WSOP Main Event Tag 7 – 22 Schritte bis zur Ewigkeit

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In Sicht: der Finaltisch.

Ein 20-Mio.-Pot katapultiert einen unbekannten Russen an die Spitze. Dahinter lauert irische Pokertradition. Pius Heinz letzter Deutscher. Eine hoffnungslose Romanze endet.

Nur noch 22 Spieler haben die Chance, die Nerven und das Problem, WSOP Champion werden zu können. Wieso ein Problem? Nicht jeder der vergangenen Sieger konnte mit dem plötzlichen Ruhm umgehen.

Jamie Gold war noch nicht mal aus dem Amazon Room verschwunden, da begann schon das erste Gerichtsverfahren, weil er angeblich 50% seiner Stakes verkauft hatte, aber nun nichts mehr davon wissen wollte. Peter Eastgate verlor eine siebenstellige Summe bei Sportwetten und wirkt in letzter Zeit gesundheitlich nicht wirklich auf der Höhe. Und Jerry Yang? Verschwunden. Allerdings wohl eher aus eigenem Antrieb. Ihm war der Trubel wohl einfach zuviel.


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Zwei Turteltauben auf dem Weg zur Hölle.

Gedanken wie diese sind allerdings an Tag 7 des WSOP Main Events 2011 nicht wohl gelitten. Wir wollen den Champion sehen, und es gibt ja auch Gegenbeispiele. Spieler wie Chris Moneymaker, Greg Raymer oder Joe Hachem wurden großartige Pokerbotschafter.

Was sich checkt, das liebt sich

Und auch im Jahr 2011 wird eine der großen Fragen mit „nein“ beantwortet. Es wird keine Frau am Finaltisch geben. Erika Moutinho scheiterte auf Platz 29, direkt nach ihrem Lebensabschnittsgefährten David „Doc“ Sands, der unglückseligerweise direkt neben ihr am Tisch saß.

Unglückselig ist das deshalb, weil die beiden kaum etwas richtig machen konnten. Sprachen sie miteinander, witterten die anderen Spieler Kollusion. Gingen sie einander aus dem Weg, stand Softplay im Raum, spielten sie gegeneinander, machten sie sich des Chipdumpings verdächtig. Es war eine Lose-Lose-Situation.

Dabei konnte man den anderen Spielern am Tisch nicht einmal den Vorwurf machen, überempfindlich zu sein. Sands und Moutinho sind seit fünf Jahren ein Paar. Wie sollte das keinen Einfluss darauf haben, wie sie miteinander am Tisch umgehen? Sind ja auch nur Menschen.


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Papst Pius auf dem Weg nach ganz oben.

Letzter Deutscher ist der Papst

Was man aus dem Namen Pius Heinz alles machen kann. Während anfangs (auch bei uns) Verwirrung darüber bestand, welches denn der Vor- und welches der Nachname sei, erfand die WSOP versehentlich den Spitznamen „Plus Heinz“, und auf 2+2 entspann sich alsbald schon eine Diskussion darüber, ob Pius ein eigene Ketchup-Fabrik besitzt oder mit dem gleichnamigen Papst verwandt sei.

Ja, genau. Muss ja wohl, wenn er schon genauso heißt. Da fällt mir ein, Phil Collins ist ja auch noch dabei. Ob der wohl ein Schlagzeug zuhause hat? Bestimmt!

Pius Heinz, der bei der WSOP 2011 schon einen Finaltisch erreicht hat, ist jedenfalls der letzte Spieler mit deutschem Pass, der noch im Main Event spielt. Er hat damit die Chance, als erster Deutscher nach Henry „Nugget“ Nowakowski im Jahr 2001 den Finaltisch des Main Events zu erreichen. Nowakowski ist noch immer der einzige deutsche Spieler, der je den Final Table der WSOP erreichen konnte.

