Hand der Woche – Das finale Drama der EPT Barcelona

Sebastian Malec feiert
Sebastian Malec und die große Freude nach dem Sieg

Eine Konstellation, wie man sie wahrlich nicht alle Tage sieht, und das in der allerletzten Hand des Main Event der EPT Barcelona – das verdient definitiv einen ausführlichen zweiten Blick auf das gerade zu Ende gegangene Spektakel in der katalanischen Metropole. Wir schauen uns an, wie der 21-jährige Pole Sebastian Malec den Deutschen Uri Reichenstein buchstäblich niederredete.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir sind im Heads-Up des Main Event der EPT Barcelona, es sitzen sich der 21-jährige Pole Sebastian Malec und Uri Reichenstein aus Deutschland gegenüber und sie spielen um einen Preisgeldunterschied von rund 315.000 Euro – über €807.000 haben die beiden schon sicher.

Die Blinds betragen nach knapp sechsstündigem Ringen 300.000/600.000 plus 100.000 Ante, Malec hat 27 Millionen und den Button, während Reichenstein mit 25,6 Millionen im Big Blind ist.

Malec stockt im Small Blind/Button auf und Reichenstein checkt mit

   

Der Flop bringt bei 1,4 Millionen im Pott

     

Reichenstein setzt 800.000 und nach einer kurzen Pause raist Malec auf 3 Millionen. Nach kurzem Nachdenken callt der Deutsche, und es geht mit 7,4 Millionen im Pott auf den Turn. Der bringt die

 

Dieses Mal checkt Reichenstein, worauf Malec sich das Board genauer ansieht und weitere 5 Millionen hinterher schiebt. Reichenstein callt erneut. Er hat noch gut 17,6 Millionen übrig, im Pott sind 17,4 Millionen.

Der River bringt die

 

Reichenstein checkt wieder, aber Malec setzt ihn recht prompt All-In. Im Pott sind 35 Millionen, Reichenstein wird von seinem Gegner gecovert und es geht um den Turniersieg bei der EPT Barcelona.

Nach 2 Minuten und 22 Sekunden callt Reichenstein mit seiner Straight und verliert gegen Malecs

   

Die gesamte Action sowie Malecs teilweise unsportliches Gehabe samt Sprüchen wie „Ich muss aufs Klo“ könnt ihr euch hier noch einmal ansehen:

Analyse und Bewertung

Reichenstein ueberlegt
Uri Reichenstein überlegt

Eine wirklich spektakuläre Hand, in der nach einem langen Tag und einem kräftezehrenden Turnier zwei sehr starke Blätter aufeinanderprallten.

Schauen wir uns den gesamten Verlauf aus der Sicht Reichensteins noch einmal genauer an.

Vor dem Flop stockt Malec auf, das sagt relativ wenig über seine Hand aus, auch wenn er mit Paaren, hohen Karten und Händen mit einem Ass meist raisen würde – selbstverständlich kann er aber mit praktisch allen Händen auch zur Verschleierung so spielen.

Für Reichenstein gibt es mit seinen Connectors keinen Grund, ohne Position den Pott aufzubauen, daher ist sein Check mehr als logisch.

Auf dem Flop bekommt der Deutsche einen Open-ended Straight Draw und versucht, dies mit einer Bet von vorn direkt auszunutzen. Hat der Pole nichts getroffen und keinen Draw, wird er vermutlich folden und Reichenstein kann seinen Stack mit einem erfolgreichen Semi-Bluff ausbauen.

Malec und die maximale Polarisierung

Als Malec raist, muss Reichenstein viele Hände in Betracht ziehen. Der Pole kann natürlich mit QJ, Q6 oder J6 Two Pair getroffen haben, aber es kommen auch viele Draws infrage, wie etwa KT, T8 oder zwei Herz. Nie ausschließen kann man bei einem Raise aber auch kompletten Müll. Mit einer Dame oder einem Buben dagegen würde Malec vermutlich eher callen.

Reichenstein hat einen recht guten Draw, der allerdings nur bei drei Karten zu den Nuts führt, aber da Malec vor dem Flop nicht geraist hat, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er auf diesem Board schon etwas getroffen hat.

