Die WSOPE Cannes 2011 komplett

Majestic Hotel Entrance

Sie begann mit einem Paukenschlag und endete mit einem Rekordturnier und dem Sieg eines stillen Amerikaners.

Obwohl ein Schweizer den ersten Event der WSOPE gewann, waren es einmal mehr Phil Hellmuth und Daniel Negreanu, die anfangs die Schlagzeilen bestimmten.

Das verpasste Meisterwerk

Phil Hellmuth ist ein bisschen so etwas wie der Lothar Matthäus des Poker. So wie Matthäus einen 40m-Pass aus dem Fußgelenk schlagen konnte und zweifellos ein klasse Fußballer war, ist Phil Hellmuth auch 22 Jahre nach seinem Erfolg beim WSOP Main Event noch ein Spitzenspieler.

Aber wenn Hellmuth sich zu einem Vergleich seiner selbst mit Picasso versteigt und erklärt, dass er im Unterschied zu dem berühmten Maler eben zusätzlich noch mit Glück umgehen muss, und zwar mit dem anderer, dann klingt das ein bisschen so, als wenn Lothar Matthäus sagt, „ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal“, und dann zu einer seiner berüchtigten englischen Pressekonferenzen anhebt.

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Mehr Glück als Picasso - Phil Hellmuth.

Phil Hellmuth, zu Beginn dieser WSOP noch mittendrin im Kampf um den Titel „WSOP Spieler des Jahres“, verpasste also sein „Meisterstück“, soll heißen, er wurde der Final Table Bubble Boy im ersten Event der Turnierserie. Trotzdem sammelte er ein paar Punkte und zog in der POY-Wertung wieder an Ben Lamb vorbei. Lamb muss damit mindestens Achter der November Nine werden, um den Titel zu gewinnen.

Einige scheinen dabei vergessen zu haben, dass die Player-of-the-Year-Wertung keineswegs nur ein Zweikampf ist, aber dazu später.

Den ersten Event, 6-max NLHE, gewann also nicht „der beste Spieler der Welt“, sondern ein unbekannter Schweizer namens Guillaume Humbert, der ansonsten überhaupt keine Live-Ergebnisse vorzuweisen hat. Aber auch Picasso hat ja irgendwann sein erstes Bild gemalt.

Kleiner Wermutstropfen: Humberts Sieg sollte der einzige Titel eines Europäers bei dieser WSOPE bleiben.

Bester Deutscher war Marvin Rettenmaier auf Platz 17.

Daniel gegen den Rest der Welt

Am Anfang war das Wort, und das Wort war „Shame“. Angesprochen auf die Nominierung von Annie Duke zur Aufnahme in die „Poker Hall of Fame“, explodierte der ansonsten so freundliche Kanadier beinahe und erging sich in einer Schimpfkanonade, die neben Duke auch ihren Bruder Howard Lederer, UB, die Fernsehshow Celebrity Apprentice und einiges mehr einschloss.

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Erfinder der Hall of Shame - Daniel Negreanu.

Wenn Annie Duke schon aufgenommen würde, dann doch wohl eher in die „Hall of Shame“ als sonst irgendeine Institution wetterte Negreanu über die Frau, die ansonsten Poker „so schlecht wie nur möglich“ repräsentiere.

Das Interview mit Daniel Negreanu war der größte Aufreger in den Medien während der WSOP. Der zugehörige Thread auf 2+2 fand innerhalb von 24h über 25.000 Leser.

Bester Deutscher: Konstantin Gruss auf Platz 67.

Coolman’s Runnings

Während Andrew Hinrichsen aus Australien Event Nr. 2 gewann, saß Erich Kollmann im €5k PLO Event, und dass mit einer Souveränität, die ihn bis an den Finaltisch bringen sollte.

Erich Kollmann war einer der wenigen, die sich aus eigenem Antrieb von ihrem Sponsor trennten. Der Österreicher verabschiedete sich im August offiziell von Full Tilt Poker und gab drei Wochen später Club 7 Poker als seinen neuen Sponsor bekannt.

Kollmann, soviel ist sicher, steht für klare Verhältnisse. Ein paar seiner eindeutigen Antworten erhielten wir während eines Interviews, das wir am Rande des PLO-Events führten. Kollmann erreichte schließlich Platz sieben, es gewann Steve Billirakis, der damit ein zweites Bracelet sein eigen nennen darf.

Merde! (Teil 1)

Natürlich wollten die Franzosen als Gastgeber auch gerne einen der ihren als Titelgewinner feiern. Im €3200 NLHE Shoot-out Event waren sie bzw. Bertrand Grospellier, der französische Superstar des Weltpoker, ziemlich nahe dran.

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Kompromisslos - Erich Kollmann (rechts).
„ElkY“ hatte seine ersten beiden Tische gewinnen können und damit den Finaltisch erreicht. Auf Platz fünf war dann aber Schluss für den enttäuschten Lokalmatador. Stattdessen gewann – ausgerechnet – ein Amerikaner.

Tristan Wade erreichte zum vierten Mal einen WSOP-Finaltisch, aber blieb zum ersten Mal länger sitzen als alle anderen. „Unglaublich, dass ich es endlich geschafft habe“, freute sich der sympathische Mann aus Florida, der mit Poker begann, nachdem er Chris Moneymakers Sieg bei der WSOP am Fernseher mitverfolgt hatte. So wie Millionen anderer.

