WSOP Main Event 2010 - Die November Nine

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Nach dem Ausscheiden von Michael Skender richteten sich unsere Augen auf die letzten Europäer und Michael „The Grinder" Mizrachi, dessen Anwesenheit am Finaltisch zumindest einige Unterhaltung garantieren würde. Um 5.45 Uhr Ortszeit standen die Finalisten fest.

Von den 27 Spielern, die den achten Tag erreichten, kamen immerhin sechs aus Europa. Leider waren vier davon unter den ersten sieben, die am heutigen letzten Tag vor der großen Pause ausschieden:

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Johnny Lodden.

Johnny Lodden aus Norwegen kam als Shortstack in diesen Tag. Er nutzte die erste Chance, seine Chance zu riskieren und verlor mit einem Paar Achten einen Coin Flip. Der PokerStars Pro, der 2007 nach eigenen Angaben seine gesamte Bankroll in einer einzigen Hand verlor, gehört seit Jahren zu den bekanntesten Europäern im Pokerzirkus, muss aber weiter auf seinen ganz großen Erfolg warten.

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Mads Wissing.

Mads Wissing aus Dänemark schied in bestem skandinavischen Stil gegen seinen schwedischen Kollegen William Thorson aus: Wissing T 8, Thorson J 3. Auf dem Flop 6 3 T setzte Wissing, Thorson ging all-in mit Bottom Pair, und Wissing bezahlte mit nur einem Paar Zehnen. Der Turn J gab Thon das zweite Paar, und nach der 8 auf dem River verlor Wissing die Hand mit den zwei zweitbesten Paaren. Nach Platz 21 im gestrigen Chipcount beendete er sein Main Event auf Platz 25.

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William Thorson.

William Thorson selbst war der nächste Europäer, der den Tisch verlassen musste. Der risikofreudige Schwede (siehe vorherigen Absatz) hatte am gestrigen Tag mehrfach versucht, seinen Tisch vollständig zu dominieren, und dabei seinen Stack schon auf über zehn Millionen aufgebaut, bis seine Gegner ihn durchschaut hatten und gegen ihn anspielten. Thorson beendete den Tag mit „nur" 3,8 Mio. auf Platz 19, konnte aber nach der Eliminierung Wissings heute wieder auf fünf Millionen zurückgreifen.

Als Thorson nach einem Race und zwei Calls im Big Blind J T fand, konnte er seine skandinavische Seele aber nicht mehr bremsen und annoncierte ein Squeeze All-in. Zwei der Gegner gaben ihre Hände auf, aber John Racener hatte genau auf diesen Move spekuliert und seine Könige slow gespielt. Außer einem Flush Draw konnte der Schwede nichts auf dem Board finden, und so scheitert Thorson nach 2006, als er auf Platz 13 ebenfalls gegen Pocket Könige - damals von Jamie Gold - ausschied, wieder am Tag vor dem Finaltisch. Platz 22.

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Redmond Lee.

Der Londoner Cash Game Spezialist Redmond Lee war zum vierten Mal Teilnehmer des Main Events und feierte trotz seines heutigen Ausscheidens seinen bei weitem größten Erfolg. An Tag sieben war er einer der Shortstacks, konnte dann aber die Mutter aller Coin Flips mit Damen gegen A-K gewinnen und kam so als 20. in den achten Tag.

Am heutigen Vorfinaltag, dem Halbfinale gewissermaßen, lief für den Engländer nichts mehr zusammen. Er fand weder die richtigen Karten noch die Spots, sein Chipstack schrumpfte immer weiter, und so sah er sich schließlich gezwungen, mit Pocket Vieren und 2,5 Mio. Chips sein Glück zu versuchen. Der Holländer Michiel Sijpkens bezahlte mit Pocket Zehnen, und damit fand Lees Reise durch das Main Event 2010 auf Platz 21 ihr Ende.

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Michiel Sijpkens.

