Hand der Woche – Missglücktes Slowplay von Daniel Negreanu

Negreanu wartet
Daniel Negreanu wartet

Alljährlich ist der Höhepunkt beim Poker das Main Event der World Series of Poker. Viele gute Ergebnisse, aber noch keinen Sieg erzielte Superstar Daniel Negreanu in seiner langen Karriere bei der „Mutter aller Pokerturniere“. In unserer Hand der Woche schauen wir uns an, wie Kid Poker beim Main Event 2012 ein Monster floppt, sich dann aber im eigenen Slowplay verheddert und eine Menge Chips verliert.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir sind an Tag 3 des Main Event der WSOP. Noch sind die gut 1.000 verbliebenen Spieler des wichtigsten Pokerturniers noch nicht im Preisgeld. Am Feature Table ist Daniel Negreanu einer der beiden Big Stacks, er hält 321.700 Chips und damit mehr als 200BB.

Die Blinds betragen 800/1.600 plus 200 Ante, und er bekommt

   

und raist damit auf 3.600. Alle Spieler folden, aber im Big Blind callt Marco Ruggeri. Der Italiener hat 113.500 Chips und somit 70BB. Nach seinem Call sind 9.800 Chips im Pott, die effektiven Stacks betragen 110.000.

Der Flop bringt

     

Ruggeri checkt, und auch Negreanu checkt. Im Pott sind nach wie vor 9.800 Chips, die effektiven Stacks betragen weiterhin 110.000.

Der Turn bringt den

 

Ruggeri setzt 4.200, Negreanu callt. Im Pott sind 18.200 Chips, die effektiven Stacks betragen 105.000.

Schlimmer River fuer DN
Schlimmer River fuer DN

Der River bringt den

 

Ruggeri setzt 10.500, Negreanu raist auf 31.500 und Ruggeri geht mit insgesamt 105.000 All-In. Negreanu überlegt eine Minute und callt dann.

Ruggeri zeigt

   

und gewinnt mit den Nuts den Pott. Er verdoppelt auf 229.200 Chips, während Negreanu 35 Prozent seines Stacks verliert und auf 208.000 abrutscht.

Hier die gesamte Hand noch einmal in bewegten Bildern:

Analyse und Bewertung

Eine bittere Hand für Daniel Negreanu, in der er ein Monster floppte, am Ende aber eine Menge Chips verlor.

Schauen wir uns die Details noch einmal genau an, um herauszufinden, ob er irgendetwas anders machen konnte.


Schlimmer River fuer DN

Vor dem Flop verläuft alles völlig normal. Negreanu raist mit der besten Starthand auf etwas mehr als 2BB, und Marco Ruggeri callt im Big Blind mit einer typischen Hand für diesen Spielzug.

QTo ist so etwas wie der Prototyp der Call-Hand ohne Position, die gegen Negreanus Spektrum recht gut abschneidet und für einen Fold einfach zu stark ist.

Interessant wird es auf dem Flop. Ruggeri checkt in klassischer Manier zum Raiser, und Negreanu entscheidet sich an dieser Stelle, ebenfalls zu checken.

Slowplay – Pro und Contra

Sein Spielzug ist nur allzu verständlich. Er hat ein absolutes, fast uneinholbares Monster getroffen und das Board ermöglicht durch die drei verschiedenen Farben und kaum verbundenen Karten so gut wie keine Draws.

Klare Sache
Da war es noch eine klare Sache

Da Ruggeri nach einer Bet deshalb meist folden würde, entschließt sich Negreanu zum Slowplay.

Das hat aber auch Nachteile. Checkt man mit einem Monster in einer Setzrunde, bekommt man bis zum River deutlich weniger Chips in die Mitte, womit der potentielle Gewinn bei doch recht großen Stacks begrenzt ist.