Eddy Scharf erreichte im Jahr 2004 die letzten zwei Tische und wurde am Ende 15. Heinz muss also noch sieben Bust-outs überstehen, um Scharfs Marke zu übertreffen. Ein Preisgeld von $300k ist ihm jedenfalls schon sicher.

Sebastian Ruthenberg, Stefan Huber und Philipp Gruissem schieden gestern aus und unterlagen der ganzen Bandbreite der Gemeinheiten, die Poker zu bieten hat. Ruthenberg fand mit A-Q eine gute Hand und suchte den Coin Flip, bekam ihn aber nicht, weil Guillaume Darcourt Könige hielt. Stefan Huber bekam einen waschechten Suck-out präsentiert und verlor mit TT gegen 99 pre-Flop all-in, und Philipp Gruissem musste sich schließlich einen ordinären Coin Flip beugen (77 gegen AT von Chris Moore).


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Anton Makiewski gewinnt 20 Mio. Chips Pot.

Das Glück der Iren

Mit Erick Lindgren schied auch der letzte der Altstars aus. Schade, mit ihm wäre der Finaltisch ohne Zweifel besonders interessant geworden, wird der Main Event doch in den letzten Jahren häufig von unbekannten Amateuren oder Internet-Profis dominiert.

Apropos: Anton Makiewski ist sogar der Datenbank des HendonMob unbekannt. Er ist nach dem siebten Tag der siebte Spieler an der Spitze des Chipcounts. Makievskyi gewann gegen Chris Moore die mit 20 Mio. Chips bisher größte Hand des Turniers. Über 21 Mio. Chips werden sich heute Nacht vor ihm stapeln, wenn es in den letzten Julispieltag geht. Auf Platz 2 liegt Eoghan (gälisch für: Ian) O'Dea, der aus einer alten Pokerfamilie stammt.

Sein Vater Donnacha schwamm in den 1960ern als erster Ire die 100m unter einer Minute und wurde daraufhin Pokerprofi. Oder jedenfalls danach. Und was für einer: Zweimal erreichte er dien Finaltisch des WSOP Main Events (1983 und 1991), 1998 gewann er ein PLO-Bracelet im Heads-up gegen Johnny Chan. Sollte Eoghan den Finaltisch erreichen, wird hier eine fantastische Familiengeschichte fortgeschrieben.

Eine andere endete ebenfalls gestern Nacht. Tony Hachem wird seinem Bruder nicht an den Final Table folgen. Er wurde 37.

Im Finale der letzten 22 Spieler stehen 12 US-Amerikanern fünf Europäer, zwei Russen sowie Südafrika, Kanada sowie Costa Rica gegenüber.

Ausgeschieden: Sebastian Ruthenberg (55., $130.997), Stefan Huber (51., $160.036), Erick Lindgren (43., $196.174), Tony Hachem (37., $196.174), Philipp Gruissem (28. $242.636).

Chipcount:

1. Anton Makiewski, 21.045.000
2. Eoghan O’Dea, 19.050.000
3. Khoa Nguyen, 16.435.000
4. Andrej Patejtschuk, 16.245.000
5. Ben Lamb, 14.690.000
6. Phil Collins, 13.805.000
7. John Hewitt, 13.265.000
8. Ryan Lenaghan, 10.415.000
9. Matt Gianetti, 8.920.000
10. Konstantinos Mamaliadis, 8.195.000
11. Pius Heinz, 7.510.000
12. Alexander Mozhnjakow, 7.075.000
13. Scott Schwalich, 6.920.000
14. Martin Staszko, 6.380.000
15. Bryan Devonshire, 6.190.000
16. Sam Barnhart, 4.935.000
17. Samuel Holden, 4.740.000
18. Gionni Demers, 4.655.000
19. Kenny Shih, 4.530.000
20. Lars Bonding, 4.140.000
21. Bounahra Badih, 3.385.000
22. Christopher Moore, 3.040.000
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