Die vergessenen Pokerweltmeister (2)

Robert Varkonyi

Im ersten Teil unserer Serie der vergessenen Sieger des Main Events der World Series of Poker haben wir uns einige Pokerweltmeister angeschaut, die sich nicht an der Spitze halten konnten und wieder in der Versenkung verschwanden und.

In Teil 2 wirft unser Gastautor James Guill einen Blick auf weitere Gewinner des Main Events, deren Bekanntheitsgrad immer niedrig blieb (oder wieder komplett sank).

Robert Varkonyi

Obwohl man Chris Moneymaker zuschreibt, den modernen Pokerboom ausgelöst zu haben, war mit Robert Varkonyi bereits ein Jahr zuvor ein Amateur Sieger des Main Event geworden.

Durch seinen Sieg im Jahr 2002 wurde Varkonyi zudem der erste Pokerspieler, der beim Main Event mehr als 2 Millionen Dollar gewinnen konnte. 

Sein Erfolg war für einige Beobachter sogar noch überraschender als das von Hal Fowler. Eine ziemlich böse Wette schloss etwa Phil Hellmuth ab, der sich nach Varkonyis Sieg eine Glatze schneiden lassen musste.

An den Finaltisch kam Varkonyi mit den viertmeisten Chips, klar in Führung lag zu diesem Zeitpunkt John Shipley. Dann verlor Varkonyi mit Neunen mehr als die Hälfte seines Stacks an den Briten Julian Gardner und dessen Asse.

Nachdem er anschließend gegen Shipley verdoppeln konnte, gelang es ihm, seinen Stack wieder auf über eine Million Chips auszubauen. Bemerkenswerterweise verlor Shipley dann den Großteil seines Stacks, als er mit AJ das All-In von Varkonyi mit Buben callte.

Die Buben hielten und Varkonyi lag klar vorne. Daran änderte sich nichts mehr. Am Ende schlug Varkonyi den Briten Gardner im Heads-Up und holte sich damit den Titel sowie die 2 Millionen Dollar Preisgeld. Leider wurde sein Sieg von Hellmuths Glatze überschattet, die dieser sich wegen seiner verlorenen Wette scheren musste.

Vielfach wird Varkonyis Lauf, der ihm schließlich den Titel brachte, als einer der unwahrscheinlichsten in der Geschichte des Main Event eingeschätzt.

Zu seinem Pech gelang ihm dies ein Jahr vor dem Pokerboom, sodass er seinen Titel nie so zu Geld machen konnte wie Chris Moneymaker und dessen Nachfolger.


Jack Keller
Jack Keller.

Jack Keller

Jack Keller bewies im Jahr 1984, dass auch wahre Gentlemen Sieger werden können.

Bei drei verbliebenen Spielern hatte er die wenigsten Chips am Tisch und profitierte dann von einem frechen Bluff Cowboy Wolfords.    

Jesse Alto hatte versucht, die Blinds zu stehlen, als Wolford sich entschloss, ihn zu reraisen. Nach Bets auf Flop und Turn ging Wolford schließlich auf dem River All-In.

Dann machte Wolford etwas  Geniales. Er holte ein Geldbündel aus der Tasche, rollte es auf und legte die Scheine auf den Tisch, ehe er seiner Frau zuzwinkerte. Letztlich foldete Alto und Wolford zeigte den Zuschauern seinen unglaublichen Bluff mit 53o. 

Alto drehte in der Folge völlig durch und ging mehrmals blind All-In. Zweimal hintereinander bekam Keller starke Karten und schaffte es so, Alto als Dritten vom Tisch zu nehmen.

Dadurch übernahm er auch die Chiplead, die er nicht mehr abgab und schließlich Titel samt 600.000 Dollar Preisgeld gewann.

Tom McEvoy

Bekannt ist Tom McEvoy vor allem als Pokerautor, doch er ist auch ein sehr starker Pokerspieler, der schon das Main Event gewinnen konnte.

Schon vor dem Beginn des Main Event 1983 hatte McEvoy Geschichte geschrieben, da er sich als erster Spieler via Satellite die Teilnahme erspielte.

Bei noch drei verbliebenen Spielern sah es allerdings so aus, als würde Doyle Brunson Geschichte schreiben, indem er sich seinen dritten Titel beim Main Event sicherte.

Schließlich schied Brunson jedoch als Dritter aus und Rod Peate übernahm die Führung. Peate war ein Profi, der sein Geld in Partien mit niedrigen Einsätzen verdiente, und McEvoy nutzte dies aus, indem er ihn in stundenlangem Ringen niederkämpfte.

Schließlich übernahm McEvoy die Führung und Peate unterlief ein böser Fehler, als er mit K J vor dem Flop All-In ging. Mit Damen callte McEvoy und seine Hand hielt bis zum Ende für den Titelgewinn.

McEvoy war der erste Spieler, der sich in einem Satellite für das Main Event qualifizierte und dieses anschließend gewann, doch die 580.000 Dollar Preisgeld für den Sieg verblassen im Vergleich zu den heutigen Gewinnsummen.

Ein späterer Qualifikant – ein Buchhalter aus Tennessee, der sich das Main Event 2003 sicherte – wurde zudem wesentlich berühmter.

Jahrelang war McEvoy PokerStars-Pro, doch die neue Spielergeneration kennt ihn kaum noch.

Jim Bechtel

Das Main Event des Jahres 1993 ist den meisten Pokerfans eher wegen John Bonettis Ausraster als wegen Jim Bechtels Sieg in Erinnerung geblieben.

Bei drei verbliebenen Spielern hatten Bechtel und Bonetti fast gleich viele Chips, während der Amateur Glenn Cozen bei Blinds von 5.000/10.000 nur noch 75.000 hatte.

Während es also so aussah, als würde Cozen den dritten Platz belegen, kam es zur erstaunlichsten Hand des Turniers. Nach einem Raise von Bechtel auf 30.000 callten sowohl Bonetti als auch Cozen und der Flop brachte K 8 6.

Nach Bechtels Continuation Bet raiste Bonetti und sein Gegner callte. Der Turn brachte den J und nun ging Bonetti von vorn All-In. Nach kurzer Bedenkzeit callte Bechtel mit Sechsen und sein Gegner, der AK ohne Pik hielt, war damit schon Drawing Dead.

Bonetti musste somit vom Tisch und Cozen kletterte auf der Preisgeldleiter um 210.000 Dollar nach oben. Allerdings hatte er im Heads-Up auch den größten Rückstand in Chips in der Geschichte des Main Event. Schon in der zweiten Hand gelang es Bechtel, ihm auch den Rest abzunehmen und sich den Titel samt 1 Million Dollar Preisgeld zu sichern.


Die vergessenen WSOP-Champions, Teil 1

Die vergessenen WSOP-Champions, Teil 3

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