Clever oder respektlos? Das verrückteste Heads-up der WSOP

Taylor Paur
Konnte bei der PReisverleihung schon wieder lachen - Taylor Paur.

Nichts deutete auf ein ungewöhnliches Ende des $1k NLHE Events hin, aber als es zum Heads-up kam, erfand Roy Weiss eine höchst ungewöhnliche Strategie, über die nun ein Streit entbrannt ist.

War die Spielweise von Roy Weiss „respektlos gegenüber Poker“, wie der Gewinner Taylor Paur seinem Gegner vorwarf?

Nachdem 2069 Spieler aus Event Nr. 18, $1k NLHE ausgeschieden waren, saßen sich nur noch Paur und Weiss gegenüber. Paur hatte etwa einen 4:1-Chiplead und war haushoher Favorit, aber Weiss trotz des Rückstands noch nicht wirklich short.

Zum Vergleich: Paur ist ein Turnierprofi mit jahrelanger Erfahrung, und das live und online. Er ist regelmäßig bei allen großen Turnierserien vertreten.

Online hat er als „tramp$d0pray“ auf PokerStars und als „ambiguosity“ auf Full Tilt schon mehr als vier Millionen Dollar gewonnen, live sind es rund 1,2 Millionen. Weiss hat dagegen noch keinen einzigen Cash vorzuweisen.

Der Amateur lief Gefahr, ausgespielt zu werden. Also ging Weiss all-in. Blind. Mit jeder Hand.

„So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte Paur kopfschüttelnd nach dem Turnier. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass in den letzten Jahren irgendein Spieler heads-up in jeder Hand all-in gegangen ist.“

„Ich bekam keine guten Hände, ich verlor, also musste ich zu der All-in-Strategie wechseln“, hält Weiss dagegen. „Ich wusste, dass er damit Schwierigkeiten haben würde, weil er nicht viele Chips riskieren wollte. Er wollte Small Ball Poker spielen und erst nach dem Flop durchstarten.

Taylor Paur
Paur ist seit Jahren auf der Tour dabei.

Letztendlich habe ich eine Situation erzwungen, in der er die Entscheidungen treffen musste und nicht ich.“

Der Maniac setzt sich (fast) durch

Tatsächlich konnte Weiss dank seiner Alles-oder-nichts-Strategie den Chipnachteil ausgleichen.

Nachdem es zunächst eine Weile auf und ab gegangen war, übernahm der Amateur schließlich sogar den Chiplead und hatte Paur am Rande der Niederlage.

Obwohl mehr als 50 BB haltend, ging Weiss mit 7 #5 wieder all-in, Paur bezahlte mit Pocket Sechsen.

Eine Sieben auf dem Board hätte das Ende der Bracelet-Träume für Weiss bedeutet. Sie fiel nicht.

Paur war sichtlich und zunehmend verärgert über das Spiel, das Weiss an den Tag legte. Er beschuldigte Weiss sogar, Poker keinen Respekt zu zeigen und das Spiel nicht ernst zu nehmen.

„Ich habe mich nach dem Finale bei ihm entschuldigt, aber ich finde wirklich, dass man so etwas nicht als Poker bezeichnen kann“, erklärte Paur gegenüber PL.com.

„Man ist ja nicht jeden Tag im Heads-up um ein Bracelet. Oder jede Woche, ja nicht einmal jedes Jahr. Ich fand, dass er mir die Chance nahm, um das Bracelet zu spielen, anstatt einfach den Gewinner auszulosen.

Das ist respektlos gegenüber allen Spielern, die sich für das Turnier angemeldet haben, denn jeder von ihnen wollte das Bracelet gewinnen.“

Stuart Rutter, ein langjähriger Freund von Paur, war nicht derselben Meinung. Als Weiss deutlich zurücklag, war das permanente All-in nach Rutters Meinung durchaus die korrekte Spielweise.

„Der Fehler lag darin, dass er so weiterspielt, als er über 50 Big Blinds hatte, anstatt ein bisschen auf die Bremse zu treten. Trotzdem war es nicht vollkommen falsch“, sagte Rutter. „Respektlosigkeit kann ich jedenfalls nicht erkennen.“

Am Ende gewann Paur die Chips seines Gegners und sein erstes Bracelet. Hinzu kommen 340.000 Dollar, und die werden ihn seinen Ärger schnell verschmerzen lassen werden.

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AssaufdemFluss 2013-06-17 09:25:17

@Stevo
Sehe ich ganz genauso, Bruder. Man muss unkonventionelle Methoden anwenden, wenn man weiß, dass einem der Gegner überlegen ist.
Empfehle übrigens auch den Nachfolgetitel "Kill everybody".
AadF

Stevo 2013-06-13 06:28:04

Das ist doch wohl das beste Beispiel für Lehrbuchhafte Spielweise nach dem Buch "Poker mit Kill Phil". Und diese Theorie besagt nunmal dass man im Hu eines großen Turniers als technisch unterlegener Spieler genau diese All in Strategie verfolgen sollte! Natürlich hätte man ab der größeren Stack size mit 50bb sein Spiel umstellen können aber laut Lehrbuch ist diese Spielweise auf jeden Fall korrekt!
Vermutlich hätte ich als unerfahrener Amateur genau die selbe Spielweise an den Tag gelegt.
Hier zeigt sich aber mal wieder das dir Kill Phil Strategy durchaus ein wirksames mittel gegen Profispieler ist!