Hand der Woche – Wenn der Wahnsinn keine Grenzen kennt

5Bet Bohn
Alec Torelli und Blake Bohn

Mit der TV-Show „Poker Night in America“ versucht der amerikanische Sender CBS an die glanzvollen Zeiten berühmter Vorgänger wie „High Stakes Poker“ oder „Poker After Dark“ anzuknüpfen. In der mittlerweile vierten Staffel sind einige bekannte Spieler dabei wie Weltmeister Joe McKeehen, Phil Hellmuth, Phil Laak oder Cate Hall. Den Vogel aber schossen Alec Torelli und Blake Bohn in einer spektakulären Hand mit viel Täuschung und wenig Substanz ab!

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir verfolgen eine Cashgame-Runde mit Blinds von $25/$50, doch die effektiven Stacks sind im Vergleich zu den relativ niedrigen Grundeinsätzen sehr groß – die beiden Protagonisten in unserer Hand haben um die $30.000 vor sich stehen und damit etwa 600 Big Blinds.

Unser Held in dieser Hand ist Alec Torelli, der mit

   

im Small Blind sitzt. Vor ihm erhöht Asher Conniff auf $175, Blake Bohn reraist in dritter Position auf $375, Phil Laak callt auf dem Button und Torelli reraist erneut auf $1.500.

Conniff foldet nach kurzem Nachdenken, Bohn bringt die 5-Bet auf $3.375, Laak foldet und Torelli callt.

Im Pott sind damit $7.750, die effektiven Stacks betragen über $25.000.

Der Flop bringt

     

Torelli checkt, Bohn setzt $3.500 und Torelli callt. Im Pott sind damit $14.750, die effektiven Stacks betragen deutlich über $20.000.

Der Turn bringt die

 

Torelli checkt, Bohn checkt ebenfalls. Im Pott sind damit weiterhin $14.750.

Der River bringt die

 

Torelli setzt von vorn $10.500, Bohn denkt eine Weile nach und foldet dann.

Er hatte

   

und damit die bessere Hand, aber der Pott mit $25.050 ging an Alec Torelli.

Ab Minute 15 könnt ihr die Hand hier noch einmal in bewegten Bildern anschauen.

Analyse und Bewertung

Eine in vielerlei Hinsicht erstaunliche Hand, deren wichtigste Stationen wir hier noch einmal genauer unter die Lupe nehmen wollen.

Vorab muss angemerkt werden, dass Blake Bohn an diesem Tisch, der im Seminole Hard Rock Casino in Florida aufgenommen wurde, extrem loose spielte und seine Gegner sehr häufig mit 3-Bets auf die Probe stellte – ohne diese Information ist dieses Duell nur schwer nachvollzuziehen.

Beginnen wir mit dem Gemetzel vor dem Flop, bei dem Asher Conniff mit AQs eröffnet und von Blake Bohn direkt gereraist wird.

Alec Torelli
Alec Torelli

Bohn hat mit 8 7 eine schöne gleichfarbige und verbundene Hand, aber seine Position in der Mitte ist ungünstig für einen Call. Ein Fold wäre in Ordnung, aber angesichts der großen Stacks ist auch ein Reraise mit dieser Hand, die Potential für ein verstecktes Monster birgt, zwar loose, aber völlig in Ordnung.

Nach Laaks loosem Call mit T2s entscheidet sich Torelli zu einer 4-Bet mit AQo im Small Blind. An einem normalen Tisch hätte er diese Hand aufgrund seiner Sandwich-Position (Conniff ist noch aktiv hinter ihm) womöglich gefoldet, doch hier kann er angesichts seines loosen Umfelds davon ausgehen, dass er die beste Hand hat.

Ein Raise ist auch deshalb der beste Spielzug, weil er nach einem Call seinerseits anfällig für ein Squeeze Play würde, wie es nun Conniff passiert.

Purer Wahnsinn vor dem Flop

Der foldet folgerichtig, doch Bohn hat noch nicht genug. Er packt einen weiteren Reraise aus und erhöht per 5-Bet auf $3.375.

Ohne Laak hinter ihm hätte er vielleicht nur gecallt, aber so will er sich die Position sichern bzw. den Pott mit viel totem Geld vielleicht schon vor dem Flop gewinnen.

Alec Torelli
Alec Torelli

Laak foldet dann auch, aber Torelli lässt sich nicht vertreiben. Sein Call ohne Position mit einer Hand wie AQ, die oft auch noch von AK dominiert wird, erfordert auf jeden Fall die Erfüllung zweier Faktoren:

1. Er muss Bohn Bluffs zutrauen und nicht nur Reraises mit AA, KK, QQ oder AK

2. Er muss Wege finden, den Pott auch ohne Position stehlen zu können.

Nach Torellis Call kommt ein ziemlich nichtssagender Flop mit 933, der beiden Spektren fast nie geholfen hat. Insofern sind Bohns C-Bet und Torellis Call hier Standard – zumal Torelli Pot Odds von 3 zu 1 bekommt.

Paradoxie auf Turn und River

So richtig interessant wird es auf dem Turn, denn mit der Sieben hat Bohn auf einmal einen Treffer, der ihm gegen Hände wie AK oder AQ die beste Hand bringen könnte.

Natürlich weiß er, dass Torellis Spektrum extrem stark ist und vor allem aus hohen Paaren und eben AK bzw. AQ besteht. Andere Hände sind schwer vorstellbar.

Genau deshalb checkt er auch nach Torellis neuerlichem Check, doch damit macht er sich anfällig für einen River-Bluff seines Gegners.

Aus diesem Grund wäre es hier keine schlechte Idee gewesen, noch einmal $5.000, also etwa ein Drittel des Potts zu setzen, um auf dem River durchzuchecken und möglichst billig den Showdown zu erreichen.

Torelli ergreift nach einer neuerlichen Blank denn auch sofort die Gelegenheit zu einem Bluff. Sein Gegner hat auf dem Turn Schwäche gezeigt und sein Spektrum damit nach oben begrenzt.

Bohn gibt mit der besten Hand auf
Bohn gibt mit der besten Hand auf

Torelli muss aber abwägen, ob es besser ist, mit Check-Call weiteres Geld von Bluffs einzusammeln, oder aber mit einer Bet bessere Hände wie AK oder eine Neun zum Folden zu bringen.

Die Bet ist hier vermutlich stärker, da Bohn fast nie eine starke Hand hat, aber recht oft eine bessere foldet.

Warum kein Call?

Auf dem River werden die Schattenseiten der Spielweise von Blake Bohn mit seinem niedrigen Suited Connector deutlich sichtbar – man landet oft mit einer schwachen fertigen Hand wie Middle Pair auf dem River und weiß bei gegnerischer Aggression nicht, ob man callen soll.

Angesichts von Torellis recht klar umrissenem Spektrum wäre der Call aber absolut logisch und fast selbstverständlich gewesen.

Gegen AA-TT bzw. AK und AQ hat Bohn auf diesem Board eine Equity von über 51,6 Prozent oder anders gesagt, er liegt gegen 32 von 62 Kombinationen seines Gegners vorn, sofern dieser genau dieses Spektrum hat.

Bei Pot Odds von fast 2,4 zu 1 eigentlich eine glasklare Sache.

Fazit

Blake Bohn wagt sich hier schon vor dem Flop weit aus dem Fenster, lässt auf dem River aber die nötige Konsequenz vermissen.

Alec Torelli dagegen wagt mit dem unteren Rand seines Spektrums auf dem River einen klugen Bluff, der ihm am Ende eine große Rendite bringt.

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