WSOPE Event Nr. 1 – Phil Hellmuth verpasst sein „Meisterstück“

phil hellmuth
"Ich spiele nicht, um Siebter zu werden."

Marvin Rettenmaier, David Benyamine, Freddy Deeb und Phil Hellmuth kamen alle dem Finaltisch des ersten WSOPE Events in Cannes gefährlich nahe, aber am Ende war es der „Poker Brat“, der das Bracelet am knappsten verpasste.

Als das €2680 6-max Event auf nur noch 24 von anfangs 360 Spielern geschrumpft war, saß an jedem Tisch ein großer Name des heutigen Weltpoker. Marvin Rettenmaier war der erste von ihnen, der ausschied, nachdem er auf den wiederholten Angriff auf seinen BB etwas entnervt mit 7-5 all-in schob und von A-Q abgefangen wurde.

Danach mussten in schneller Folge auch Freddy Deeb und David Benyamine gehen, und es sah für eine Zeitlang so aus, als könnte Phil Hellmuth tatsächlich seinen zwölften Triumph in einem WSOP Bracelet-Event feiern. Lange Zeit lag er auf dem zweiten Platz in der Chiptabelle, bis er einen großen Coin Flip verlor.

Am Ende sprang „nur“ die Final Table Bubble für den ehemaligen WSOP-Champion heraus. Direkt nach seinem Ausscheiden sprach er uns gegenüber von einem verpassten „Meisterstück“:

„Ich spiele diese Turniere nicht, um Siebter zu werden. Ich fühle mich beschissen“, sagte ein zutiefst enttäuschter Hellmuth, nachdem er sich mit Handschlag von den letzten sechs verbliebenen Spielern verabschiedet hatte.

phil hellmuth2
"Picasso musste sich eben nicht mit Glück auseinandersetzen."

„Wenn ich hier gewonnen hätte, hätte das als mein Meisterstück bezeichnet, aber ich habe wohl ein paar Pinselstriche falsch gesetzt“, fuhr Hellmuth fort. „Als Picasso noch gemalt hat, musste er sich eben nicht mit Glück auseinandersetzen.“

Während Hellmuth das Ergebnis dieses Turniers mit gemischten Gefühlen sieht, ist sein Abschneiden hier für den Rest der Pokerwelt ein weiteres Indiz dafür, dass Hellmuth weiterhin als einer der besten Turnierpokerspieler der Welt anzusehen ist.

Nachdem ihm lange Zeit der Malus anhing, nur in NLHE-Turnieren erfolgreich sein zu können, lieferte Hellmuth bei der WSOP 2011 eine Glanzvorstellung ab und wurde dreimal Zweiter. Keines der Turniere war ein NLHE-Event. Sowohl bei der $10k 2-7 Championship, der $10k Stud Hi-Lo Championship als auch der $50k 8-Game Championship verpasste er den Titel nur um einen einzigen Platz. Nun sind die kritischen Stimmen verstummt. Wer wollte jetzt noch davon sprechen, dass Hellmuth nicht in der Lage sei, sein Spiel an die heutige Spielweise anzupassen?

Hellmuth gewann in diesem Sommer knapp $1,6 Mio., mehr als doppelt so viel wie bei seinem WSOP-Sieg im Jahr 1989.

David Benyamine
David Benyamine feierte ebenfalls einen gelungenen Einstand bei der WSOPE.

„Ich weiß, dass meine Leistung in diesem Sommer ungewöhnlich war, wenn auch nicht wirklich außergewöhnlich“, murmelte Hellmuth, während er einen sehnsüchtigen Blick auf den Finaltisch warf, den er gerade so knapp verpasst hatte.

Aber Hellmuth ist kein Spieler, der sein Licht unter den Scheffel stellt. Der Glücksfaktor bleibt, davon ist er überzeugt, weiterhin das größte Hindernis, dass es auf dem Weg zu Bracelet Nr. 12 zu überwinden gilt.

„Wenn die Blinds weiter und weiter steigen, denken die Kids, sie müssten mit jeder A-T Hand all-in gehen. Da spielt das Glück natürlich schon eine große Rolle“, erläuterte Hellmuth und erklärt dann mit für ihn typischer Bescheidenheit, warum er wieder einmal so weit gekommen ist:

„Ich war nie all-in, ich war nie shortstacked, ich habe meine Chips perfekt genutzt, und mein Timing war praktisch fehlerlos … Ich habe mir eine fantastische Ausgangsposition erarbeitet, aber es ist furchtbar frustrierend, jeden Flip und jedes Race zu verlieren.“ Dann schüttelt er deprimiert den Kopf.

Bei aller Enttäuschung gelang Phil Hellmuth heute der Sprung an die Spitze der WSOP „Player of the Year“ Rangliste. Er führt dort nun mit 50 Punkten Vorsprung vor November Niner Ben Lamb.

Das heißt, dass Lamb nun mindestens Achter im WSOP Main Event im November werden muss, um sich den Spitzenplatz zurückzuerobern. Hellmuth tritt aber schon morgen wieder im €5k PLO Event an. Es wird darauf ankommen, wie viel Vorsprung er sich vor Lamb erspielen kann. Der Sieg im Main Event hier in Cannes ist übrigens genauso viele Punkte wert wie der in Las Vegas.

Marvin Rettenmaier versuchte sich auch in Tag 1B des großen €1k Events, konnte aber den zweiten Tag nicht erreichen. Mehr zu diesem Event finden Sie in Kürze direkt aus der PokerZeit-Zentrale bei uns in den News.

IMG4753
Guillaume Humbert - der erste Bracelet-Gewinner aus der Schweiz.

Das Finale des ersten Events der WSOPE machten sechs Spieler unter sich aus, die dem allgemeinen Publikum eher unbekannt sind: Guillaum Humbert sorgte nach dem Heads-up gegen den Japaner Azusa Maeda für das erste Schweizer Bracelet in der Geschichte der WSOP.

In der letzten floppte Humbert die Straight mit 5 8 auf einem Flop 9 6 7. Maeda hielt mit 4 3 einen inside Straight Flush Draw. All-in und Call verstanden sich fast von selbst, die 4 und 4 auf Turn und River verbesserten Maedas zwar doppelt, konnten aber Humberts Straight nicht mehr überholen.

1. Guillaume Humbert, CH - €215.999
2. Azusa Maeda, J - €133.471
3. Roy Finlay, GB - €92.629
4. Matan Krakow, ISR - €65.068
5. Adrien Allein, FR - €46.250
6. Marton Czuczor, UNG - €33.255

7. Phil Hellmuth, USA - €24.183

12. David Benyamine, USA - €13.228

15. Freddy Deeb, USA - €9936

17. Marvin Rettenmaier, D - €9936

 

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare