WSOP-Geschichten: Johnny Moss, der beste zweitbeste Spieler der Welt

Share:
26. Juni 2017, Von: PokerZeit.com
Geposted in: PokerZeit Blog
WSOP-Geschichten: Johnny Moss, der beste zweitbeste Spieler der Welt

"Legende" – Erzählung über Begebenheiten, Leben und Tod von Personen, in erhöhender Weise – ähnlich der Sage oder dem Mythos (Definition nach Wiktionary)

Legende, Ikone, Held – all diese Begriffe werden heutzutage viel zu häufig und viel zu leichtfertig vergeben. Doch Johnny Moss, der erste Poker-Superstar, war all das und noch viel mehr.

Eine seiner bemerkenswerten Leistungen? Moss schaffte es, bei der ersten WSOP sowohl Erster, als auch Zweiter zu werden. Und er spielte das wohl berühmteste jemals ausgetragene 5-monatige Heads-Up. Oder etwa nicht?

Das berühmteste Poker-Match der Geschichte

nick the greek dandolos
Nick "the Greek" Dandalos

Es ist 1949 in Las Vegas. Benny Binion ist ein Mann mit eher zweifelhaften Ruf und er bekommt eine Anfrage von einem Millionär namens Nick "The Greek" Dandolos: Finde einen Spieler von hoher Qualität und einer Menge Ausdauer und organisieren ein Spiel.

Binion weiß, wen er für den besten Spieler der Welt hält und bietet ihm das Spiel an. Es handelt sich um Johnny Moss. Er sagt: „Johnny, ich habe dieses Spiel für dich vorbereitet. Was willst du machen?“

„Die Stadt verlassen,“ antwortet Moss.

Hätte Moss an diesem Tag auf seinen Instinkt gehört, möglicherweise hätte es nie eine WSOP gegeben und Moss wäre niemals der Übervater des Pokerspiels geworden. Doch Moss entschied sich, in der Stadt zu bleiben. Er setzte sich an den Tisch mit Nick the Greek und begann mit dem Spiel. Auf den Wunsch von Dandolos waren Zuschauer erlaubt.

Am Anfang standen sie nur um den Tisch und schauten zu. Später standen an den Fenstern des Holiday Hotel Resorts Schaulustige, die hofften einen flüchtigen Blick auf die Spieler zu erhaschen.

Als Dandolos schlussendlich keine Chips mehr hatte, stammelte er einen Satz, der inzwischen als eines der berühmtesten Zitate in die Pokergeschichte eingegangen ist: „Mr. Moss, ich muss sie ziehen lassen.“

Dies war fünf Monate nachdem das Spiel begonnen hatte. In diesen fünf Monaten hatten die Spieler jedes einzelne Pokerspiel und jede Variante, die es gibt, gespielt und nur zum Schlafen eine Pause eingelegt. Moss hatte seinem Kontrahenten zwischen 2 und 4 Millionen Dollar abgenommen (die Quellen offerieren verschiedene Beträge) und eine Legende war geboren.

Eye in the Sky

ResizedImage 490 290.08869179601 NWM johnny moss
Johnny Moss, The Eye in the Sky

Johnny Moss wurde am 14. Mai 1907 in Marshall, Texas geboren und wuchs in Odessa auf. Poker lernte er im Alter von zehn Jahren und während seiner Teenagern-Zeit lernte er, wie man von unten gibt und andere Tricks, mit denen man seine Gegner über das Ohr ziehen kann.

Moss merkte sich all diese Tricks, wendete sie jedoch in seinem Leben niemals selbst an. So erklärte er es zumindest. Es gibt jedoch Gerüchte, die besagen, dass er während der WSOP 1970 von dieser Regel dann und wann abwich.

Was wir auf alle Fälle wissen ist, dass er als sogenanntes "Eye in the Sky" (Auge im Himmel) in Casinos arbeitete und sicherstellte, dass die Spiele fair und sauber blieben. Später fing er selbst mit dem Spiel an und wurde ein professioneller Spieler, der durch die USA zog, während Glücksspiel in Texas illegal war.

Der beste zweitbeste Spieler

ResizedImage 490 378.984375 NWM WSOP 1970
Die Klasse von 1970

Im Jahr 1970 sorgte Poker überall in den vereinigten Staaten für Schlagzeilen. Benny Binion war mal wieder für geraume Zeit aus dem Gefängnis draußen und er hatte die besten Spieler des Landes nach Las Vegas eingeladen. Die Veranstaltung nannte er "World Series of Poker".

Moss hatte den Ruf, einer der besten Spieler der Welt zu sein. Er war auf jeden Fall einer der bekanntesten Spieler. Er gewann die erste World Series, wobei „gewinnen“ kaum das richtige Verb für das ist, was 1970 geschah. Es wurde damals nicht etwa ein Turnier gespielt, sondern Cashgame. Danach wurden alle sieben Teilnehmer gebeten, für den besten Spieler abzustimmen.

Bescheiden, wie Pokerspieler eben sind, stimmte erst einmal jeder für sich selbst ab. Um einen Gewinner zu ermitteln, einigte man sich auf eine zweite Abstimmung. Hier nun wurde nach dem zweitbesten Spieler gefragt und Johnny Moss erhielt die meisten Stimmen.

