Hand der Woche – Patrik Antonius mit dem großen Eisen

Antonius laesst nicht locker
Antonius lässt nicht locker

Die Zeiten, in denen die größten TV-Pötte im Fernsehen ausgestrahlt wurden, sind schon eine Weile her, aber sie haben von ihrer Faszination bis heute nichts verloren. In unserer Hand der Woche schauen wir uns dieses Mal an, wie Patrik Antonius mit dem Kopf durch die Wand will, am Ende aber unsanft von Sam Farha ausgebremst wird.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir steigen in eine der teuersten Runden ein, die je im Fernsehen übertragen wurde. In dieser Staffel von High Stakes Poker war auch der steinreiche Gründer des Cirque de Soleil, Guy Laliberté, dabei und stachelte die Einsätze zusätzlich an.

In dieser Hand betragen die Blinds $300/$600, aber Daniel Negreanu hat einen Straddle gesetzt. Alle Spieler am Tisch haben über $500.000 vor sich stehen.

In zweiter Position raist Barry Greenstein auf $4.000, direkt dahinter callt Sam Farha und nach einem Fold von David Benyamine auf dem Button reraist Patrik Antonius im Small Blind auf $18.000.

Greenstein foldet, aber Farha callt.

Der Flop bringt

     

Antonius setzt $30.000, Farha callt. Im Pott sind $102.600, die effektiven Stacks liegen bei über $450.000.

Sam Farha
Sam Farha

Der Turn bringt die

 

Antonius setzt $85.000, Farha callt erneut. Im Pott sind $272.600, die effektiven Stacks liegen bei über $360.000.

Der River bringt die

 

Antonius setzt $150.000, Farha callt erneut.

Antonius dreht

   

um und verliert mit Neun Hoch. Farha hält

   

und gewinnt mit Two Pair den Pott mit $572.600.

Hier die gesamte Hand in bewegten Bildern:

Analyse und Bewertung

Eine in vielerlei Hinsicht erstaunliche Hand, die wir uns aus der Perspektive beider Spieler noch einmal genauer ansehen wollen. Beginnen wir vor dem Flop, wo Sam Farha nach dem Raise des tighten Greenstein in früher Position einen extrem loosen Call in schlechter Position macht.

Seine Hand ist zwar gleichfarbig, aber überhaupt nicht verbunden und sie kann leicht dominiert werden, das ist an einem Tisch mit so starken Spielern fast eine Garantie zum Geld verlieren.

Die Schattenseiten zeigen sich sogleich. Mit einem schönen Suited Connector, 9 7, versucht Patrik Antonius direkt Kapital aus der Situation mit einem Raiser und einem Caller zu schlagen.

Patrik Antonius
Patrik Antonius

Er setzt ein Squeeze Play mit einer gut versteckten Hand an, das nur den Nachteil hat, dass er nach einem Call keine Position hat. Stärker wäre der Spielzug zweifellos auf dem Button gewesen.

Greenstein foldet daraufhin seine AJo, aber Farha lässt sich mit seiner äußerst dürftigen Hand noch nicht abschütteln – ohne Position hätte er seine K 6 sicher gefoldet.

Fortsetzung auf dem Flop

Auf dem Flop gibt es für Antonius keinen Grund, auf eine Continuation Bet zu verzichten. In seinem Spektrum befinden sich Hände wie AA, KK, JJ und AK, die hier trotz bzw. wegen des recht gefährlichen Boards auf jeden Fall weitersetzen.

Wichtig ist natürlich auch das Spektrum Farhas, das die genannten Hände allesamt nicht enthält, sondern vor allem aus vielen schwächeren Broadway-Hände wie AT, KJ, QJ und niedrigen bis mittleren Paaren (44 bis 99) besteht.

Viele dieser Hände bekommt Antonius mit seiner C-bet zum Folden – und wenn nicht jetzt, dann vermutlich beim nächsten Mal.

Obwohl die C-bet seines Gegners stimmig ist, lässt sich Farha durch diese erste Bet nicht abschütteln. Er hat hier drei Gewinnmöglichkeiten:

1. Er hat die beste Hand (falls Antonius bluff).

2. Er bekommt mit einem Treffer (König oder Sechs) die beste Hand (falls Antonius ein Ass hat).

3. Er kann den Pott stehlen, etwa wenn ein Pik kommt und Antonius checkt.

Farhas Call auf dem Flop ist zwar ziemlich loose, aber rein mathematisch vermutlich nicht zu tadeln, denn er muss $30.000 in einem Pott mit $72.600 investieren und somit nur in einem von 3,4 Fällen den Pott gewinnen.

Mit Position sollte das selbst gegen einen Spieler vom Format eines Antonius möglich sein.

Farha bleibt hartnäckig

Der Finne zeigt dann auch sogleich seine Klasse. Nach der 6 bringt er erneut mit einem totalen Bluff eine Bet.

Er will hier einen Teil des oben beschriebenen Spektrums zum Folden bringen: Könige, Buben, Hände mit der Q oder einem anderen Pik oder schwache Asse.

Paradoxerweise hat die 6 aus seiner Sicht keinerlei Bedeutung, da sie dem gegnerischen Spektrum nicht geholfen hat, aber Farha hätte ohne diese Sechs vermutlich gefoldet.

Bluff erwischt
Bluff erwischt

Mit einem lumpigen Paar Könige hätte er kaum noch einmal gecallt, zumal dann auf dem River die nächste Bet drohte, aber so hat er mit seinem Two Pair einige bessere Hände wie #Ax Qs oder ein anderes Ass überholt.

Antonius geht aufs Ganze

Auf dem River versucht es Antonius nach einer erneuten Blank noch einmal mit einem Bluff. Noch immer enthält Farhas Spektrum bessere Hände, die er zum Folden bekommen kann.

Das sind zum einen AX-Hände, oft mit einem Pik, und andere Hände wie Q #Jx oder #Jx T, die getroffen und einen Flush Draw haben.

Auf der anderen Seite muss sich Antonius fragen, was er hier eigentlich repräsentiert. Ein Flush bzw. die Nuts mit Q T ist sehr unwahrscheinlich, da sein Spektrum angesichts des Reraise vor dem Flop vor allem aus hohen Paaren und Händen mit Assen und Königen besteht, aber eine Hand wie AA, KK oder JJ reicht hier weiterhin für eine Value Bet aus.

Farha callt hier recht schnell, obwohl er im Grunde nur Bluffs schlägt. Mit einer Hand wie AQ oder AT hätte Antonius hier sicher nicht mehr von vorn angespielt, und gegen die genannten Sets sowie AK und AJ verliert Farha, aber offenbar traute er Antonius genügend Bluffs zu, um zuversichtlich zu callen.

Da liegt er sicher nicht falsch, denn ein Spieler wie Antonius ist immer in der Lage, mit nichts vor dem Flop zu reraisen und dann dreimal volle Kanne durchzubluffen oder -semibluffen.

Fazit

In einer faszinierenden Hand, in der sich wieder einmal zeigt, wie weit die tatsächliche Hand bei starken Spielern von ihrem repräsentierten Spektrum abweichen kann, behält Sam Farha mit einer mäßigen Hand die Übersicht und gewinnt den siebtgrößten Pott der amerikanischen Fernsehgeschichte.

Patrik Antonius gibt hier alles und hätte bei einer anderen Turn-Karte vermutlich die Oberhand behalten. Dass die Sechs etwas änderte, konnte er nicht erkennen.

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