Hand der Woche – Vojtech Ruzickas Millionen-Bluff

Er zieht es durch

Einer der stärksten Spieler am Finaltisch des WSOP Main Event war fraglos Vojtech Ruzicka. Umso heftiger wurde die Frage diskutiert, ob sein gnadenloser dreifacher Bluff gegen Gordon Vayo am Tag 2 im November tatsächlich eine gute Strategie war. Wir schauen uns die Hand im Kontext noch einmal an und untersuchen, ob Ruzicka mit seiner Entscheidung richtig lag.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir verfolgen Hand 104 der November Nine, die Blinds betragen 500.000/1 Million plus 150.000 Ante.

Das Feld liegt sehr eng beisammen. Chipleader ist der spätere Sieger Qui Nguyen, der 96,725 Millionen (97BB) vor sich stehen hat, vor Cliff Josephy, der 82,650 Millionen (82BB) hat.

Vojtech Ruzicka und Gordon Vayo sind mit 54,65 Millionen (54BB) bzw. 53,7 Millionen (53BB) fast gleichauf, Michael Ruane ist mit 48,9 Millionen (49BB) der Spieler mit den wenigsten Chips, hat aber einen sehr spielbaren Stack.

Alle Spieler haben mindestens $1,935 Millionen sicher, der nächste Preisgeldsprung geht auf $2,57 Millionen, und der Sieger erhält gut $8 Millionen.

Leichter Call
Leichter Call

Vom Button raist Vayo auf 2,3 Millionen, worauf Ruzicka im Small Blind mit

   

auf 8,15 Millionen reraist.

Vayo callt, im Pott sind 18,05 Millionen, die effektiven Stacks betragen 45,4 Millionen.

Der Flop bringt

     

Ruzicka setzt weitere 6,15 Millionen, Vayo callt. Im Pott sind 30,35 Millionen, die effektiven Stacks betragen 39,25 Millionen.

Der Turn bringt die

 

Ruzicka setzt weitere 11,4 Millionen, Vayo callt. Im Pott sind 53,15 Millionen, die effektiven Stacks betragen 27,85 Millionen.

Der River bringt die

 

Ruzicka geht mit 27,85 Millionen All-In, Vayo callt und gewinnt mit

   

und einem Set Achten den Pott und übernimmt die Chiplead.

Kurz darauf scheidet Ruzicka aus und muss sich mit Rang 5 begnügen, während Vayo am Ende Zweiter wird.

Hier die gesamte Hand noch einmal in bewegten Bildern:

Analyse und Bewertung

Natürlich hatte diese Hand auf den späteren Turnierverlauf riesige Auswirkungen, und sie war mit ein Grund, warum Gordon Vayo, der später erneut ein Set traf, am Ende den zweiten Platz belegte.

Die entscheidende Frage aber lautet, ob Ruzicka hier zu riskant spielte oder ob sein mutiges Spiel die beste Option war. Gehen wir die Hand noch einmal durch, um mehr zu erfahren.

Reraise Ruzicka
Reraise Ruzicka

Vor dem Flop verläuft alles ziemlich normal. Vayo bringt vom Button natürlich mit vielen Händen einen Raise, daher sagt das noch nicht viel über sein Spektrum aus.

Mit AK hat Ruzicka im Small Blind eine Hand, die Vayos Hände oft dominiert, wie etwa AQ, AJ oder KQ und KJ.

Seiner schlechten Position entsprechend, reraist der Tscheche hier sehr hoch – mehr als das Dreieinhalbfache.

Für Vayo gibt es an dieser Stelle keinen Grund zu folden. Er hat ein Paar, das nach dem Flop aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit von Overcards meist sehr schwer zu spielen sein wird, aber er hat auch Position, und ein weiterer Punkt spricht für einen Call: Er muss 5,8 Millionen und damit etwas mehr als ein Zehntel seines Stacks für einen Call bezahlen, womit er korrekt auf ein Set spielen kann, das in etwa jedes achte Mal aufgedeckt wird.

