WSOP Main Event Tag 6 – Against all Odds
Des Einen Freud … Heinz und Ruthenberg nehmen sich gegenseitig die Chips ab, Geshkenbein scheitert nach Doppel-Cooler, Stuer an einem 1-Outer. Lindgren und Moutinho noch dabei.
Zunächst hatte man das Gefühl, bei einem Genesis-Konzert gelandet zu sein, so oft viel der Name Phil Collins. Dann riss die Glückssträhne des Spielers mit dem berühmten Namen.
Zur aus deutscher Sicht wichtigsten Hand kam es, nachdem Sebastian Ruthenberg zu Pius Heinz an den Feature Table gesetzt wurde. Seit zwei Tagen waren die beiden als beste Deutsche geführt worden und hatten sich zumeist in den Top Ten des Chipcounts halten können.
Dann gingen Heinz, Ruthenberg und Jared Vengrin in einer Hand all-in, und damit lagen plötzlich über vier Millionen Chips in der Mitte. Heinz hielt Damen, Ruthenberg Big Slick und Vengrin ein Paar Vieren.
Das Board verlief T♣ J♠ 6♦ 3♣ 8♠, Heinz kassierte einen der größten Pots des Turniers, und Ruthenberg blieb schwer angeschlagen zurück. Am Ende des Spieltags besaß Heinz 5,7 Mio. und lag auf Platz 12, während Ruthenberg mit 890.000 auf den letzten Platz zurückgefallen war.
Pechvogel des Tages war Julian Stuer. Obwohl, es kommt natürlich immer auf den Standpunkt an. Wenn man mit Pocket Achten gegen Pocket Könige ein Set trifft, ist man wohl eher ein Glückspilz. Wenn dann auch noch alle Chips in die Mitte wandern, hat man alles richtig gemacht.
Wenn dann aber auf dem River ein weiterer König erscheint und zu allem Überfluss ein Mitspieler auch noch mitteilt, einen König gefoldet zu haben, dann erkennt man, dass man gegen ein einziges Out verloren hat und ist plötzlich der Spieler mit dem meisten Pech auf der Welt.
Philipp Gruissem bleibt weiterhin im Feld, aber auch weiterhin unauffällig. Das ist gar nicht so einfach in einem Teilnehmerfeld, von dem 99,3% bereits ausgeschieden sind. Mit zwei Millionen Chips steht er weiterhin unter Druck, und noch immer ist es unmöglich, vorherzusagen, wohin die Reise geht. Jede Hand entscheidet.
Dasselbe gilt für den letzten Schweizer Stefan Huber, der mit 1,47 Mio. in der Tabelle noch hinter Gruissem liegt.
Erika Moutinho ist die letzte verbliebene Spielerin im Main Event der WSOP 2011, nachdem zuerst Claudia Crawford und dann auch Amanda Musumeci die Segel streichen mussten. Spieler wie Veranstalter wünschen sich, dass (nach 1995) endlich einmal wieder eine Frau den Finaltisch erreicht.
Während die Veranstalter sich davon einen femininen Poker-Boom erhoffen, scheint es den Spielern allerdings eher darum zu gehen, Erika länger am Tisch behalten zu können. Claudia Crawford und Amanda Musumeci schieden beide nach verlorenen Coin Flips aus.
Vladimir Geshkenbein wurde von der WSOP gestern erstmals nicht als Schweizer, sondern als Russe geführt. Ob das auf seine Veranlassung geschah, wissen wir nicht, aber auf jeden Fall ist ihm diese Umstellung nicht gut bekommen. Geshkenbein lag im Vorderfeld, als er mit einem gefloppten Set gegen einen (Jetzt-) Landsmann fast seinen gesamten Stack verlor.
Auf einem Board J♥ 5♠ 4♦ 3♠ 8♥ ging Andrej Patejtschuk all-in, Geshkenbein bezahlte mit 5-5, aber Patejtschuk hielt 6-7. Eine halbe Stunde später dann das nächste Set-up: Auf einem Flop A-Q-6 hielt Geshkenbein A-6 und sah seine Chance zum Verdoppeln. Gegner Michal de Gilio hielt Q-Q.
