Jan-Peter Jachtmann – Warum PLO nie langweilig wird

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Ronny Kaiser und Jan-Peter Jachtmann sind PLO-Spezialisten.

Warum gehen Hold’em-Spieler mit 20 in Rente, PLO-Spieler aber nicht? Und warum hat noch nie jemand behauptet, mit PLO sei kein Geld mehr zu machen? Erfahren Sie’s von einem der beides kann.

Jan-Peter Jachtmann ist seit vielen Jahren in der deutschen Pokerszene bekannt und aktiv. Internationalen Rang brachte ihm der Gewinn der PLO $10k Championship bei der WSOP 2012 ein.

Seither ist Jachtmann nicht nur Gast bei zahlreichen Turnieren, sondern auch regelmäßig in den höchsten für das Fernsehen aufgezeichneten Cash Games zu sehen, etwa bei den German High Roller oder den dramatischen Partien im King’s Casino.

Vor Kurzem hat sich PartyPoker seine Dienste als Repräsentant gesichert, um den Wiederaufstieg des einstigen Onlinepoker-Marktführers auf deutschsprachigem Gebiet zu fördern.

PartyPoker's PLO-Profi

Obwohl er in der Community durchaus kontrovers betrachtet wird, ist das Fachwissen des früheren Pokerblatt-Herausgebers und Betreibers der Webseite Hochgepokert unbestritten.

Wir trafen ihn in der High Stakes Cash Game Area des Gran Casino Barcelona, um ein paar eklatante Unterschiede zwischen Hold’em und PLO anzusprechen.

PokerListings: Ist PLO unterrepräsentiert?

Jan-Peter Jachtmann: In Europa gibt es außer in Barcelona nur noch €10.000er in Prag und Monaco bei der früheren EPT.

Die WSOP in Las Vegas ist natürlich unerreicht, dort gibt es ja sogar ein 25.000er, aber was ich ein bisschen schade finde ist, dass auch bei der WSOP Europe lediglich ein €2000er angeboten wird.

PL: Da wären €5k angebrachter gewesen?

JPJ: Aber definitiv. Da wird Pot Limit Omaha doch immer noch ein bisschen stiefmütterlich behandelt. Fragt man nach den Gründen, heißt es immer, dass es eben mehr Hold’em-Spieler gibt, und das stimmt natürlich auch.

Aber: Es gibt inzwischen eine große Zahl PLO Cash Game Spieler. Mittlerweile werden bei vielen Festivals mehr Omaha- als Hold’em-Tische gespielt, z. B. in Österreich, aber auch hier in Barcelona oder in Monaco.

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Jetzt bei PartyPoker unter Vertrag.

Da ist in den letzten Jahren eindeutig ein Trend hin zu PLO festzustellen.

PL: Über Hold’em hört man immer wieder, das Spiel sei tot, alle spielen im Schnitt zu gut, es gibt nichts mehr zu verdienen. Über PLO hört man so etwas nie.

JPJ: Der Weg vom Anfänger zum guten Spieler ist bei PLO einfach weiter als bei Hold’em. In Hold’em hat man eben die Möglichkeit, selbst pre-Flop einfach mal alles in die Mitte zu schieben und dann zu hoffen, dass man gecallt wird oder eben auch nicht. In jedem Fall ist die Action dann schon vorbei.

Bei PLO geht das nicht. Nicht nur, weil es nicht erlaubt ist, sondern weil es eben auch keine perfekte Starthand gibt wie Pocket Asse in Hold’em.

Bei PLO gehört einfach mehr dazu, ein Guter zu werden und wenig Fehler zu machen. Dennoch ist auch in PLO das Gesamtniveau in den letzten Jahren gestiegen.

Trotzdem ist das Spiel weit davon entfernt, uninteressant zu werden. PLO ist hinsichtlich Varianz als auch Varianten so vielseitig, dass es nie langweilig wird.

Ein Spiel mit Persönlichkeit

Jeder hat in diesem Spiel die Möglichkeit, seinen eigenen Stil zu finden, und man kann viele Hände auf ganz verschiedene Arten spielen, ohne dass es nur eine gute und eine schlechte Spielweise gibt.

