Die vergessenen Pokerweltmeister (1)

Phil Hellmuth
Einen solchen Champion vergisst natürlich niemand.

Seit mehr als vier Jahrzehnten ist das Main Event der World Series of Poker das wichtigste Pokerturnier der Welt und sorgt jedes Jahr dafür, dass ein neuer Superstar geboren wird.

Der Sieger erhält den inoffiziellen Titel „Pokerweltmeister“, und viele dieser Weltmeister haben nach ihrem Gewinn eine lange und vielbeachtete Karriere hingelegt.

Einige jedoch haben sich aber aus dem Rampenlicht zurückgezogen und sind nie einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden. In unserer Serie schauen wir uns einige Weltmeister an, die aus dem Gedächtnis der Pokerszene verschwunden sind.

Berry Johnston

Unter Pokerkennern ist Berry Johnston ein sehr bekannter Spieler, doch die meisten Hobbyspieler haben seinen Namen vermutlich noch nie gehört.

Vor dem Pokerboom war Johnston einer der beständigsten Gewinner beim Turnierpoker und er räumte in seiner Karriere als Profi mehr als 3 Millionen Dollar ab.

Berry Johnston
Irgendein Senior-Spieler oder fünffacher Braceletträger?

Vor dem WSOP Main Event 1986 hatte Johnston trotz seiner vielen Erfolge allerdings nur ein Bracelet gewinnen können, den Titel im Match Play (Startgeld 2.500 $) 1983.

1986 erreichte er dann in einem Feld von 141 Spielern den Finaltisch, an dem auch Tom Jacobs, Roger Moore, der fünffache Bracelet-Gewinner Gary "Bones" Berland und Titelverteidiger Bill Smith saßen.

Schließlich erreichte Johnston das Heads-Up gegen Mike Harthcock und lag mit zwei Dritteln aller Chips in Führung.

Die Entscheidung fiel, als Johnston sich mit A 10 zu einem Reraise All-In entschloss und sein Gegner mit A 8 callte. Das Board brachte nur Blanks und Johnston hatte es geschafft.

Auch heute ist der 77-jährige Johnston, der mittlerweile in die Poker Hall of Fame aufgenommen wurde und insgesamt fünf Bracelets bei der WSOP gewinnen konnte, noch sehr aktiv und bestreitet bei der WSOP jedes Jahr mehrere Turniere.

Wer ihn nicht kennt, betrachtet ihn vermutlich als gemütlichen, alten Mann am Tisch – jedenfalls so lange, bis er einen aus dem Turnier wirft.

Hamid Dastmalchi

Hamid Dastmalchi ist vermutlich der Spieler, der auf den meisten Listen mit vergessenen WSOP-Siegern ganz oben steht.

Der Highroller und dreimalige Bracelet-Gewinner gewann den wichtigsten Titel in der Pokerwelt bei der einzigen Austragung neben 2007, bei der die Beteiligung im Main Event gegenüber dem Vorjahr sank.

Hamid Dastamalchi
Hamid Dastamalchi.

Beim Main Event der WSOP 1993 arbeitete sich Dastmalchi durch ein Feld mit 201 Spielern und schaffte es als Chipleader unter die letzten sieben Spielern, unter denen sich auch noch der zweimalige Weltmeister Johnny Chan befand.

In einer Hand gegen Mike Alsaadi zeigte Dastmalchi einen unglaublichen Instinkt, als er vor dem Flop Könige foldete und sein Gegner ihm anschließend Asse zeigte.

Durch diesen Fold sparte Dastmalchi Chips, die ihm später zum Sieg verhalfen.

Nur zwei Jahre später erreichte Dastmalchi den Final Table des Main Event erneut und wurde Vierter, weshalb ihm von vielen eine große Zukunft als Turnierspieler prophezeit wurde.

Allerdings wurde Dastmalchi 1999 in einen Rechtsstreit mit dem Casino Binion’s Horseshoe verwickelt, dessen neues Management sich weigerte, ihm mehr als 800.000 Dollar auszuzahlen, die er in Chips gewonnen hatte.

Zwar bekam er in dieser Sache vor Gericht Recht, doch schränkte Dastmalchi seine Teilnahmen an späteren WSOPs danach merklich ein. Als Folge kam er nur noch zweimal ins Preisgeld, zuletzt im Jahr 2002.

Hal Fowler

Hal Fowler gelang der vermutlich sensationellste Sieg in der Geschichte des Main Event der WSOP.

Als er 1979 gegen ein Feld mit 54 Spielern antrat, das vor allem aus Profis bestand, war er blutiger Amateur. Doch er überraschte alle Gegner und erreichte den Final Table mit so berühmten Spielern wie Johnny Moss, Chip Reese, Bobby Hoff und Sam Moon.

Hal Fowler
Hal Fowler.

Zeitweilig hatte Fowler angeblich nur noch 2.000 Chips, ehe ihm ein unglaubliches Comeback gelang.

Er erreichte das Heads-Up gegen Bobby Hoff, hatte dabei aber einen klaren Rückstand auf seinen Gegner, und alle gingen davon aus, dass Hoff sich 1979 den Titel holen würde.

Dann jedoch setzte Fowler zu einem unfassbaren Lauf an, bei dem er mit einem Drei-Outer verdoppelte und dann mit einem Runner-Runner-Flush sogar die Führung übernahm.

Die letzte Hand ist ein weiterer Hinweis, wie viel Glück Fowler in diesem Turnier hatte. Auf einem Flop mit J 5 3 callte Fowler mit einem Gutshot eine Overbet und tatsächlich kam die 4 auf dem Turn.

Hoff ging mit seinen Assen All-In und erkannte dann, wie viel Pech er nach Fowlers Call hatte.

Durch diesen glücklichen Sieg wurde Hal Fowler der erste Amateur, der das Main Event der WSOP für sich entscheiden konnte.

Nach seinem Triumph zog er sich weitgehend vom Poker zurück und ist in der langen Geschichte der WSOP kaum mehr als eine Fußnote geblieben.


Die vergessenen WSOP-Champions, Teil 2

Die vergessenen WSOP-Champions, Teil 3

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