Mit insgesamt $4336 Dollar Turniergewinnen in seiner Karriere und null Cashes bei EPT, WPT oder WSOP war Michiel Sijpkens aus Rotterdam nicht unbedingt ein Favorit auf den Titel. Trotzdem erreichte der Student aus Rotterdam Tag 8 des Main Events. Mit etwas über sieben Millionen Chips startete er heute als 12.

Es hätte wieder eine dieser märchenhaften Geschichten werden können. Sechs Wochen nach seinem 21. Geburtstag gewann Sijpkens sein Main Event Ticket bei einem $33 Rebuy online. Er war am achten Tag der jüngste Spieler im Feld. Auch sein Schicksal wurde durch einen Coin Flip besiegelt: J-J vs. K-Q.

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Filippo Candio - „I call".

Mit dem Abschied des Holländers liegen die Hoffnungen der Europäer ausgerechnet auf einem verrückten Italiener. Wieso verrückt? Sehen wir uns diese, nennen wir sie mal Hand des Tages an.

Level 30 - 60.000/120.000/15.000

Pre-Flop: Filippo erhöht, Cheong Re-Raise auf 1,15 Mio. Call Filippo.

Flop:6 6 5. Bet Cheong 1,55 Mio., Raise Filippo 4,425 Mio., Re-Raise Cheong all-in, Call Filippo für seinen gesamten Stack von 12,1 Mio. Potgröße: ca. 27 Mio.

Cheong: A A; Filippo: 7 5.

Turn: 8

River: 4

Filippo gewinnt mit Straight 4-8 einen 27-Mio.-Pot. Daher scheint der Begriff „verrückt" durchaus angemessen. Wie man mit dieser Spielweise überhaupt Tag 8 erreicht, erscheint rätselhaft. Candio übernahm kurzfristig sogar den Chiplead., musste diesen aber bald wieder abgeben, nachdem ihm noch mehrere Calls dieser Art unterliefen.

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220 Mio. Chips am letzten Tisch.

Zur Geisterstunde waren schließlich die „July Ten" gefunden, ein Titel, der nach mehr klingt als er ist, und der nicht nur zu den kurzlebigsten gehört, sondern vor allem bedeutet, dass einer dieser zehn in dieser Nacht nur schwer Schlaf finden wird.

Die „November Nine" sind nämlich erst komplett, wenn nun noch einer der Spieler ausscheidet. Und das, obwohl jetzt bereits alle Spieler an einem Tisch sitzen. So aber will es die Regel. Zwei Fünfertische, die hand-for-hand spielen, könnten deutlich langwieriger werden. Und damit auch deutlich langweiliger, und zwar für die Medien.

Vor Beginn des Beinahe-Finaltisches werden alle Spieler noch einmal mit ihren Chipcounts vorgestellt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt dämmert es allen Spielern, was sie hier eigentlich geleistet haben, wie weit sie hier gekommen sind und welche Chance sich ihnen nun bietet. Ein Platz im Pokergeschichtsbuch. Es ist ein Moment für die Ewigkeit.

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Atmosphäre, American Style.

Mit 814 Tischen und 7319 Spielern hat das Main Event vor 13 Tagen begonnen. Um 5.45 Uhr waren 7310 davon ausgeschieden. Den - mehr oder weniger bei $635.011 Gewinn - belegte Brandon Steven, der schon als Shortstack an den Tisch gekommen war, sich aber mehr als verdoppeln konnte und dann mit A-K gegen die Damen von Matthew Jarvis scheiterte. Unsere Main Event 2010 November Nine sind:

Jonathan Duhamel (Kanada), John Racener, Joseph Cheong, John Dolan, Matthew Jarvis (Kanada), Soi Nguyen, Filippo Candio (Italien) und Michael Mizrachi. (USA soweit nicht anders angegeben.)

Diese Neun spielen im November am Finaltisch um die noch im Preispool verbliebenen $29.032.637.

 

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