Anmerkungen zum Re-Entry-Wahn bei der WSOPC in Berlin

Spielbank Berlin a
Spielbank Berlin, Austragungsort von WSOP Europe und WSOP Circuit

Ich fürchte, dass ich hier etwas polemisch daherkommen werde und vielleicht eine kontroverse Diskussion anschiebe:

Die WSOPC lief nach der WSOPE 2015 erstmals in Berlin. Das adelt den Standort Spielbank Berlin am Potsdamer Platz. Berlin ist als Pokerstandort mittlerweile sehr gut etabliert.

Damit bestand gewissermaßen so etwas wie eine moralische Verpflichtung, als Berliner Pokerspieler im Rahmen der Bankroll an dieser Turnierserie teilzunehmen. Selbstverständlich mit dem Streben nach monetärem Erfolg.

Meine Bankroll erlaubt realistischer Weise nicht die Teilnahme am Mainevent mit 1650 Euro Buy In. Ich habe zwei der kleineren Einstiegsturniere gespielt, das Warm-Up für 150 + 15 Euro und das Oktoberfest für 250 + 25 Euro.

Der genervte Unterton meines Textes lässt darauf schließen, dass ich in beiden Turnieren nichts erreicht habe. Das ist weiter nichts Besonderes, sondern eher normaler Turnieralltag, mit dem ca. 90% der Turnierteilnehmer fertig werden müssen.

Wieder nur Re-Entry-Turniere

Mich hat dabei aber erneut sehr aufgeregt, dass die Turniere im Re-Entry-Modus ausgetragen wurden. Das ist mittlerweile leider mehr oder weniger überall Usus. Die ursprüngliche, reine Turnierform, das Freezeout ist zur Ausnahme degeneriert.

Freezeout? Was war das nochmal? Ach ja, alle Spieler starten zum gleichen Zeitpunkt mit der gleichen Menge an Chips. Wer seine Chips verloren hat, egal, ob aus spielerischem Unvermögen oder Pech, ist raus aus dem Turnier. Er oder sie kann sich nicht erneut einkaufen, sondern am Cashgame teilnehmen oder auf das nächste Turnier warten.

Meine Abneigung gegen Re-Entry-Turniere ist hinlänglich bekannt (» Die Re-Entry-Pest). Okay, zugegeben, die Re-Entry-Möglichkeit bei der WSOPC war bekannt, und ich habe trotzdem mitgemacht (Stichwort „moralische Verpflichtung“). Konkret konnte man sich in beiden Turnieren während der ersten acht (!) Level zweimal neu einkaufen (natürlich mit erneutem Entry-Fee). Das bedeutet, während der ersten vier Turnierstunden kommt es zu weniger Eliminierungen, weil sich die Ausgeschiedenen neu einkaufen können. Erfahrungsgemäß tun das etwa 30% der Teilnehmenden. Effekt? Die Preispools werden höher. Das könnte man zunächst als positiven Aspekt betrachten. Der würde sich aber auch einstellen, wenn das Turnier von vornherein mit höherem Buy-In, dafür aber als Freezeout angelegt würde.

Groteske Optionen

Für mich überwiegen eindeutig die negativen Aspekte. Weil weniger Eliminierungen stattfinden, beginnt das eigentliche Turnier strenggenommen erst nach acht Leveln, dann aber zu deutlich ungünstigeren Bedingungen. Beim Oktoberfest waren die Blinds ab Level 9 bei 400/800, Ante 100 und der Average Stack betrug zu dem Zeitpunkt am ersten Turniertag 22.000 Chips, also etwa 27 BB. Kein besonders günstiges Verhältnis für den „eigentlichen“ Turnierbeginn. Im Gegenteil, das Turnier verlief ab da sehr turbo-artig.

Und die unerträglichen Re-Entry-Möglichkeiten ziehen sich durch das ganze Turnier. Im Main Event (1500 + 150 Euro Buy-In) mit zwei Vorrundentagen kann man sich bis Level 12 (!) wieder einkaufen. Das ist grotesk! Und nehme ich mir erneut fest vor, bei derartigen Veranstaltungen nicht mitzumachen. Wohl wissend, dass es dann im konkreten Fall nicht einfach wird, zu verzichten.

Ich würde mir wünschen, wenn die WSOP-Organisation eines guten Tages eine Turnierserie mit dem schönen Namen WSOPFo (World Series of Poker Freezeouts only) ins Leben rufen würden. Aber das dürfte der fromme Wunsch eines Old-School-Players bleiben.  

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