Hand der Woche – Dan Colmans plötzliches Aus beim WSOP Main Event

Probleme
Dan Colman mit Problemen

Lange Zeit mischte Dan Colman, der Gewinner des Big One for One Drop 2014, beim WSOP Main Event 2016 vorne mit und lag an Tag 5 sogar zeitweilig in Führung. An Tag 6 jedoch entwickelte sich ein spanischer Amateur zu Colmans Angstgegner und sorgte binnen weniger Minuten für dessen Aus. Wie schnell es bei einem Pokerturnier zum Ausgang gehen kann, zeigt unsere Hand der Woche.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Im Grunde handelt es sich bei unserer Hand der Woche um zwei Hände. Vor dem hier geschilderten Duell prallten der renommierte Profi mit Gewinnen von über $26 Millionen, Dan Colman, und sein spanischer Gegner, der bis dato nur bei kleineren Turnieren an den Start gegangen war, schon einmal aufeinander.

Colman hatte in dieser Hand 99 und musste sich auf einem Board mit 88JK von Pons mit QT aus dem Pott bluffen lassen, weil er zwar einen Bluff ahnte, aber schlicht nichts dagegen tun konnte (Die Hand gibt es im Video unten ab Minute 18:30). Dabei verlor Colman rund ein Drittel seines Stacks und fiel auf 27 Big Blinds zurück.

Wenige Minuten später kam es bei Blinds von 80.000/160.000 plus 20.000 Ante zu dieser fatalen Hand.

Colman (4,2 Millionen) raist mit

   

aus UTG auf 360.000 und Pons (über 18 Millionen) callt im Hijack. Im Pott sind damit 1,12 Millionen, der effektive Stack beträgt 3,8 Millionen.

Der Flop bringt

     

Colman checkt, Pons checkt und alles bleibt beim Alten.

Der Turn bringt die

 

Colman checkt, Pons setzt 350.000, Colman checkraist mit 3,8 Millionen All-In und Pons überlegt kurz, ehe er callt. Er hat

   

und nimmt Colman nach der

 

auf dem River aus dem Turnier. Für seinen 31. Platz erhält Colman gut $200.000, Pons qualifiziert sich später für die November Nine. Ab Minute 23 kann man sich die Hand hier in bewegten Bildern anschauen:

Analyse und Bewertung

Eine von Dan Colman unorthodox gespielte Hand, die einige Fragen offenlässt. Schauen wir uns den Verlauf der Hand samt ihrer Vorgeschichte noch einmal an.

Wie erwähnt, hatte Pons erst wenige Minuten zuvor Colman auf einem ekligen Board mit einem starken Semi-Bluff auf dem Turn einen 4,5-Millionen-Pott abgenommen und seinen Gegner damit in die gefährdete Zone von unter 30BB befördert.

Pons 2
Fernando Pons

Ein solcher Stack hält aber einen Weltklassespieler wie Colman nicht davon ab, weiter aktiv zu bleiben und seine Chance in der Offensive zu suchen.

Aus diesem Grund ist der Raise aus erster Position mit einer ziemlich schwachen Hand wie J9s auch nicht zu tadeln – Colman repräsentiert ein starkes Spektrum und ist den meisten Spielern am Tisch spielerisch überlegen.

Als Fernando Pons im Hijack callt, ist Colman klar, dass der Spanier keine Premium-Hand wie AA, KK oder QQ haben kann, da er damit auf jeden Fall reraisen würde.

Sein Spektrum enthält vor allem mittlere Paare und etliche Broadway-Kombinationen.

Doppelter Check auf dem Flop

Mit dieser Konstellation geht es auf den Flop, wo Colman Top Pair trifft.

Der Flop ist so trocken, wie ein Flop nur sein kann, was bedeutet, dass der Spieler, der jetzt vorn liegt, fast immer auch auf dem River vorne liegt.

Das ist die Ausgangslage für Colmans nun folgende, äußerst ungewöhnliche Spielweise. Indem er checkt und auf die Continuation Bet verzichtet, repräsentiert er wenige Monster (JJ oder 77) sowie etliche schwächere Hände als Top Pair wie 88 oder AQ.

Pons‘ Check dahinter ist ein wirklich guter Spielzug, der zeigt, dass der Amateur weiß, was er tut. Eine Bet brächte wenig, da Colman mit schwächeren Händen nicht allzu viele Chips verlieren würde.

Fallbeil auf dem Turn

Als der Turn mit der 3 die perfekte Karte (niedriger als Bube) bringt, setzt Colman sein Konzept fort, eine schwächere Hand als seine tatsächliche zu repräsentieren.

Er checkt und gibt Pons damit erneut die Möglichkeit zu setzen. Dieses Mal lässt sich der Spanier nicht zweimal bitten und bringt eine kleine Bet von 350.000 in einem Pott mit über 1,1 Millionen.

Dan Colman56
Dan Colman

Diese niedrige Einsatzhöhe kann zweierlei bedeuten: Entweder will der Spanier Colman im Pott halten oder aber ihn billig hinausbluffen.

Nun kommt das wirklich spektakuläre und sofortige All-In, mit dem Colman gleichzeitig eine heftige Overbet bringt.

Colman raist mehr als das Zweieinhalbfache des Potts und polarisiert damit sein Spektrum vermeintlich maximal.

Pons behält die Nerven

Die Art, wie Colman gespielt hat, lässt aus gegnerischer Sicht eigentlich nur zwei Schlüsse zu. Entweder hat Colman ein Monster, sprich ein Set, oder einen Semi-Bluff mit einer Hand wie A K, die viele Outs plus Fold Equity hat.

Letztgenannte Hände sind viel wahrscheinlicher, und das könnte Pons dazu verleiten, mit Händen wie TT, 99, 88, 66 oder vielleicht sogar einer (allerdings unwahrscheinlichen Sieben) zu callen.

Das also war der Plan von Colman mit seiner Hand. Er wollte sein Spektrum aus gegnerischer Sicht schwächen und gleichzeitig mit seinem Top Pair, das er in dieser Turniersituation ohnehin nie aufgeben würde, den Gewinn gegen schwächere Hände maximieren.

Pons callt2
Fernando Pons

Colmans Pech – er ist sehr siegessicher, als die Karten umgedreht werden – ist, dass sein Gegner in seinem Spektrum neben Paaren eben auch Broadway-Hände hat und in dieser konkreten Situation mit AJ ausgerechnet die stärkste dieser Hände (außer 77) hält.

Angesichts von Colmans äußerst blufflastigem Spiel und der Vorgeschichte kann Pons hier eine Hand wie Top Pair, Top Kicker einfach nicht folden, und nach kurzem Zögern entscheidet sich der spanische Amateur dann auch richtig und nimmt einen sichtlich schockierten Colman vom Tisch.

Fazit

Dan Colman versucht es mit einem elaborierten Trickspielzug, der sicher einen hohen Erwartungswert hatte, im konkreten Fall aber geradewegs ins Verderben führt.

Der Amateur Fernando Pons dagegen vollendete sein Werk als Angstgegner und spielte auch die Hand absolut perfekt. 

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