästzlich 6 Punkte für das Full House in der Back Hand und 4 Punkte für die Straight in der Middle Hand.

Insgesamt schließt also Spieler 1 diese Runde mit 9 Punkten, Spieler 2 mit 11 Punkten ab.

Ungültige Hand

Sowohl die Abrechnung der Hände als auch der Royalties eines Spielers findet nur statt, wenn dieser regelgemäß die beste Hand in der Back Hand, die zweitbeste in der Middle Hand und die drittbeste in der Front Hand hat. Andernfalls ist die Hand ungültig und die anderen Spieler erhalten jeweils 6 Punkte für den Scoop (natürlich nur, wenn sie selbst gültige Hände haben).

Strategische Tipps

Wie bei anderen Pokervarianten braucht man auch beim Open Face Chinese Poker viel Erfahrung, um gut zu spielen, kann aber – auch das eine Analogie – direkt loslegen und sein Glück versuchen. Für Anfänger ist es zunächst am besten, dafür zu sorgen, dass drei gültige Hände entstehen.

Der erbitterte Kampf um hochwertige Royalties führt oft dazu, dass man am Ende keine gültige Hand hat und damit leer ausgeht.

peter jetten
Peter Jetten gewann das erste offizielle OFCP-Turnier bei der EPT PCA 2013.
 

Ein allzu ambitioniertes Vorgehen in der Front Hand, etwa indem man dort mit den ersten fünf Karten ein Paar legt, hat dagegen oft zur Folge, dass sich anschließend keine besseren Middle- und Back Hands bilden lassen und man gescoopt wird.

Beides sollte man vor allem am Anfang vermeiden.

Strategisch interessant ist Open Face Chinese Poker auch deshalb, weil man im Spielverlauf immer mehr Informationen bekommt und die Anzahl seiner Outs immer besser abschätzen kann. Dies gilt umso mehr, je größer die Anzahl der Spieler ist. In diesem Kontext ist auch die Position von Wichtigkeit, je später man an der Reihe ist, desto mehr Informationen liegen vor.

Spiel, Spaß und Spannung

Wem die Wertung der Royalties kompliziert erscheint, sollte sich davon nicht abschrecken lassen. Open Face Chinese Poker ist ein grandioses Spiel, das einen gewaltigen Suchtfaktor hat und gerade mit vier Spielern extrem spannend ist.

Auch durch anfängliche Misserfolge sollte man sich nicht entmutigen lassen. Übung macht wie üblich Meister, und schon beim nächsten Spiel kann es passieren, dass die scheinbar gute Hand des Gegners sich am Ende in Luft auflöst.

Viel Spaß!

 

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