Lusitanische Gemächlichkeit: Poker an der Algarve

Praia da Rocha
Praia da Rocha an der Algarve

Weithin sichtbar leuchtet der stahlblaue Neonschriftzug des Casinos über die landseitige Hotelzeile der Strandpromenade von Praia da Rocha. Der weltbekannte Badeort ist Portimao vorgelagert, einer der größten Städte an der portugiesischen Algarve mit 45.000 Einwohnern und einem bedeutenden Fischfang- und Kreuzfahrthafen der portugiesischen Südküste.

Praia da Rocha (Felsenstrand) ist ein ehemaliger Villenvorort von Portimao, wo sich reiche portugiesische Konservenfabrikanten in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts luxuriöse Strandvillen bauen ließen. Auch heute noch verströmt der Ort eine mondäne Atmosphäre. Die Hotels sind deutlich exklusiver als im Betonmoloch Portimao.

Das Casino ist vor längerer Zeit aus dem Golfparadies Alvor nach Praia da Rocha verlegt worden. Man betritt es durch einen schwarz verglasten Eingang mit einem Sternenmuster aus Leuchtdioden und staunt über die Riesenfläche, die dort zur Verfügung steht. Es findet keinerlei Einlasskontrolle statt, jeder kann ohne Identifikation den Tempel des Glücks betreten.

Die Riesenfläche wird fast ausschließlich von Slotmachines, elektronischen Roulettes und allen möglichen Automaten beansprucht. Livegames wie Roulette, Black Jack und das rätselhafte Würfelspiel „Banca Françesa“ finden im deutlich kleineren Untergeschoss statt, Nicht ganz: ziemlich einsam und deplatziert - zwischen den Schluchten der Spielautomaten gelegen – findet der hoffnungsvolle Pokertourist einen Bereich mit vier Pokertischen. Nur räumlich abgetrennt durch Kordeln, akustisch keinesfalls. Als Spieler muss man das stetige
Gedudel der Automaten ertragen.

Poker an nur einem Tisch

Casino do Algarve Praia da Rocha
Das Casino do Algarve Praia da Rocha

Das Poker hier keinen besonderen Stellenwert einnimmt, zeigt sich an der Qualität der Tische. Die Tücher sind an allen vier Tischen ziemlich abgewetzt, die Gebrauchsspuren im Dealerbereich und vor den nummerierten Spielerplätzen sind nicht zu übersehen. Die Armpolsterung ist an mehreren Stellen aufgerissen und nicht an allen mühsam durch Klebeband geflickt.

Trotzdem findet nach Aussage von Floorman da Costa täglich ein Cashgame statt. An Wochentagen beginnt man um 20:00 Uhr, an den Wochentagen erst um 21:30 Uhr. Dazu müssen sich mindestens vier Interessenten eingefunden haben. Gespielt wird ausschließlich No Limit Hold’em mit Blinds von 1/2. Das minimale Buy In beträgt 50 Euro, maximal kann man sich für 500 Euro einkaufen.

Die folgenden Beobachtungen entsprechen Momentaufnahmen von drei Besuchen Ende September/Anfang Oktober 2017: Als interessierter Spieler muss man sich beim Floorman anmelden. Dazu wird eine Legitimation in Form von Pass, Ausweis oder „Membercard“ des Casinos gefordert. Bei Non-Regulars werden Namen und Ausweisnummern registriert. Sobald ein paar Spieler am Tisch sitzen, setzt ein bekanntes Phänomen ein: das Interesse steigt schlagartig und die zehn Plätze sind ruckzuck voll. Ein zweiter Tisch wird aber nicht
eröffnet, egal wie viele Leute dann auf der Warteliste landen. Die meisten Spieler kaufen sich mit 100 Euro (entsprechend 50 BB) ein, höhere Buy Ins sind selten. Es gibt keine Mischmaschinen und die Dealer sind über alle Maßen langsam. Sie machen zwar keine Fehler, aber der Eindruck, dass sie nicht unter Zeitdruck stehen, ist nicht von der Hand zu weisen. Auch scheint bei den Spielern eine gewisse zeitliche Leichtigkeit zu bestehen. Wenn sie in Gespräche mit anderen oder mit Railbirds vertieft sind, dauert die Entscheidung eventuell länger. Das wird akzeptiert. Ein Buttonorbit dauert selten weniger als 30 Minuten.

Merkwürdige Zählweisen

Chips Praia da Rocha
Chips im Praia da Rocha Casino

Sehr irritierend ist die Prozedur zum Ende einer Hand: der Dealer sortiert dich Chips nach Werten, arrangiert sie in Zehnerportionen, zählt den Pot vor und entnimmt dann entsprechend einer bereitliegenden Tabelle 5% Rake. Dabei wird großzügig im Sinne des Casinos gerundet. Einem Pot von 96 Euro werden 5 Euro entzogen.
Dieses zeitraubende Prozedere dauert in jeder Hand eine bis zwei Minuten, bei Sidepots gern auch länger. Wer andere Dealerperformance gewohnt ist, fragt früher oder später genervt nach, warum der Dealer nicht während der Hand mitzählt.

Die Antwort des Floorman ist bezeichnend: gute Dealer zählen selbstverständlich mit, aber die Konzessionsbedingungen der Behörden verlangen absolut transparentes Spiel. Deswegen die Registrierung aller Teilnehmer, deswegen die zeitraubende Zählung des Pots und das Arrangieren der Chips. Die Kamera über dem Tisch soll alles zweifelsfrei dokumentieren. Gut, das muss man dann wohl akzeptieren. Bei all‘ den landschaftlichen und touristischen Reizen der Algarve: ein Poker-Hotspot ist das Casino do Algarve Praia da Rocha nicht.

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