Man hat unheimlich viel Raum zum Taktieren, weil die Qualität der Hände viel näher beieinander ist. Es gibt Spieler, die lieber mit hohen Karten und solche, die lieber mit Rundowns – Double-suited Connectors, d. Red. – erhöhen.

Ronny Kaiser, einer der besten Omaha-Spieler der Welt, erhöht manchmal mit geradezu „grotesken“, also eigentlich schwachen Händen, macht sich dadurch aber sehr unberechenbar.

Aber es gibt auch Parallelen, zum Beispiel dass man Anfänger nicht bluffen sollte, weil die die Gedankengänge gar nicht verstehen, die hinter einem solchen Bluff stehen.

PL: Sollte PLO bei größeren Events häufiger übertragen werden?

JPJ: Sagen wir mal so, es hat sich gezeigt, dass sowohl bei den German High Roller als auch bei Cash King’s die PLO-Folgen deutlich mehr Reaktionen und Feedback auslösen.

Das liegt nicht nur daran, dass in diesen Folgen regelmäßig die größten Pötte entstehen, sondern weil es auch immer wieder zu coolen, lustigen und skurrilen Situationen kommt, gerade wenn Leute wie Gus Hansen oder Leon Tsoukernik und ich am Tisch sitzen. Bei Hold’em passiert das seltener.

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Es braucht Leute wie Rob Yong.

Da braucht es Leute wie Rob Yong, die immer mal wieder etwas Verrücktes tun. Und natürlich auch Leon selbst, der wie Yong ja nicht nur gerne spielt, sondern immer auch etwas für die Show tut.

Wenn am Tisch nichts passiert, macht Leon das wahnsinnig. Wenn sich Leute als Rocks am Tisch herausstellen, werden die einfach nicht mehr eingeladen.

Trotzdem wird Hold’em nicht verschwinden, weil es eben ja auch so einfach zu lernen ist. Jeder kriegt zwei Karten, los geht’s. Das andere Spiel ist eben komplexer.

"Poker ist das Geilste"

PL: Die Zahl der Online-Spieler geht seit Jahren zurück, aber hier in Barcelona verzeichnen die Turniere Spielerrekorde. Die Faszination scheint ungebrochen.

JPJ: Ich freue mich sehr, dass Live Poker wirklich lebt. Weil Poker geil ist. Poker ist das Geilste! Das sage ich auch, obwohl ich mit PartyPoker einen Online-Anbieter vertrete.

Im Rahmen meines Vertrags spiele ich übrigens auch wieder online, nach jahrelanger Unterbrechung. Und es macht mir auch wieder Spaß.

Allerdings muss ich zugeben, dass mich die technische Entwicklung überholt hat. Ich habe noch nie Software wie Hold’em Manager benutzt und will das auch gar nicht.

Aber das ist ja das Schöne an Live Poker. Du hast einen einzelnen Tisch. Du siehst die Leute, du siehst die Dynamik, die Psychologie. Du schaust jemandem in die Augen und du hast einen Read.

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Live Poker - die Dynamik, die Psychologie.

Dieser große Teil fehlt eben online. Deswegen gefällt es mir sehr gut, wie PartyPoker, aber auch die anderen den Spielern die Möglichkeit geben, sich für wenig Geld für Live Poker qualifizieren zu können.

Man denke nur an die Events in der Karibik, in Nottingham, in Sotschi, Rozvadov oder auch in Deutschland, wo es immer viele Spieler gibt, die sich für ganz wenig Geld in Turniere spielen, in denen es dann um Millionen geht.

PL: In dieser Hinsicht ist PartyPoker ja quasi wie Phönix aus der Asche aufgestiegen. Erst Marktführer, dann weg vom Fenster, und jetzt wieder mitten im Geschäft.

JPJ: Das liegt an vielen Faktoren. Zu den wichtigsten Motoren bei PartyPoker gehören sicher John Duthie, der ja die EPT mitgegründet hat, und Rob Yong vom From Dusk till Dawn, der sich auch nicht scheut, mal ein Overlay zu bezahlen, wenn es dem Turnier dient.

Und Konkurrenz belebt nun Mal das Geschäft. Ich habe den Eindruck, dass sich jetzt alle mehr Mühe geben, und das ist doch gut so. Die Spieler haben davon nur Vorteile. Ich sehe die Situation insgesamt sehr positiv.

PL: Wir danken für das Gespräch.

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