Jason Mercier über Reads am Beispiel seines krassen Bluffs bei der WSOP-Europe

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Jason Mercier: Weltmeisterliche Reads

Jason Mercier ist einer der bekanntesten und renommiertesten Turnierpokerspieler und mit Gewinnen von über 16 Millionen Dollar Live-Gewinnen unterstrich er in den letzten Jahren sein Können an den Tischen ein ums andere Mal.

2008 tauchte Mercier erstmals auf der Pokerlandschaft auf und machte prompt einen bleibenden Eindruck: Er gewann die EPT San Remo und setzte sich gegen 700 Mitspieler durch. Es folgten WSOP-Titel, SCOOP-Titel und viele Millionen Dollar Preisgelder.

Wir haben ihn zum Interview getroffen und über Reads gesprochen. Wie man seinen Gegner liest, scheint Mercier schließlich zu wissen. Berühmt wurde unter anderem sein Irrer Call mit 9-5 bei seinem EPT-Sieg in Sam Remo.

Aber auch andere Hände Merciers hatten es in sich. Wir haben ihn mit einer Hand konfrontiert, die er 2009 bei der WSOP-Europe gegen Saar Wilf gespielt hat und in der er den Israeli zur Aufgabe einer besseren Hand bewegt.

Die Hand

Jason Mercier: Saar Wilf und ich waren Chipleader am Tisch. Ich hatte eine Menge Hände gewonnen und wollte den Druck aufrecht erhalten. Da fand ich König-Zehn im Hijack und raiste bei einem Big Blind von 16k auf 39k – damals machte man noch 2,5x-Raises. Wilf callte, alle anderen foldeten. So weit, so normal.

Wilf hat Ass-König und callt nur. Ist das eine Falle oder warum reraist er nicht?

Klar könnte er 3-betten, aber wir hatten viele Chips und er wollte den Pot klein halten. Eine Falle stellte er sicherlich nicht, er wollte mich vor allem mit schwächeren Assen und Königen in der Hand halten.

Und genau so eine Hand hattest du ja auch.

Jason Mercier feuert auf dem Flop
Jason Mercier feuert auf dem Flop

Genau. Er will, dass ich mit dieser Hand weiterspiele. Der Flop kommt Bube-Fünf-Zwei mit zwei Herz und ich habe immerhin einen Backdoor-Flushdraw.

Hier war es eine knappe Entscheidung, ob ich setze oder einfach check-folde. Vielleicht mag man hier auch check-raisen, aber auf jeden Fall wäre check-call die schlechteste Option, denn wir haben nichts und wollen unserem Gegner nicht die Initiative überlassen.

Setzen und hoffen, dass er foldet ist wohl das beste. Zur Not gibt es eine Menge guter Turn-Karten, die uns helfen könnten. Eine Dame gibt uns einen Open-Ender, ein König Top-Pair, ein Herz einen Flush-Draw, eine Zehn ein mittleres Paar, eine Neun oder ein Ass einen Gutshot.

Also hast du gesetzt und Wilf hat gecallt.

Er hat gecallt und das war wohl auch seine einzige gute Möglichkeit.

Auf was setzt du ihn in diesem Moment?

Erst dachte ich an ein mittleres Paar – Sechsen bis Zehnen. Auf eine starke Hand setzte ich ihn nicht, denn er hatte so schnell gecallt.

Und all diese Paare schauen sich eine weitere Karte an?

Ja, die callen alle. Auf dem Turn kommt eine Dame und ich habe einen Open-Ende und den gleich zu den Nuts. Jedes Ass und jede Neun gäbe mir auf dem River die bestmögliche Hand und gegen die Hände, die ich bei Wilf vermutete, hatte ich eine Menge Fold-Equity.

Saar Wilf verzweifelt
Saar Wilf verzweifelt an Jason Mercier

Ein mittleres Paar kann hier kaum weitermachen. Die Dame ist eine gute Karte für eine weitere Salve, ist er doch sogar mit einem Buben in einem schwierigen Spot. Es gibt einfach eine Menge Hände, die ich haben könnte, die ihn schlagen.

Wäre eine Karte zwischen Zwei und Acht gekommen, hätte ich gecheckt. So habe ich aber halben Pot gesetzt.

Und Wilf hat schnell geraist. Das ist ein komischer Raise, insbesondere wenn man seine Hand – Ass-König – kennt. Denn er schlägt all meine Bluffs und verliert gegen alle meine guten Hände. Mir fallen hier im Grunde keine Nicht-Bluff-Hände ein, die hier setzen und auf einen Raise folden. Zwei Paare und Sets folden hier nicht, nur meine Bluffs.

Ich hatte also den Read, dass er mit irgendeinem Müll, den er da so hielt, raiste und kein All-In aushalten könnte. Also ging ich schnell all-in. Schnell, damit es stark aussieht und um sicherzugehen, dass ich es mir nicht anders überlege.

Hier kann man sich die Hand komplett ansehen:

Der Read

Du sagtest, du hättest einen Read auf ihn. Was meint das genau?

Das beruhte auf den vorigen Händen und auf der Art und Weise wie er mit seinen Chips umging. So wie er den Flop callte und den Turn raiste – das war einfach nicht glaubwürdig.

Es ist tatsächlich schwer zu erklären, denn es ist weniger etwas Spezifisches als eine Art Gespür. Es ist nicht so, dass er sich an der Nase kratzte oder so, sondern dass ich bei der Art und Weise, wie er sich verhielt das starke Gefühl bekam, er wäre schwach.

Wenn du live spielst, basieren deine Entscheidungen eher auf Reads oder Mathematik?

Es ist eher mathematisch und zahlenbasiert, aber manchmal bekommt man eben das Gefühl, dass ein Spieler blufft oder eben nicht – ein Soul Read sozusagen.

Sind Reads inzwischen weniger wert, da so viele Spieler online gelernt haben zu spielen?

Nicht unbedingt, allerdings nutzen viele Top-Spieler Reads nicht zu ihren Vorteilen ein.

Ist das ein Fehler?

Ich würde es nicht unbedingt Fehler nennen. Viele üben sich ja darin und werden besser. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jeder Tells so weit nutzt, wie es geht.

Also ist am Ende jeder ein guter Spieler, sogar mit Reads?

Nein, Spieler werden immer Fehler machen, die man ausnutzen kann. Denn perfekt spielt keiner.

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