George Danzer - Ein aufregendes Jahr

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Der WSOP Spieler des Jahres über Twitch, die Global Poker Masters und das nervenaufreibende Rennen um den POY-Titel.

Das Interview

PL: Vor einem Jahr haben wir hier über deinen ersten Erfolg bei einem Live-Turnier gesprochen. Jetzt bist du WSOP Spieler des Jahres.

GD: Es begann mit dem 1k + 1k Bounty-Turnier hier in Monte Carlo. Das war das erste große Turnier, das ich gewinnen konnte.

Davor habe ich nur Charity-Turniere und solche mit 50 Dollar Buy-in gewonnen. Aber nach diesem Sieg schien es plötzlich, als ob ich nun wüsste, wie man Turniere gewinnt.

Nach dem Grand Final kommt dann die SCOOP, und das ist der große Test für die WSOP. Die Serie ist der ideale Übungslauf, weil die Turniere ähnliche Strukturen und auch ähnliche Teilnehmerfelder haben.

Die 2000er Mixed Events zum Beispiel haben bei der SCOOP 60 bis 80 Spieler und bei der WSOP dann 120 bis 150.

Zwar dauern die Live-Turniere drei Tage und die online nur einen, aber dafür wird dort natürlich auch viel schneller gespielt.

Wenn es bei der SCOOP gut läuft, fahre ich auch optimistisch nach Las Vegas. Ich habe dann ein Turnier gewonnen und war einmal Zweiter, außerdem Zweiter im Leaderboard.

Wenn es dann bei der WSOP auch noch gut losgeht, ist das natürlich perfekt. Mein erstes Turnier war dann das 10.000er 2-7, und da bin ich gleich Fünfter geworden.

Das war natürlich ein Superstart. Da es nicht so einfach ist, das ganze Geld für die verschiedenen Buy-ins zusammen zu bekommen, kommt man natürlich mit einem frühen Cash in die komfortable Situation, dieses Geld schon zur Verfügung zu haben. Damit läuft dann alles viel entspannter.

Das zweite Bracelet

Das zweite Bracelet war die Kür.

In der zweiten Woche kam ich dann im Razz-Event sehr weit. Razz ist eine Variante, in der ich eigentlich glaube, Turniere gewinnen zu können, denn hier ist das wichtigste, Tilt zu vermeiden.

Das gelingt aber fast niemandem, und ich habe schon so viele Razz-Turniere gespielt, dass ich meistens ganz ruhig bleibe. Das Turnier habe ich dann ja auch tatsächlich gewonnen.

Dass ich dann zwei Wochen später noch eines gewinne, war dann natürlich großartig. Zu dem Zeitpunkt war das alles schon Kür.

Nach dem zweiten Bracelet habe ich mir tatsächlich sogar einen ganzen Tag frei genommen. Teilweise allerdings auch deshalb, um für die Players Championship frisch und ausgeruht zu sein, die danach anstand.

Die 50k Players Championship ist das wichtigste Turnier der Serie und auch das, worauf ich mich jetzt schon wieder am meisten freue.

PL: Vegas war ein Riesenerfolg, aber danach ging es ja noch weiter, denn in der POY-Tabelle ging es extrem eng zu.

GD: Ja. Brandon Shack-Harris hatte mich zwischenzeitlich überholt, nachdem er bei der Players Championship Zweiter geworden war.

Das hieß, ich musste nun auch nach Australien, um noch genügend Punkte zu holen. Gleich im ersten Turnier kamen wir dann beide ins Geld, aber ich kam eine Auszahlungsstufe weiter und hatte dann einen Punkt mehr.

Hört sich wenig an, bedeutet aber einen Min-Cash, und es ist nicht so einfach, ins Geld zu kommen. Zwei Events später sitzen wir am selben Tisch und spielen einen großen Coin Flip mit As-König gegen Zehnen.

Brandons Pocket Pair hält, und damit hat er mich wieder überholt. Weitere zwei Events kam es zu genau derselben Situation, wobei ich dieses Mal das bessere Ende für mich hatte.

Allerdings kam ich dennoch nicht an ihm vorbei, weil ich dafür genau eine Auszahlungsstufe zu früh ausschied. Also ging der Kampf weiter.

Ich konnte dann in einem Mixed Event noch ein Bracelet gewinnen und setzte mich damit wieder an die Spitze.

Danach hatte Brandon Shack-Harris noch zwei Chancen, mich noch abzufangen, weil ich in den letzten beiden Turnieren früh ausgeschieden bin.

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Bei den GPM versuchten alle, das beste zu geben. 

Ich musste also noch eine Weile schwitzen, aber am Ende reichte es doch für mich, und dann war ich tatsächlich „Player of the Year“.

Es war vom ersten bis zum letzten Turnier ein knappes Rennen. Insgesamt ein aufregender Sommer.

PL: Wird sich das auf deinen Vertrag bei PokerStars auswirken?

GD: Auf jeden Fall habe ich meine Sache ziemlich gut vertreten. Es sind ja einige nicht mehr im Team, obwohl sie sicher gute Repräsentanten waren.

Aber mit dem Titel Player of the Year hat man sicher noch mal einen besonderen Status. Wobei man sich natürlich nie 100%-ig sicher sein kann, genau wie in jedem anderen Job.

Es kann jederzeit auch vorbei sein. Aber ich bin zuversichtlich, meinen Job gut gemacht zu haben.

