Dietrich Fast: „Der Lauf zuvor entscheidet was in der Zukunft passiert“

Dietrich Fast

Dietrich Fast ist der Mann der Stunde. Bei der WSOP Europe in Berlin gewann er beim Oktoberfest als einziger Deutscher ein Bracelet. Nur um wenige Tage später beim Thursday Thrill auf PokerStars online einen weiteren Major-Titel folgen zu lassen. Wir baten ihn im Interview bei der EPT Malta den Weg zum Bracelet noch einmal aus seiner Sicht Revue passieren zu lassen, und wollten wissen wie wichtig ein guter Lauf beim Poker wirklich ist.

Das Interview

PokerZeit: In Berlin hast du dich beim Oktoberfest der WSOP Europe gegen 2.144 Spieler durchgesetzt, €550 in sage und schreibe €157.749 verwandelt und dein erstes Bracelet gewonnen. Kannst du das Turnier bitte mal kurz aus deiner Sicht Revue passieren lassen?

Dietrich Fast: Es waren ja vier Flights und ich habe zwei davon gespielt, und zwar 1A und 2B.

Zunächst lief es gar nicht gut und ich habe gleich zu Beginn einen großen Pot verloren, als ich Full House gefoldet habe. Danach war ich short, habe mich dann aber innerhalb von zwei bis drei Leveln wieder hochgearbeitet und den Tag mit einem guten Stack abgeschlossen.

Am zweiten Tag lief es sehr gut, und ich habe aus 80.000 Chips 1,5 Millionen gemacht, nur um dann in zwei Händen wieder auf 500.000 zurückzufallen. Erst lief ich mit Two Pair in die Straight meines Gegners.

Anschließend war ich in einer Hand gegen Steve O’Dwyer, wo ich Bube hoch hatte, am Turn einen Flush Draw mache, den River sehr groß setzte, und er mich dann mit Bottom Pair runtercallt und gut ist. 

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Dietrich Fast gewann als einziger Deutscher ein Bracelet bei der WSOP Europe in Berlin.

So bin ich recht short als Fünfter an den Final Table gekommen. Deshalb  musste ich dann recht tight spielen, da ICM bei der Payoutstruktur eine recht große Rolle spielte.

Bei nur noch fünf Spielern left war ich sehr short, konnte nicht mehr viel machen, und war ehrlich gesagt froh um jeden Preisgeldsprung, den ich mitgenommen hatte.

Dann konnte ich aber zweimal hintereinander gegen Steve O’Dwyer verdoppeln. Als ich gemerkt habe, dass er mental schwächelt und nachdem er wenig später ausgeschieden ist, dachte ich mit den Chips und dem Selbstbewusstsein, dass ich zu dem Zeitpunkt hatte auch, dass ich das Turnier gewinnen kann.

PZ: Ins Heads-Up bist du dann bereits mit einer klaren Führung gegangen, es wurde aber noch einmal richtig spannend.

DF: Ich hatte zu Beginn des Heads-Ups  7,5 Millionen und John Gale hatte 2,5 Millionen. Deshalb war ich mir eigentlich schon sehr sicher, dass ich gewinnen werde, da ich gedacht habe er würde sehr tight spielen.

Das war aber nicht der Fall, er hat sehr viel defended und viel eröffnet, und ich habe die ersten beiden Levels des Heads-Up einfach nichts getroffen. So ist mein Stack immer weiter bis auf zwei Millionen geschrumpft und er hatte den Titel fast schon sicher.

Letztendlich konnte ich aber glücklicherweise das Blatt noch einmal wenden, weil er zwei massive Fehler gemacht hat.

PZ: Bei der PCA 2015 warst du nach den beiden Starttagen Chipleader und bei der EPT Barcelona hattest du ebenfalls einen Deep Run. Kam der Sieg für dich überraschend, oder spürt man als Spieler, dass man reif für einen großen Titel ist?

DF: Man muss das etwas abwägen. Es gab beim Oktoberfest zwar ein Bracelet, aber am Ende des Tages ist es nur ein €550-Turnier und da ist die Spielstärke einfach um einiges niedriger als bei einem $10.000 6-max bei der WSOP in Las Vegas.