Bester Deutscher war Tobias Reinkemeier auf Platz 16.

Bertrand Grospellier
Kein Erfolg for ElkY.

Wer sind wir? Und wenn ja, wie viele?

Mit dem €10k High Roller Split Event wagte sich die WSOP in Cannes auf Neuland. Ziel war, ein Mixed Event zu veranstalten, dass ein wenig Abwechslung in die normale NLHE-PLO-Routine bringen sollte. Das stellte sich allerdings als schwieriger heraus als gedacht, denn die französischen Gesetzgeber erfinden ihre Erlasse offenbar in gemütlicher Runde und vielleicht einer guten Flasche Rotwein.

Zum Beispiel sind alle Varianten von Stud-Poker in Frankreich verboten, ebenso wie Draw-Poker. Bis vor ein paar Monaten mussten sogar Omaha-Spieler ins Ausland ausweichen, denn Frankreich erlaubte in seinen Casinos ausschließlich Hold’em.

So kam man auf die Idee des Split Events, auch 9-6-2 oder „Mixed Max“ genannt. Den Titel sicherte sich Michael Mizrachi, der damit einen weiteren großen Erfolg feiern konnte. Was es genau mit dem Split Event auf sich hat, besprachen wir mit Turnierchef Jack Effel und Profi Jason Mercier.

Merde! (Teil 2)

Auch im 6-max PLO Event konnte sich kein Franzose für den Finaltisch qualifizieren. Übrigens auch kein deutschsprachiger Spieler. Dafür gewann ein Franko-Kanadier.

Philippe Boucher stammt aus Quebec, lebt aber in der Spielermetropole Las Vegas. Er schnappte das Bracelet Michele Dattani vor der Nase weg, der damit der erste portugiesische Bracelet-Gewinner hätte werden können.

james bord
Verwettet - James Bord.

Ein moralisches Angebot

James Bord trat zum Main Event der WSOPE als Titelverteidiger an und lehnte sich gleich mal so weit aus dem Fenster, wie das seine Leibesfülle zulässt. Er würde alle Spieler entschädigen, kündigte er an, die bei dem Wettanbieter Matchbook Geld einsetzten und verlören. Jedenfalls dann, wenn ein Amerikaner den Event gewinnt.

Dazu muss man wissen, das Bord zwar einerseits gerne für das europäische Poker eintritt, andererseits aber auch anteilig ziemlich stark bei Matchbook involviert ist und das Ganze nicht mehr war als ein Werbegag. Hilft aber nichts, der neue Champion ist Amerikaner, und Bord muss blechen.

Main Event oder Merde! (Teil 3)

Wenigstens im Main Event sollte es also klappen mit dem französischen Titel. Nachdem es im Split Event für Roger Hairabedian zwar bis ins Halbfinale gereicht hatte, aber eben auch nicht weiter, ruhten die Hoffnungen wieder auf Bertrand Grospellier.

Leider erwischte er einen rabenschwarzen Tag. Schon vor der Dinner Break warf er seine letzten Chips mit einem Paar Vieren ins Rennen, verlor einen Coin Flip und verließ danach wütend die Arena. Selbst ein früherer französischer Rap-Star kam da weiter.

Enttäuschend wie über die ganze Serie das Abschneiden bzw. Auftreten der deutschen Spieler. Die meisten der großen Namen blieben Cannes komplett fern. Zu den wenigen Ausnahmen gehörten Marvin Rettenmaier und Tobias Reinkemeier. Abgesehen davon waren die gesponserten Profis praktisch nicht vorhanden.

ElioFox
Bracelet und €1,4 Mio. für Elio Fox.

Umso schöner, dass es mit Moritz Kranich einer der wenigen Profispieler ohne Sponsorenvertrag war, der aus deutscher Sicht das Glanzlicht bei dieser WSOPE setzen konnte. Er erreichte den Finaltisch des Main Events und verpasste nach seinem Sieg bei der EPT Deauville 2009 und beim WPT Bellagio Cup 2010 die Triple Crown nur um zwei Plätze.

Es gewann schließlich mit Elio Fox ein sympathischer Amerikaner, der den ganzen Tag über den größten Stack hatte und selten Zweifel daran aufkommen ließ, wer am Ende den Titel holen würde.

„WSOP Spieler des Jahres“

Seit der WSOP im Las Vegas war beim Rennen um den Titel zum Player of the Year immer nur von Phil Hellmuth und Ben Lamb die Rede. Dabei war es eigentlich bis zum Donnerstag Abend ein offenes Rennen unter viel mehr Spielern.

Bertrand Grospellier z. B. liegt in dieser Wertung auf Platz sechs. Mit einem Sieg im Main Event wäre er mal eben um 250 Punkte an Phil Hellmuth und Ben Lamb vorbeigezogen. Lamb hätte dann mindestens Dritter der November Nine werden müssen, um sich den Titel zu sichern.

Chris Moorman. Nach seinem zweiten Platz im Main Event schob er sich vor Ben Lamb auf Platz zwei der Jahreswertung. Ein Sieg hätte Lamb ebenfalls in Zugzwang gebracht.

So aber sind Lamb bereits 100 Punkte für Platz neun im November garantiert, und damit wird der Las Vegas Profi diese Wertung für sich entscheiden. Herzlichen Glückwunsch.

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