PL: Twitch ist im Moment der neue Trend. Was motiviert dich dazu, bei Twitch aktiv zu werden?

GD: Hauptsächlich der Abwechslung wegen. Das Online-Grinden kann ja mitunter ziemlich langweilig werden, aber so hat man die Möglichkeit, mit anderen Spielern zu interagieren.

Man ist in die Community integriert, und das ist immer ganz lustig. Außerdem möchte ich auch gerne etwas zurückgeben, und mit Twitch kann ich dann zum Beispiel ein paar Strategietipps geben oder Ähnliches.

Ich spiele Mixed Games auf niedrigen Levels, damit die Leute mitbekommen, wie man da so spielt, sonntags sind natürlich immer Turniere am Start, und während der SCOOP hoffe ich natürlich, auch mal einen Finaltisch anbieten zu können.

Das wird dann mehr was zum Mitfiebern, denn da muss ich mich dann schon auf mein Spiel konzentrieren.

PL: In den Internetforen beklagen sich bereits eine Menge Spieler darüber, dass es den Neueinsteigern mittels Twitch einfach gemacht wird, schnell zu lernen. Stimmt das?

GD: Natürlich stimmt das, aber das ist auch in Ordnung so. Es kann ja nicht sein, dass man, nur weil man etwas besonders gut kann, den anderen alle Geheimnisse vorenthält, damit man selbst mehr Geld verdient.

Das entspricht überhaupt nicht meiner Philosophie. Meiner Ansicht nach sollten alle Informationen für alle zur Verfügung stehen, und dann kann jeder daraus machen, was er will.

Es wäre doch völlig sinnfrei, wenn die guten Spieler sagten, dass man den Anfängern nichts beibringen darf, damit sie nicht besser werden.

Die guten Spieler bekommen die neuen Informationen ja schließlich auch. Da müssen die sich eben auch weiter verbessern.

Ich halte diese Argumente daher für falsch. Im Übrigen sind es nie die Topspieler, die sich beschweren. Das sind vielmehr die Profis, die es sich möglich einfach machen wollen und so wenig arbeiten wie möglich.

Natürlich kann man nicht alles preisgeben. Wenn ich zum Beispiel auf den höchsten Levels spiele, kann ich nicht erzählen, wie genau ich 2-7 gegen Daniel Negreanu spiele.

Denn wenn der sich das anhört, hat er dadurch ja einen Riesenvorteil mir gegenüber, während sonst niemand etwas mit der Information anfangen kann.

PL: Ist Twitch nicht gefährlich hinsichtlich Betrugsversuchen? Kollusion etc.?

GD: Ich glaube nicht. Ich schicke meine Daten schon mit Verspätung los, um sicher zu sein, dass Time-Banks und Disconnects abgedeckt sind und niemand meine Karten sehen kann.

Wenn ich aufpasse und mich nicht verklicke, kann da eigentlich nichts passieren.

PL: Bei den Global Poker Masters hat das deutsche Team das Traumfinale gegen die USA leider verpasst. War das trotzdem ein Event mit Zukunftspotenzial?

GD: ich glaube, die GPM und der World Cup auf den Bahamas sind die beiden besten Team Events. Auf den Bahamas ist die Stimmung im Saal immer top, und bei den Global Poker Masters saßen nur Topspeiler am Tisch, und jeder kannte jeden.

Da wollte natürlich keiner schlecht dastehen, obwohl es nicht um einen großen Preispool ging.

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Danzer bei den Global Poker Masters.

PL: Deutschen Teams wird immer ein besonderer Teamgeist nachgesagt. Ist das bei den GPM auch entstanden?

GD: Ja, das war schon so. Aber das hat man auch bei anderen Teams gesehen, etwa bei den Kanadiern und auch bei den Amerikanern.

Gerade die Amerikaner haben diesen Teamgeist aber auch im Fußball, obwohl sie eigentlich ja gar nicht so gut spielen können. (lacht)

PL: Du wurdest als das Mastermind im deutschen Team angesehen. Hast du dich in der Führungsrolle wohlgefühlt?

GD: Das habe ich so eigentlich überhaupt nicht empfunden. Ich bin schon jemand, der sich solche Events dann vorher genauer anschaut und dafür auch Zeit investiert.

Andererseits hatten wir Sit-and-Go-Spezialisten, die sich bei den Entscheidungen in der SnG-Runde viel besser auskennen als ich.

Es haben sich alle angestrengt, und deshalb war es auch eine erfolgreiche Geschichte.

Auch die Organisatoren haben sich gegenüber Anregungen durch die Spieler sehr offen gezeigt. Das war sehr gut zu sehen, denn vieles wurde sofort umgesetzt, noch während die Turniere liefen.

PL: Würdest du zwei oder drei Turniertage opfern, um wieder mitzuspielen?

GD: Eindeutig ja. Das Problem ist nur, dass man sich ja qualifizieren muss, und in der deutschen Rangliste ist das extrem schwierig. Ich glaube, im Moment wäre ich gar nicht unter den besten vier.

Hoffentlich kann ich hier in Monaco noch ein paar Punkte sammeln. Vielleicht im Mixed Event.

(Mit den Punkten wurde es leider nichts. George Danzer ist derzeit Siebter im deutschen GPI-Ranking, d. Red.)

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