Berlino Clandestino – Untergrundpoker zur Zeit des Booms

Untergrund Poker
Von illegalen Pokerrunden in der Hauptstadt

Es ist schon ein paar Jahre her. Am Tempelhofer Damm, einer der Magistralen dieses traditionsreichen Berliner Bezirks findet man in der Hausnummer 12 das Landeskriminalamt Berlin.

Keine 200 Meter weiter nördlich, schon fast am Platz der Luftbrücke gelegen, gab es vorübergehend einen kleinen Pokerclub mit dem bezeichnenden Namen „Riverside“. Selbstverständlich existierte dort kein legalisierter Spielbetrieb. Gleichwohl nutzten die Betreiber schon damals die sozialen Netzwerke, um auf den Club aufmerksam zu machen. So wurde zum Beispiel in einer Facebook-Gruppe wie folgt geworben: 

„Hallo Pokerfreunde, kommt alle zu unserer Eröffnung und überzeugt euch von unserem Konzept*. Habt Ihr Lust auf eine kleine Eröffnungsrunde dann seid dabei (Plätze begrenzt!), voraussichtlich wird 1/1 gespielt. Wodka Energy den ganzen Abend for FREE!!! Der Rest je 1,-€ (Für alle mit min. 150,- am Tisch alle Getränke FREE...)

PS: Bringt alle mit die gerne pokern, damit es sich ganz schnell herumspricht. Und alle die auch Interesse an Infos des Ladens haben oder selber gerne ab und an spielen wollen, tretet bitte in die Gruppe ein, da zukünftig alle Mails darüber laufen.

Bitte, wie schon gesagt, wer Interesse an c-games hat bitte eine Mail mit Namen, Handynummer, Lieblings Level und Tage und Varianten vermerken (also z.B. ab .25/.50 bis 5/10, Mo-So, Holdem, Omaha, Pot Lim, 7-Card, 5-Card)

*Konzept:

Wir bieten dir, egal ob Geburtstag, Junggesellenabschied, Kundenevent, Mitarbeiterfeier, gemütliche Runden zwischendurch, Männertreff, Strippoker oder sonstige ausgefallenen Abende, das passende Flair.

Egal ob jung, alt, reich oder nicht, Chef von Siemens oder Mitarbeiter bei Lidl, bei uns sind alle willkommen.

Wir sorgen für Dealer, Keramik-Chips und Plaques, Getränkepauschalen, Buffet, Stripper/in, Zigarren, und vieles vieles mehr. Buche unseren Privat Poker Room für einmalige und mehrmalige Veranstaltungen und Events und lass es zu einem unvergesslichen Abend werden.

Wir achten auf eine friedliche Gesellschaft, wer stänkert fliegt raus, wir wollen in netten Kreisen pokern und die Abende genießen.“

Mit dieser Ankündigung wurde der Riverside-Club angepriesen. Zwar nicht für alle sichtbar, sondern nur für „Freunde“, nichtsdestotrotz war das Werbung für illegales Glücksspiel.

Mit journalistischer Neugierde machte ich mich damals auf den Weg. Die Erinnerungen sind noch sehr plastisch:

U Platz der Luftbruecke
Platz der Luftbrücke in Berlin

Von der U-Bahn-Station „Platz der Luftbrücke“ sind es nur knapp fünfzig Meter. Hier ist zwar weit und breit kein Fluss oder ein anderes der zahlreichen Berliner Gewässer zu sehen, aber der Begriff „River“ kann im Pokermetier ja auch eine ganz andere Bedeutung annehmen, wie wir alle wissen.

Fenster und Türen sind verhangen, das große Fenster rechts trägt die Inschrift „Riverside“ allerdings ohne den Zusatz „Pokerclub“. Das wäre vielleicht ein wenig leichtsinnig angesichts der unmittelbaren Nachbarschaft.
Man muss klingeln, dann wird einem aufgetan. Der Club besteht aus zwei Etagen. Unten eine Sitzecke und eine kleine Bar. Über eine schmale steile Treppe gelangt man ins Obergeschoss. Dort befindet sich ein Pokertisch. Sieben Leute spielen, es liegen professionelle Keramikchips auf dem Tisch. Nach Auskunft des Betreibers ist es eine reine Simulationsrunde. Man trainiert No Limit Hold‘em mit Blinds von 1/1 und die Teilnehmer sind Freunde, die sich dort zu einer ungezwungenen Kartenrunde treffen.

Nun denn, wir warteten ab, wie sich der Club entwickeln sollte. Wenn es bei den Simulationsrunden geblieben wäre, wäre alles in Ordnung. Ansonsten hätte es für alle Beteiligten eine verdammt riskante Sache werden können, das SEK konnte quasi „zu Fuß“ herbeimarschieren.

Der Club hatte allerdings nicht sehr lang Bestand. Irgendwann nach nicht allzu langer Zeit war er geschlossen. Grund war nicht etwa eine polizeiliche Intervention. Das Interesse der „Freunde“ und „Kunden“ entwickelte sich nie so, dass ein lukrativer Betrieb entstehen konnte.

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