Zudem wirkt Negreanus Check ein wenig verdächtig. Auf einem solchen Board bringt er meist eine C-Bet und checkt eigentlich nur mit Händen wie KK, QQ o.ä. nach dem gegnerischen Check.

Unterm Strich dürfte der Check aber dennoch die beste Variante sein, denn Ruggeri würde nach einer Bet vermutlich in über 90 Prozent der Fälle folden, wodurch Negreanus Gewinn noch schmaler ausfiele.

Ruggeri beißt an …

Als der River Ruggeri einen Gutshot bringt, entscheidet sich der Italiener zum Semi-Bluff. Das ist keine schlechte Idee, denn er liegt gegen alle Paare hinten und kann so gegen Hände wie 88 oder 77 vielleicht den Pott stehlen.

Negreanu hat weiterhin die Nuts und entschließt sich, die Katze noch nicht aus dem Sack zu lassen.

Mit einem Raise würde er viele schwache Hände schlicht zum Folden bringen und seine Gewinne damit abermals begrenzen, während er mit einem Call weitere Bluffs auf dem River provoziert bzw. dem Gegner einen Treffer ermöglicht, der ihn eventuell dazu bewegt, mehr als eine Bet zu verlieren.

… und beißt zu

Tatsächlich bringt der River eins der vier Outs, die Ruggeri zur Verfügung standen. Auf diese Weise hat sich seine Hand von einem 1,6-prozentigen Außenseiter auf dem Flop dank zwei perfekten Karten zum Mega-Monster entwickelt.

Volltreffer fuer Ruggeri
Volltreffer fuer Ruggeri

Seine Bet mit 10.000 in einen Pott mit über 18.000 Chips ist recht niedrig bemessen, offenbar traute er Negreanu keine sonderlich starke Hand zu.

Für Negreanu gibt es zunächst keinen Grund, vom Schlimmsten auszugehen. Er hat weiterhin die Second Nuts, und es gibt etliche Hände, die

a) setzen können und

b) einen Raise callen können,

wie etwa alle Sets 77 oder 44 und einige Two Pairs wie AJ, A7, A4, KJ oder sogar K7.

Mit seinem Raise auf 31.000 bietet er seinem Gegner zudem gute Pot Odds von 2,8 zu 1, die dieser mit jeder starken Hand kaum ausschlagen könnte.

Call oder Fold nach dem All-In?

Mit den Nuts wollte Ruggeri natürlich nichts lieber sehen als die Möglichkeit, seinen gesamten Stack unterzubringen.

Nach seinem All-In sind 229.200 Chips im Pott und Negreanu muss 74.000 nachzahlen.

Kann man das folden? Die Pot Odds betragen enorme 3,1 zu 1, aber natürlich muss sich der Kanadier schon fragen, mit welchen Händen Ruggeri so spielen würde.

Ein Bluff ist fast ausgeschlossen und selbst AK wäre nur ein Bluff-Catcher für den Italiener, daher bleiben nur JJ, 77 oder 44 (Set Könige ist wegen des Calls vor dem Flop fast ausgeschlossen) bzw. ein merkwürdiger Spielzug eines unbekannten Spielers, den man immer ein Stückweit einkalkulieren muss.

Unterm Strich wäre ein Fold fast unmenschlich gewesen, doch gibt es sicher Situationen, in denen man den Gegner in einem vergleichbaren Fall auf die Nuts – und nur die Nuts – setzen kann.

Fazit

Nach einem perfekten Flop rennt Daniel Negreanu in ein unvorhersehbares Monster und bezahlt seinen Gegner voll aus.

Ruggeri konnte hier nichts falsch machen, da sein Gegner so stark und seine eigene Hand so gut versteckt war.

Am Ende des Main Events 2012 kamen Negreanu und Ruggeri fast gleichauf über die Ziellinie. Der Italiener wurde 157., während Negreanu drei Plätze früher seinen Stuhl verlassen musste. Gut $52.000 gewannen sie beide.

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