Nach dem Ausscheiden von Eli Elezra und Allen Cunningham ist Erick Lindgren er letzte Spieler der alten Schule, der noch im Main Event vertreten ist. Wie die anderen beiden begann er den sechsten Tag mit einem der kleinsten Stacks, konnte aber seine Coin Flips gewinnen und glänzte mit einigen bemerkenswerten Spielzügen.
Z. B. bezahlte er auf einem Flop T♥ 9♣ 2♥ ein Checkraise All-in von Konstantinos Mamaliades mit A-9. Er hatte den korrekt erkannt, dass der Big Stack ihn nur aus dem Pot drängen wollte. Mamaliades hielt 6-6, und Lindgren verdoppelte.
Elezra und Cunningham verloren ihre Stacks dagegen mit T-T gegen K-K bzw. K-K gegen A-A, nachdem sie beide zuvor verdoppeln konnten und bereits die Hoffnung aufkeimte, einen von ihnen am Finaltisch sehen zu können.
Viel Aufmerksamkeit bekommt auch der Australier Tony Hachem. Immerhin hat sein Bruder vor sechs Jahren den Mai Event gewonnen. Sollte Tony den Finaltisch erreichen, steht die Pokerwelt in Down Under Kopf.
An der Spitze des Feldes sah es eine Weile so aus, als könnte Phil Collins sich vom Feld absetzen. Nachdem er innerhalb von 20 Minuten zweimal mit Assen ausgezahlt worden war und auch sonst einfach perfektes Poker zeigte, war sein Stack auf über zehn Millionen angewachsen. Damit lag er zwischenzeitlich vier Millionen vor dem Zweitplatzierten.
Im Zuge dessen schickte u. A. Joseph Cheong vom Tisch, den letzten der November Nine vom vergangenen Jahr.
Dann aber begannen mehrere andere Spieler aufzuholen. Zunächst vor allem der unglaubliche Ben Lamb, der schließlich sogar an Collins vorbeizog (und auch an Phil Hellmuth in der Wertung zum Player of the Year), und später, aber umso gewaltiger, Ryan Lenaghan, der mehrere große Pots gewann und am Ende mit 12,8 Mio. einen deutlichen Chiplead vorweisen konnte. Collins dagegen fiel auf 7,2 Mio. und Platz 5 zurück.
57 Spieler kommen zu Tag 7 an die Tische zurück, darunter drei Deutsche und ein Schweizer. Im letzten Jahr beendete Michael Skender das Turnier als bester Deutscher auf Platz 31.
Heute Nacht wird gespielt, bis noch 27 Spieler übrig sind. Nur drei Tische werden an Tag 8 noch aufgebaut. Jedem Spieler, der jetzt noch im Turnier ist, sind $160.036 sicher. Auf den Sieger warten $8.711.956.
Ausgeschieden: Alexander Debus (137. Platz, $54.851 Gewinnsumme), Joseph Cheong (114., $54.851), Alexander Dietrich (112. $54.851), Eli Elezra (107., $54.851), Vladimir Geshkenbein (106., $54.851), Julian Stuer (93. $64.531), Christian Harder (92., $64.531), Claudia Crawford (85. $76.146), Allen Cunningham (69., $108.412), Jean-Robert Bellande (65., $108.412), Amanda Musumeci (62., $130.997).
Ausgewählte Chipcounts:
1. Ryan Lenaghan, 12.865.0002. Ben Lamb, 9.980.000
3. Matt Gianetti, 7.940.000
5. Phil Collins, 7.240.000
12. Pius Heinz, 5.695.000
36. Tony Hachem, 2.250.000
38. Erick Lindgren, 2.195.000
40. Erika Moutinho, 2.075.000
41. Philipp Gruissem, 2.005.000
42. David Bach, 1.985.000
48. Stefan Huber, 1.469.000
57. Sebastian Ruthenberg, 890.000
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