Dietrich Fast PCA 2015
Schon bei der PCA 2015 war Dietrich nach den ersten beiden Starttagen Chipleader.

Es ist also schon deutlich einfacher ein Bracelet zu gewinnen, auch wenn die hohe Spielerzahl das Ganze etwas erschwert.

Zur Frage, ob es überraschend war, ich spiele schon seit langem Turniere und habe auch schon hier und da mal was gewonnen. Ich kenne also das Gefühl ein Turnier als Erster zu beenden, und daher ist das jedes Mal, wenn ich mich für ein Turnier einkaufe, mein Ziel.

Man erwartet zwar nicht, dass man Erster wird, aber man hofft natürlich darauf. Dass es irgendwann einmal klappt, war am Ende des Tages nur eine Frage der Zeit.

PZ: Kurz nach deinem Bracelet in Berlin hast du mit dem Thurday Thrill auch online ein Major-Turnier gewonnen und anschließend getweeted, dass Poker ein Laufspiel ist. Ist Selbstbewusstsein und ein guter Lauf wirklich so wichtig?

DF: Das kann man kurz und knapp mit einem Ja beantworten. Live ist das Selbstbewusstsein ein großer Faktor. Da habe ich schon viele gute Spieler gesehen, die auf einmal schlechte Entscheidungen treffen, weil ihnen das Momentum fehlt, wie im oberen Beispiel Steve O’Dwyer am Final Table beim Oktoberfest.

Und ein Laufspiel ist Poker sowieso, hätte ich das Bracelet nicht gewonnen, dann hätte ich hier das €25.000 High Roller nicht spielen können. Dort hätte ich ebenfalls gewinnen können, da ich lange vorne mit dabei war, auch wenn das am Ende nicht geglückt ist.

Trotzdem sieht man daran, dass der Lauf zuvor entscheidet, was in der Zukunft passiert.

PZ: Ist das auch der Grund, warum du momentan versuchst so viel wie möglich zu spielen?

DF: Nein, das spielt überhaupt keine Rolle. Ich habe einen festen Wochen- bzw. Monatsplan, in den ich Livestopps mit einbaue.

EPT Malta High Roller
Fast spielte bei der EPT Malta sein erstes High Roller Event, und war lange ganz vorne mit dabei.

Unabhängig davon, ob ich gut oder schlecht laufe war dieser in den letzten Jahren immer recht konstant.

PZ: Was machst du, wenn du einmal nicht Poker spielst und was ist dir im Leben am wichtigsten?

DF: Am wichtigsten ist mir meine Familie, und da nehm ich mir auch sehr viel Zeit dafür. Ansonsten bin ich ganz 0815 und gehe gerne mit Freunden was Trinken.

PZ: Du warst bei der EPT Malta sogar beim €25.750 High Roller am Start und lange ganz vorne mit dabei. Wird man dich in Zukunft jetzt häufiger bei High Roller Events sehen und wie hast du das hohe Buy-In aufgebracht?

DF: Man kann schon davon ausgehen, dass ich jetzt häufiger High Roller Turniere spiele, allerdings nur die, wo ich denke, dass sie halbwegs lukrativ sind.

Sicherlich habe ich hier nicht alles an mir gehabt. Ich wäre ja ziemlich blöd, wenn ich ein Sechstel meines Gewinns von der WSOP Europe wieder investiert hätte, sprich ich habe also einiges meiner Action verkauft.

PZ: Ein Bracelet bei der WSOP ist der Traum eines jeden Pokerspielers. Du hast jetzt schon eins, was sind nun deine Ziele für die Zukunft?

DF: Ich habe keine pokerspezifischen Ziele. Ich hatte auch vorher nicht das Ziel ein Bracelet zu gewinnen.

Mein Ziel ist es gesund und glücklich zu bleiben. Wenn ich mit dem Pokerspielen nicht mehr glücklich bin, dann höre ich auf.

Ich versuche einfach mein Leben so gut wie möglich zu genießen und glücklich zu sein, und aktuell bereichert Poker mein Leben schon sehr.

Hier könnt ihr euch noch einmal anschauen, wie Dietrich das Bracelet bei der WSOPE in Berlin gewann:

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