Gewagte Prognosen für die WSOP

Benny Binion
Benny Binion, Mastermind hinter der WSOP

Als die WSOP im nächsten Jahr wieder auf dem Programm stand, wurde erstmals ein Turnier ausgetragen und schon wieder gewann Johnny Moss. Er wurde der erste richtige Weltmeister und erhielt 30.000 Dollar Preisgeld.

Beim Main-Event der zweiten WSOP gab es nur sechs Spieler, einer weniger als im Vorjahr. Es dauerte bis 2007, bis die Zahl der Spieler im Main-Event im Vergleich zum Vorjahr erneut sank.

Benny Binion war 1971 sehr optimistisch bezüglich der WSOP und in einem Interview erklärte er, er gehe davon aus, die Spielerzahl wurde auf 20 steigen. „Es kann sogar sein, dass es mehr als 50 Spieler werden, vielleicht sogar mehr als das,“ erklärte er. 1979 wurde seine Prophezeiung wahr – 54 Spieler nahmen am Main-Event teil.

johnny moss 1
Dreifacher Weltmeister

1974 gewann Johnny Moss ein drittes Mal den Weltmeister-Titel und diesmal räumte er 160.000 Dollar. Er wurde der erste Spieler, der das Main-Event dreimal gewinnen konnte und nur Stu Ungar gelangen ebenfalls drei Erfolge im größten Turnier der Welt. 1979 wurde Johnny Moss in die Poker Hall of Fame aufgenommen. Insgesamt gewann er in seinem Leben acht Bracelets und nahm an jeder WSOP zwischen 1970 und 1994 teil.

Der Übervater des Pokers war bereits 63 Jahre alt, als er seine erste WSOP spielte. Aber er spielte bis zu seinem Lebensende im Jahre 1995. In späteren Jahren, so berichten Spieler, die an Moss' Tisch saßen, durchlebte er fast eine Art Metamorphose, wenn er sich dem Spiel widmete.

Seine müden Augen blitzten auf einmal auf und schienen jede noch so kleine Bewegung bei den Gegnern wahrzunehmen und deswegen war er so viele Jahre ein gefürchteter Mitspieler am Tisch. Bis in die neunziger Jahre war es für viele Spieler fast eine Auszeichnung, einen Pot gegen Johnny Moss zu verlieren.

Eine Schwäche für Wetten und Würfel

Wie zahlreiche andere Pokerspieler konnte Moss zwar fast problemlos Geld gewinnen, aber er konnte es nicht behalten, denn Würfel und Pferde übten einen unglaublichen Reiz auf ihn aus. Es wird geschätzt, dass Moss rund 8 Millionen Dollar verlor, bevor er mit diesem Glücksspiel aufhörte. Er gestand ein, dass er schnell die Kontrolle verlor, wenn er spielte, so dass er dadurch viel Geld verlor.

ResizedImage 400 600 0 WM doyle brunson 6410
"Wenn ich einen Mentor hatte, dann Johnny Moss."

Erst nachdem er mit Würfel und Wetten aufhörte, wurde er ein reicher Mann. Er konzentrierte sich ausschließlich auf Poker und wurde ein Kultspieler, bevor Chris Moneymaker überhaupt geboren war.

Doyle Brunson, womöglich der einzige Spieler der Welt, der heutzutage den Titel „Lebende Legende“ verdient, erklärte nach Johnny Moss' Tod:

Ich habe keinen Spieler gekannt, der angstloser war und der mit mehr Hingabe spielte als Johnny Moss. Ich habe das Spiel von Johnny Moss gelernt, der zu seiner Zeit der beste Spieler auf der Welt war. Wenn ich also einen Mentor hatte, war es Johnny Moss.

Epilog

Alle Pokerspieler lügen. Das fünfmonatige Heads-Up zwischen Johnny Moss und Nick the Greek zählte zu den bekanntesten Poker-Geschichten aller Zeiten, aber dennoch drängt sich die Frage auf, ob dieses Match überhaupt jemals stattgefunden hat.

Einige Quellen berichten, es fand im Jahr 1949 statt. Andere datieren es auf das Jahr 1951. Dabei gibt es noch weitere offene Fragen.

Zum Beispiel: Wenn Benny Binion das Spiel als eine Attraktion für Touristen angesetzt hatte, warum gibt es praktisch keine Fotos? Das Spiel lief angeblich für fast ein halbes Jahr!

Außerdem: Das Casino in dem das Match stattgefunden haben soll, machte den Büchern zufolge erst im Jahr 1952 auf. Keiner der beiden Spieler sprach viel über dieses Match, auch nicht in Interviews. Benny Binion berief sich schlicht auf den Punkt, dass sein Gedächtnis nicht sonderlich gut sei.

In Wirklichkeit werden wir wohl nie wissen, ob es dieses epische Heads-Up in Las Vegas zwischen dem besten Pokerspieler und dem besten Zocker vor mehr als einem halben Jahrhundert jemals gegeben hat. Aber wenn eine Geschichte so gut ist, spielt das noch eine Rolle?

Share:

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare