Die vergessenen Pokerweltmeister (3)

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Schon seit mehr als vier Jahrzehnten erreicht die WSOP in Las Vegas mit der Krönung des Weltmeisters im Poker beim Main Event mit einem Startgeld von 10.000 Dollar ihren Höhepunkt. Dabei holten sich im Laufe der Zeit Spieler aus allen Bereichen der Gesellschaft und aus vielen Ländern der Welt den Titel.

Unser Gastautor James Guill wirft im dritten und letzten Teil unserer Serie über die vergessenen Pokerweltmeister erneut einen Blick auf einige Gewinner des Main Event, die aus dem kollektiven Bewusstsein verschwunden sind.

Bill Smith

Bill Smith war das Paradebeispiel für einen Spieler der zeigt, „wie man es nicht machen sollte“, doch während der Achtziger Jahre des letzten Jahrtausends erzielte er dennoch einige beeindruckende Resultate beim Main Event. Dem Vernehmen nach war Smith Alkoholiker und spielte nur gutes Poker, wenn er „halb betrunken“ war.

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Bill Smith.

1985 erreichte Smith zum zweiten Mal in seiner Karriere bei der WSOP den Finaltisch des Main Event und war dabei mit extrem starken Spielern wie Johnny Moss, TJ Cloutier, Hamid Dastmalchi und Berry Johnston konfrontiert.

Es heißt, dass Smith am Finaltisch zu Beginn sehr tight gespielt habe. Erst als er zu trinken begann, wurde er aggressiv und baute sich einen Stack auf.

Schließlich erreichte Smith das Heads-Up gegen Cloutier, wobei dieser führte. Dann allerdings rannte Cloutier mit Neunen in die Könige von Smith und hatte praktisch keine Chips mehr. Etwas später schob er seinen Rest in die Mitte, als er beim Blick in seine Karten ein Ass erkannte.

Mit Dreien callte Smith, worauf Cloutier sich seine zweite Karte ansah und feststellen musste, dass er mit A3 nur drei Outs hatte. Das Board brachte kein Ass, und Bill Smith hatte das Main Event der WSOP 1985 und ein Preisgeld von 700.000 Dollar gewonnen.

Danach kam Smith nur noch einmal bei der WSOP ins Preisgeld und zwar im Jahr darauf, als er erneut an den Finaltisch kam und Fünfter wurde.

Allerdings war 1986 das letzte Jahr, in dem Smith gute Resultate erzielte, da sein Spiel danach deutlich unter seinem Alkoholkonsum litt.

Noel Furlong

Häufig werden Robert Varkonyi und Hal Fowler als überraschendste Sieger des Main Event genannt, doch dabei wird oft der Ire Noel Furlong vergessen, der ebenfalls Amateur war.

Furlong ist Inhaber einer irischen Teppichreinigungsfirma und spielte in seiner Freizeit bei großen Pokerturnieren mit. 1989 erreichte er den Finaltisch beim Main Event und wurde Sechster, doch dann kam er zehn Jahre lang überhaupt nicht ins Preisgeld, ehe er sich 1999 wieder für den Finaltisch qualifizierte.

Mit ihm am Tisch saßen beim Main Event 1999 so grandiose Spieler wie Huck Seed, Erik Seidel, Furlongs Landsmann Padraig Parkinson und Alan Goehring.

 Die meisten Beobachter schrieben Furlongs Qualifikation für das Finale dem Glück zu, das dem irischen Amateur auch weiter gewogen blieb. Am Ende erreichte er als Chipleader das Heads-Up gegen Goehring.

Die entscheidende Hand des Turniers war der Inbegriff des Laufs, den Furlong am Finaltisch hatte. Mit Fünfen limpte Furlong und Goehring checkte mit Sechsen. Auf dem Flop mit Q Q 5 hatte Furlong direkt ein Monster getroffen.

Nachdem beide Spieler checkten, wurde der Turn mit der 2 umgedreht. Furlong setzte 150.000, Goehring minraiste und Furlong ging All-In.

Goehring vermutete, dass Furlong keine Dame hatte, und lag damit richtig. Allerdings war ihm dabei entgangen, dass Furlong ein Full House gefloppt hatte. Auf dem River kam eine Blank und Furlong war damit zu diesem Zeitpunkt der Preisgeldrekordhalter Irlands.

Bis heute spielt Furlong in seiner Freizeit Poker und engagiert sich stark bei den Irish Open. Die meisten Preisgelder, die er nach seinem Millionengewinn 1999 gewann, holte er dort.



Mansour Matloubi

Vor 1990 kamen alle Sieger des WSOP Main Event aus den USA. Der Iraner Mansour Matloubi war ein Pokerprofi, der in diesem Jahr zum ersten Mal an der WSOP teilnahm und sich mit den besten Pokerspielern der Welt messen wollte.

Unter anderem spielten bei diesem Main Event John Bonetti, Rod Peate, Al Krux, Berry Johnston, Hans Lund mit, und eigentlich auch Stu Ungar.

Eigentlich deshalb, weil Ungar offenbar aufgrund einer Überdosis Drogen am zweiten Tag des Main Events nicht mehr antrat.

Allerdings hatte Ungar den ersten Tag als Chipleader beendet und so viele Chips gesammelt, dass er immer noch den Finaltisch erreichte, obwohl er am gesamten zweiten Turniertag ausgeblindet wurde. 

Als das Heads-Up erreicht wurde, hatten sich mit Matloubi und Lund zwei völlig unbekannte Spieler qualifiziert.

Die Wende des Duells brachte die berühmteste Hand des Finaltischs von 1990. Mit A9 callte Lund einen Preflop-Raise von Matloubi, ehe der Flop mit 942 aufgedeckt wurde.

Anschließend checkraiste Lund seinen Gegner und als Matloubi All-In ging, callte Lund. Dann sah er die Bescherung: Gegen Matloubis Zehnen lag er klar zurück.

Er brauchte also eine Neun oder ein Ass, und schon der Turn brachte mit einem Ass die Wunderkarte. Matloubi wollte schon aufstehen und den Tisch verlassen, da er nur noch zwei Outs hatte.

Doch genauso schnell wie Lund in der Hand in Führung gegangen war, gab er sie auch wieder ab, als der River eine Zehn brachte. Damit übernahm Matloubi klar die Führung und sollte sie nicht mehr abgeben.

Einige Hände später ging Lund mit Vieren All-In und rannte damit direkt in Matloubis Sechsen. Die Sechsen hielten, und Matloubi war der erste Spieler, der nicht aus den USA kam, der das Main Event gewinnen konnte.

Während der 1990er Jahre blieb Matloubi ein prominenter Spieler, doch als 2003 der Pokerboom einsetzte, zog er sich mehr oder weniger komplett vom Pokerspiel zurück.



Bobby Baldwin

Vielleicht kann man es kaum glauben, dass ein Mitglied der Poker Hall of Fame in der Liste der vergessenen Pokerweltmeister auftaucht, doch die meisten Leute wissen heutzutage nur, dass Bobby Baldwin ein Casinochef ist, aber nicht, dass er auch ein Pokerspieler ist.

Bevor er ins Management ging, war Baldwin einer der erfolgreichsten Pokerspieler auf der Welt. 1977 gewann er seine ersten beiden Bracelets und strebte 1978 danach, als jüngster Spieler aller Zeiten das Main Event der WSOP zu gewinnen.

Zunächst musste er allerdings den Finaltisch mit Ken Smith, Jesse Alto und dem legendären Crandell Addington überstehen.

Schließlich schaffte es Baldwin ins Heads-Up gegen Addington, doch dieser lag in Führung. Ein gut getimter Bluff mit T9 brachte Baldwin eine knappe Führung, die er weiter ausbaute, bis er mit 7 zu 1 vorne lag.

Mit nur noch 50.000 Chips und Neunen auf der Hand schob Addington seinen Stack in die Mitte, rannte damit aber direkt in Baldwins Damen.

Als der Dealer auf dem Flop zuerst eine Neun umdrehte, kam für Addington noch mal Hoffnung auf, doch die übernächste Karte war eine Dame und Baldwin hatte wieder die Führung inne.

Da die letzte Neun nicht kam, wurde Bobby Baldwin mit 28 Jahren der jüngste Sieger des Main Event aller Zeiten.

Heutzutage konzentriert sich Baldwin mehr auf die geschäftlichen Dinge im Bereich Poker als auf das Spiel an sich, doch er erzielte in seiner Karriere große Erfolge.

Allein im Main Event hat er zehnmal das Preisgeld erreicht und letztes Jahr kam er beim Millionenturnier „Big One for One Drop“ als „Geschäftsmann“ an den Finaltisch.



Die vergessenen WSOP-Champions, Teil 1

Die vergessenen WSOP-Champions, Teil 2

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