Hand der Woche – Der gefloppte Flush und das Bracelet-Drama

Brandon Barnette

Geradezu Unglaubliches spielt sich dieses Mal in unserer Hand der Woche ab. Bei ihr geht es nicht nur um viel Geld, sondern auch noch um die Ehre eines echten WSOP-Bracelets. Ausgetragen wurde sie bei Event 1, dem Turnier der Casino-Angestellten. Was zunächst wie eine klare Sache aussieht, endet in einer üblen Katastrophe – doch keine Sorge, am Ende wurde alles wieder gut!

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir befinden uns im Heads-Up von Event 1 der diesjährigen World Series of Poker. Traditionell sind bei diesem Turnier nur die Casino-Angestellten zugelassen, in einem Feld von 688 Spielern sind Brandon Barnette und Greg Seiden übrig geblieben.

Die Blinds betragen 20.000/40.000 plus 5.000 Ante, Barnette liegt mit 2,6 Millionen Chips (65BB) gegen 800.000 Chips (20BB) klar in Führung. Im Small Blind bekommt Barnette

   

und raist auf 100.000. Greg Seiden nimmt im Big Blind

   

auf und callt. Im Pot sind 210.000 Chips.

Der Flop bringt

     

Seiden checkt, Barnette setzt 235.000 und Seiden geht mit seinen letzten 695.000 All-In. Barnette callt sofort.

Der Turn bringt die

 

und der River bringt den

 

womit Seiden aufdoppelt und fast den Gleichstand erreicht.

Wer möchte, kann sich die Hand hier noch einmal ab Minute 5:40 anschauen:

Analyse und Bewertung

Ein Heads-Up um eine Bracelet ist eine außergewöhnliche Situation, und das erst recht, wenn man normalerweise auf der anderen Seite des Tisches sitzt. Brandon Barnette hat das große Ziel fast erreicht, als ihn ein schlimmer Bad Beat um den verdienten Lohn bringt.

Schauen wir uns etwas genauer an, was in der Hand passierte.

Vor dem Flop erhöht Barnette mit seiner schönen gleichfarbigen Hand auf 2,5BB bzw. 100.000. Das ist ein wenig hoch, da Seiden einen guten Reshove-Stack hat, und Barnette zum einen kein All-In callen kann und zum anderen Position hat.

Seiden entschließt sich mit seinen Königen zu einem Trickspielzug. Er kann in dieser Situation mit recht vielen Händen All-In gehen, wird aber nur von einem recht kleinen Spektrum gecallt. Insofern wären seine Könige natürlich verschwendet, wenn er Barnette mit einem All-In zum Folden brächte, zumal er angesichts der Turniersituation auf jeden Fall einen Verdoppler braucht.

Mathematisch ist Seidens Vorgehensweise absolut berechtigt, zumal er im konkreten Fall fast 79 zu 21 Favorit ist. Doch der Flop mit A Q 4 ist natürlich alles andere als programmgemäß für den Mann aus Las Vegas. Es liegen nicht nur drei Karo auf dem Board, also die Farbe, die er gar nicht hat, sondern auch noch ein Ass.

Keiner der Anwesenden im Rio konnte es fassen.

Wie im Lehrbuch checkt Seiden zu seinem Gegner, der gar nicht an Slowplay denkt. Stattdessen setzt Barnette mit 235.000 etwas mehr als Pot. Im Pot sind damit 445.000, während Seiden noch 695.000 übrig hat. Callt Seiden, hat er die All-In-Schwelle überschritten und kann unabhängig von den restlichen Karten nicht mehr folden.

Womöglich ging er aus diesem Grund (oder weil er sich diese Sequenz schon vor der Hand überlegt hatte) All-In, doch taugt dieser Move leider reichlich wenig. Nach Seidens All-In sind 1,14 Millionen im Pot und Barnette muss nur noch 460.000 nachzahlen, bekommt also Pot Odds von fast 2,5 zu 1 – das kann er angesichts des Turnierstands mit keiner besseren Hand folden.

Für Seiden gab es deshalb nur zwei Möglichkeiten. Entweder er gibt die Hand auf (nicht schön angesichts der Turniersituation) oder er callt und hofft auf einen Bluff von Barnette auf dem Turn, nach dem er verdoppeln kann. Der große Unterschied bei dieser Spielweise ist, dass Seiden noch Chips von schlechteren/geschlagenen Händen bekommt, mit seinem Bluff-Shove aber nicht.

Im Grunde handelt es sich hier um eine Standardsituation, wieso man seine Hand fast nie einen Bluff verwandeln sollte.

Als das Geld in die Mitte geht, ist Barnette übrigens 97 zu 3 Favorit, muss sich dann aber einen klassischen Runner-Runner-Suckout ansehen. Auf dem Turn hat Seiden übrigens immer noch erst 9 Prozent Pot Equity. 

Fazit

Brandon Barnette wird Opfer eines brutalen Bad Beat, kann diesen am Ende aber verschmerzen. Die Glücksgöttin hatte ein Einsehen und überließ das Bracelet dann doch dem verdienten Sieger!

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