Live-Reads der Profis – Chris Moneymakers glänzender Fold gegen Chris Oliver

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Chris Moneymaker.

Sicher haben sich auch Sie schon einmal gefragt, wie starke Pokerspieler es schaffen, im richtigen Moment zu bluffen, aber auch den perfekten Fold zu finden.

Häufig gibt ein konkreter Live-Read (oder Tell), den man über mehrere Stunden am Tisch beobachten konnte, den Ausschlag.

In unserer neuen Serie zu diesem Thema sprechen wir mit einigen der bekanntesten Profis und wollen dabei herausfinden, wie sie zu ihren Reads kommen und anschließend ihre Entscheidungen darauf abstimmen.

In der ersten Folge spricht der Sieger des WSOP Main Event 2003, Chris Moneymaker, über einen seiner besten Reads aller Zeiten. Wie kam er zu dieser Entscheidung? Wir haben uns bei der PCA 2016 mit ihm zusammengesetzt, um die Lösung herauszufinden.

Beste Turnierleistung aller Zeiten?

2011 kam Chris Moneymaker beim Main Event der PCA sehr weit und landete unter 1.560 Spielern schließlich auf dem 11.Platz.

Vermutlich war dies bis dahin die beste Leistung, die er in einem Turnier je erbracht hatte. An Tag 4 saß Moneymaker viele Stunden gemeinsam mit dem späteren Zweiten Chris „Imdanuts“ Oliver am Tisch.

Oliver hatte bis dahin hyper-aggressiv gespielt – „80% seiner Hände” (Moneymaker) – aber meist das Nachsehen gegen Moneymaker gehabt.

Schon vor Tag 4 merkte Moneymaker gegenüber Freunden an, dass er einen Read auf Oliver habe. Nachdem er mehrere Bluffs von Oliver entlarvt hatte, kam es zu dieser bemerkenswerten Hand. Sie beginnt im folgenden Video bei 9:27:

"Ich achte auf die Details"

„Im Fernsehen sieht man nicht das gesamte Geschehen, das ist der Unterschied. Oliver dominierte den Tisch. Er spielte praktisch jede Hand.“

„Er brachte 3-Bets und 4-Bets, ich erinnere mich sogar an eine Hand, in der er mit 8-4 eine 5-Bet brachte und damit durchkam.“

„Ich begriff schnell, dass ich auf diesen Typen achten musste. Ich nahm direkt etwas wahr, als er seine Karten anschaute, wenn er noch nicht an der Reihe war.“

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chris Oliver - "Es kam darauf an, was vor ihm passierte."

„Ich stellte fest, dass sein Verhalten davon abhing, ob vor ihm etwas passierte oder nicht. Sein Verhalten veränderte sich auch auf dem Flop, je nachdem ob er etwas getroffen hatte oder nicht.“

„Auch sein Setzverhalten veränderte sich. Diese Veränderungen waren allesamt sehr subtil. Die Art, wie er die Chips in die Mitte schob, seine Atmung, es war fast so, als würde sich seine Aura verändern.“

„Wenn ich einen Spieler beobachte, der so viele Hände spielt wie Chris, achte ich darauf, wie oft er die Karten kontrolliert, auf seinen Blick, auf die Details.“

„Bei ihm gab es einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit, mit der er den Flop getroffen hat, und der Häufigkeit, mit der er die Karten überprüfte.“

„Häufig beobachte ich die Spieler mehr als das Spiel"

„Ich durchlaufe einen Prozess, um bei einem Spieler einen Tell zu entdecken. Das hängt nicht von einem einzelnen Detail ab.“

„Alles beginnt mit dem allgemeinen Eindruck. Ich achte zum Beispiel auf den aktivsten Spieler am Tisch oder einen Spieler, der sehr lebhaft ist.“

„Dann achte ich darauf, ob jemand besonders oft seine Karten ansieht, wie er sie ansieht oder wann er sie ansieht.“

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Manche Tells sind subtil, andere nicht.

„Erkenne ich bei jemandem besondere Eigenheiten, suche ich nach Veränderungen.“

„Ein typisches Beispiel ist etwa ein Spieler, der seine Karten immer drei Sekunden lang anschaut, aber bei einer sehr starken Hand erst nur kurz hinschaut und dann nach einer kurzen Pause noch einmal kontrolliert.“ 

„Das ist aber individuell unterschiedlich. Manche Spieler sehen sich ihre Hand immer wieder an, wenn sie sehr stark ist.“

„Oder sie täuschen vor, ihre Karten noch einmal zu kontrollieren. Das kann zum Beispiel auf einem Board mit vier Karten von einer Farbe der Fall sein, wenn sie wissen, dass sie zwei Herz-Karten haben, aber so tun, als würden sie nachsehen, ob sie wenigstens eines haben.“

„Habe ich das Glück, ihre Hand hinterher zu sehen, merke ich mir ihren Spielzug und die korrespondierende Atmung, damit, wie oft sie blinzeln und so weiter.“

„Häufig achte ich mehr auf die Spieler als auf den Spielverlauf.”

 „Meistens bekommt man dadurch mehr Chips“

„Ein anderes Beispiel sind Card Protectors. Viele Spieler haben so etwas, und in Turnieren werden diese zunächst auch ständig benutzt, selbst wenn das unbewusst geschieht.”

„Nach drei Stunden werden manche Spieler aber zu faul und benutzen den Protector nicht mehr regelmäßig. Dann kann man erkennen, ob sie ihre Hand folden, wenn sie sich vorzeitig ihr Blatt ansehen.“

„Einige Spieler schieben ihre Karten ein wenig zu sich, während andere sie ein wenig wegschieben – das sind alles Hinweise, die ich mir für spätere Zwecke merke.“

„Ich achte häufiger auf solche Dinge als etwa auf Board-Texturen. Ich konzentriere mich stark auf Setzmuster, das ist bei mir in Fleisch und Blut übergegangen.“

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Gefährlicher Spieler - Chris Oliver.

„Jeder Spieler hat seine eigenen Angewohnheiten, die immer etwas bedeuten.“

„Zu Beginn eines Turniers achtet man vielleicht darauf, dass man immer alles gleich macht, aber viele Stunden später lässt man nach.“

„Dann zeigen sich die Eigenheiten. Man tut dann Dinge, die einem gar nicht bewusst sind. Häufig erzähle ich meinen Kursteilnehmern, was ich an ihnen beobachtet habe, worauf diese oft völlig verdutzt sind.“

„Heutzutage denken viele Spieler, dass Tells überschätzt werden, und vertrauen daher nicht mehr auf sie. Vor allem Online-Spieler sind dieser Meinung und glauben, sie könnten aus Tells keine wertvollen Informationen mehr ziehen.“

„Da bin ich anderer Meinung. Manchmal liege ich falsch und stehe dann wie ein Idiot da. Meistens aber bekomme ich dadurch mehr Chips.“

Der Fold gegen Chris Oliver

In der besagten Hand raist Chris Oliver in UTG mit 7-5 und Moneymaker callt mit Q-J im Big Blind. Der Flop ist hochinteressant: J-7-5.

„Ich hatte vor dem Flop den Eindruck, dass er eine marginale, aber gut spielbare Hand hatte. Eine sehr starke Hand traute ich ihm nicht zu, aber obwohl sein Spektrum breit ist, rechnete ich auch nicht mit Schrott.“

„Auf dem Flop tat er etwas, dass meine Alarmglocken läuten ließ, und ich spürte, dass da etwas nicht stimmte.“

„Er brachte eine recht kleine Bet auf dem Flop. Ich callte, da ich Top Pair nicht einfach nach einer Bet gegen einen solchen Spieler folden kann.“

„Ich fühlte mich nicht sonderlich wohl, aber die Stacks waren groß und ich musste mir eine weitere Karte anschauen. Chris Oliver kann hier durchaus auch J-5 oder J-7 haben.”

„Andere  Spieler können hier nur Fünfen oder Siebenen haben, aber bei einem gefährlichen Spieler wie Chris befinden sich auch diese sechs zusätzlichen Kombinationen im Spektrum.“

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"Ich spürte, dass da etwas nicht stimmte."

„Ich war mir sicher, dass er den Flop getroffen hatte, und fragte mich lediglich, ob seine Hand nun besser war als meine.“

„Die Bet auf dem Turn war doppelt so groß, daher wusste ich jetzt, dass ich nach einem Call auf dem River mindestens noch einmal 500.000 bezahlen muss.“

„Ich war nicht sicher, ob er die bessere Hand hatte, vermutete aber, dass sein Spektrum stärker als meins ist.“

„In seinem Spektrum waren viele Hände, die mich schlagen, und ging ich davon aus, dass sich mir noch bessere Situationen bieten würden, ihm Chips abzunehmen.“

„Später an diesem Turniertag wurde der Tisch aufgelöst, und ich saß danach nicht mehr mit Chris zusammen an einem Tisch. Ich bin dann schließlich gegen Galen Hall ausgeschieden, weil ich seine Hand falsch eingeschätzt hatte und ihn mit der schlechteren Hand ausbezahlte.“

„Im gesamten Turnierverlauf kam ich elf Mal in kritische Situationen dieser Art. Zehn Mal traf ich die richtige Entscheidung, einmal die falsche. Sie kostete mich das Turnier.“

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