Mike McDonald: „Ich finde Shot Clocks beim Live Poker großartig“

Mike McDonald

Mike McDonald ist für viele der beste Turnierspieler der Welt. Seine Extraklasse stellte er kürzlich bei der EPT Malta mal wieder einmal unter Beweis, als er das €25k High Roller für eine halbe Million Euro gewann, und auch beim Main Event einen Deep Run hinlegte. Darüber hinaus ist McDonald jemand, der sich intensiv mit den Entwicklungen in der Pokerszene auseinandersetzt. Stalling zu deutsch Zeitschinderei durch das wiederholte Aufbrauchen der Bedenkzeit, wird zu einem immer größeren Problem bei Pokerturnieren. Deshalb baten wir Mike zum Interview, denn wenn jemand eine Lösung hat, dann Timex.

Stalling ist ethisch fragwürdig, kann aber korrekt sein

PokerZeit: Hältst du Stalling für ein wachsendes Problem beim Live Poker?

Mike McDonald: Das Problem liegt in der Payout-Struktur großer Liveturniere. Als Pokerspieler will man Entscheidungen treffen, die einem möglichst viel Geld einbringen.

Stalling
Stalling, zu deutsch übertriebene Zeitschinderei, ist ein wachsendes Problem bei Pokerturnieren.

Gerät man im Bereich der Money Bubble in eine spezielle Situation, muss man sich entschließen, ob man eine ethisch fragwürdige Entscheidung trifft oder lieber viel Geld riskiert.

Es wird immer schwieriger mit Poker seinen Lebensunterhalt zu verdienen, deshalb entscheiden sich mittlerweile viele für die ethisch fragwürdige Entscheidung.

Die Lösung liegt in der Veränderung der Payout-Struktur

PZ: Wie würdest du die Payout-Struktur verändern, um dieses Problem zu lösen?

MM: Eine Möglichkeit wäre, nicht die konkreten Preisgelder bekannt zu geben, sondern nur ungefähre Angaben zu machen, und auch nicht zu veröffentlichen, auf welchen Plätzen sich die Preisgeldsprünge befinden.  

Eine andere Maßnahme könnte sein – vielleicht nicht bei normalen Events, aber bei Turnieren, an denen vor allem Profis und Regulars teilnehmen – einen Min-Cash einzuführen, der niedriger als das Buy-In ist.

 

Mike McDonald EPT Malta High Roller
Mike McDonald gewann kürzlich das €25k EPT Malta High Roller für eine halbe Million Euro und hat schon mehr als 12,5 Millionen bei Liveturnieren gewonnen.

Der ist zwar nicht profitabel, verhindert aber diese enorme Dynamik, die die Bubble mit sich bringt. Aktuell liegt der Min-Cash bei einem Turnier mit einem Buy-In von €5.000 bei €8.000 oder €9.000.

Liegt der Unterschied bei drei Buy-Ins oder nichts, ist es strategisch korrekt, weniger Hände zu spielen und keine Chips zu riskieren. Noch effektiver ist es das Spiel maximal zu verzögern und gar keine Hände zu spielen.

PZ: Ist es realistisch, die Payouts nicht bekannt zu geben? Stell dir das beim WSOP Main Event vor, wenn niemand weiß, wie viel der Sieger bekommt.

MM: Eine Möglichkeit wäre es, das zunächst online zu testen. Live könnte man es am ehesten in High Roller Events mit einer hohen Profidichte ausprobieren.

Mein Vorschlag wäre, dass man, anstatt alle zehn Spieler einen Geldsprung durchzuführen, zufällig eine Zahl zwischen eins und neun auswählt, um zu bestimmen, wie viele ausgeschiedene Spieler in der nächsten Preisgeldstufe landen.

Wer nicht spielen will, muss zahlen

PZ: Was hältst du von der Einführung einer Shot Clock, um das Spiel zu beschleunigen?

MM: Obwohl ich selbst ein langsamer Spieler bin, bin ich ein großer Befürworter der Shot Clock beim Live Poker und finde sie großartig.

So sehr ich von Reads und anderen Faktoren beim Live Poker profitiere, wäre mein Vorteil vermutlich noch größer, wenn ich mehr Hände pro Stunde spielen könnte.

PZ: Was machst du, wenn jemand an deinem Tisch Stalling betreibt?

MM:  Ich rufe den Floorman und calle die Clock auf ihn.

PZ: Dann gibt es doch eine Regel, die eine Gegenmaßnahme darstellt?

MM: Die Clock zu callen allein reicht leider nicht aus. Im Main Event der EPT Malta hatten wir eine Situation, bei der der Spieler innerhalb von einer Sekunde eine Entscheidung hätte treffen können.

mike mcdonald pca2014
"Die Clock zu callen allein reicht leider nicht aus."

Nach zehn Sekunden callte ich die Clock, aber die Turnierleitung sagte mir, ich könne den Spieler erst nach zwei Minuten anzählen lassen. Dieser Spieler konnte also 180 Sekunden statt zehn Sekunden verstreichen lassen, für eine Entscheidung die eine Sekunde dauert.

Die bestehenden Regeln verhindern das nicht. Müsste ein Spieler dafür bezahlen, um länger nachzudenken, könnte man das Problem zwar nicht völlig lösen, aber immerhin eindämmen.

Um mehr Bedenkzeit zu bekommen, müsste man jedes Mal ein paar seiner Chips abgeben. Wenn jeder Spieler bezahlen muss, werden die schnellen Spieler bevorteilt. Ich bin mir sicher, dass etwas in dieser Art funktionieren würde.

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