Gleichzeitig engt dieser Call aus Ruzickas Sicht das gegnerische Spektrum ein. Viele rein Steal-Hände hätte er sicher gefoldet, aber viele Broadway-Hände wie KQ, KJ, QJ, AT oder mittlere bis kleine Paare bleiben dabei.

Recht trockener Flop

Auf dem recht trockenen Flop, der immerhin zwei Kreuz enthält, bringt Ruzicka die logische C-Bet. Er hat zwar nichts getroffen, aber gegen einen tighten Spieler wie Vayo bringt er hier viele Hände zum Folden und kann den Pott mit wenig Risiko einstreichen.

Insofern spielt auch die Höhe der Bet keine besonders große Rolle – mit Händen wie AQ, KQ, JJ, TT oder 99 sowie allen Flush Draws spielt Vayo weiter, den schwächeren Rest wird er folden.

Vayo mit Achten
Vayo mit Achten

Als Vayo callt, engt dies sein Spektrum weiter ein. Mit einer Hand wie KJ ohne zwei Kreuz würde er vermutlich genauso folden wie mit 77.

Infrage kommen daher Blätter wie AQ, KQ, QJ, JJ, TT, 99, Flush Draws in Kreuz sowie die beiden Monster mit 88 und 33.

Die Gretchenfrage auf dem Turn

Auf dem Turn muss Ruzicka im Grunde eine ultimative Frage beantworten. Bin ich im Ernstfall bereit, meinen gesamten Stack zu riskieren?

Bisher hat er „erst“ 14 seiner 54 Millionen Chips riskiert, aber jede weitere Bet mit seinen restlichen 40 Millionen zwingt ihn förmlich dazu, auf dem River All-In zu gehen.

Für eine weitere Bet sprechen:

- Vayo ist ein tighter Spieler

- Vayos Spektrum enthält einige Hände (JJ, TT, 99, vielleicht sogar QT), die Ruzicka direkt zum Folden bekommen kann

- Ruzickas Spektrum ist nach Reraise vor dem Flop und Bet auf dem Flop sehr stark und enthält unter anderem AA, KK, QQ und AQ.

Gegen eine Bet sprechen:

- Ruzicka hat nicht das A, um später eventuell den Nut Flush zu repräsentieren

- Gibt Ruzicka jetzt auf, hat sein Stack keinen größeren Schaden erlitten.

Als Vayo die neuerliche Bet wieder callt, ist sein Spektrum wieder kleiner geworden. Nun enthält es nur noch Monster, Damenpaare mit AQ bis maximal QT und Flush Draws.

Alles oder nichts auf dem River

Nach einer total bedeutungslosen Karte auf dem River entschließt sich Ruzicka recht schnell, alles zu riskieren.

Er hat mittlerweile fast die Hälfte seines Stacks investiert und zuvor die Bets so portioniert, dass er noch mit Fold Equity All-In gehen kann.

Vayo kann hier im Grunde nur mit zwei Händen seines Spektrums callen: 88 und 33.

Ziemlich sicher hätte ein tighter Spieler wie er an dieser Stelle alle Damen, sogar AQ, aufgegeben und sich mit dem Verlust des halben Stacks abgefunden.

Angesichts dessen, und auch weil Vayo Hände wie A 8 oder 9 8 haben kann, die bis zum River gekommen sind und nun Ruzickas AK schlagen, ist der Bluff des Tschechen absolut korrekt.

Im Grunde traf er schon auf dem Turn die Entscheidung, alles zu riskieren und die vorderen Ränge anzugreifen.

Meist wäre es gegen diesen Spieler und sein Spektrum gut gegangen, doch Vayo traf eben ein Set.

Die finanziellen Implikationen kann man hier im Artikel meines Kollegen Arved Klöhn nachlesen.

Fazit

Mit vollem Risiko greift Vojtech Ruzicka die bestbezahlten Plätze des WSOP Main Event an und rennt dabei in ein Monster.

Gordon Vayo hatte in dieser Hand wie so oft im Main Event viel Glück und musste nur die Chips seines Gegners mitnehmen.

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare

×

Sorry, this room is not available in your country.

Please try the best alternative which is available for your location:

Close and visit page