An dieser Stelle sei vermerkt, dass Malec bereits hier beginnt, seine Hand maximal zu polarisieren. Im weiteren Verlauf wird dies eine wichtige Rolle spielen.

Traumkarte auf dem Turn

Auf dem Turn kommt die Karte, die für alle Pokerfans (die die Karten kennen) ein Traum ist. Für Reichenstein ist sie besser als ein König, da ihn nun nur Flushes schlagen, während der K auch noch eine bessere Straight ermöglicht hätte.

An seinem Check gibt es nichts zu mäkeln, falls Malec blufft, will er ihn weiter setzen lassen.

Der Pole hält an seiner aggressiven Linie fest und schiebt weitere 5 Millionen in den Pott mit 7,4 Millionen.

An dieser Stelle kann Reichenstein angesichts dessen, dass Flushes nur einen sehr geringen Teil von Malecs Spektrum ausmachen, auf gar keinen Fall folden.

Gleichwohl muss er sich im Klaren sein, dass Malec nach einem Call auf dem River die perfekte Ausgangslage vorfindet, um mit ziemlich genau Pottgröße All-In zu gehen.

Ein Call ist auf jeden Fall korrekt, auch um auf dem River die Situation neu zu evaluieren.

Komplikationen auf dem River

Die 8 auf dem River bringt für Reichenstein neue Hände, die ihn schlagen.

Malec Nuts und Show2
Sebastian Malec und die große Show auf dem River

Nachdem er zuvor nur von einem Flush geschlagen wurde, schlagen ihn nun auch einige Full Houses. Unwahrscheinlich sind zwar QQ, JJ und 66, da Malec damit vermutlich vor dem Flop geraist hätte, aber man kann diese Hände genauso wenig ausschließen wie die wahrscheinlicheren Hände Q8, J8 oder 86, wobei sich bei diesen wiederum die Frage stellt, ob Malec damit wirklich auf dem Flop geraist hätte.

Reichensteins Check ist auf jeden Fall korrekt, da er kaum schlechtere Hände zum Callen bekommt, und Malec mit schwächeren Händen oft checkt bzw. blufft.

Als Malec All-In geht, ist seine Hand dann auch maximal polarisiert, d.h. er hat entweder ein Monster (Hoher Flush, Full House) oder rein gar nichts.

Schauen wir uns die Setzfolge noch einmal an. Vor dem Flop limpte der Pole, dann raiste er auf dem Flop, setzte auf dem Turn zwei Drittel des Potts und auf dem River ganzen Pott – so spielt man nicht mit mediokren Händen wie einem Top Pair!

Reichensteins „Fehlentscheidung“

Nach gut zwei Minuten und reichlich Affentheater seines Gegners callt Reichenstein und verliert damit dieses Duell, wirklich zu tadeln ist seine Entscheidung aber nicht.

Eine Straight ist in einem Heads-Up einfach eine sehr starke Hand und Flushes (sowie die wenigen plausiblen Full Houses) machen eben einen nur sehr kleinen Anteil eines Spektrums aus, das vor dem Flop überhaupt nicht eingegrenzt wurde (ein altes Heads-Up-Problem).

Andererseits verhielt sich der Pole (wie im Video zu sehen) auch sehr auffällig und selbstsicher – seine Redseligkeit und sein schauspielerischer Blick auf dem Turn, als die dritte Herzkarte aufgedeckt wurde, erinnert eher an billiges Schmierentheater als an ein derart hochrangiges Pokerturnier.

Mit etwas mehr Live-Erfahrung hätte Reichenstein den Braten vielleicht gerochen, so musste er Lehrgeld zahlen.

Fazit

In einer faszinierenden Hand prallen zwei Heads-Up-Monster aufeinander, und dem Polen Malec gelingt es, mit spielerischer und verbaler Aggression, seinem Gegner den gesamten Stack abzunehmen.

Uri Reichenstein zog aus den Reden seines Gegners die falschen Schlüsse und kam von seiner starken zweitbesten Hand nicht mehr los.

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