WSOP Main Event Finale – Habemus Heinz!

pius heinz wsop champion

Pius Heinz hat den Main Event der WSOP 2011 gewonnen. Ein Meilenstein in der Pokergeschichte, nicht nur aus deutscher Sicht. Es war ein Finaltisch, an dem nicht alle Spieler so stark waren wie erwartet. Pius Heinz schon.

Es waren wieder zwei besondere Nächte in Las Vegas. Nach fast vier Monaten Wartezeit hatte sich soviel Spannung aufgebaut, dass die Luft im Penn & Teller Theatre vibrierte.

Alle Spieler hatten ihre Fans dabei, manche mehr, manche weniger. Am größten war die Entourage von Ben Lamb, am lautesten zumindest zeitweise die von Eoghan O’Dea. Keine Überraschung, das Singpotenzial irischer Fans ist uns aus Fußballstadien bestens bekannt.

Samuel Holden
Sam Holden.

Der erste, Letzte

Sam Holden war als Chipletzter in das Finale gegangen und konnte dort auch nichts mehr ausrichten. Hand Nr. 51 war die letzte des jungen Engländers. In dieser Hand suchte er mit A-J den Verdoppler, wurde aber ausgerechnet von A-K (Lamb) bezahlt und schied aus. Trotzdem zeigte Holden die für einen Engländer typische Fairness.

„Natürlich bin ich jetzt enttäuscht“, sagte uns Holden direkt nach seinem Ausscheiden, „aber ich bin sicher, in ein paar Tagen und erst recht in ein paar Jahren werde ich mich an das hier als ein tolles Ergebnis und eine fantastische Erfahrung erinnern.“

Sam Holden, Platz 9, $782.115

Die Enttäuschenden

Anton Makijewski war im Verlauf des Turniers nicht nur durch extrem aggressives Spiel aufgefallen, sondern auch durch seine Überzeugung, dass er zu aggressives Spiel für gar nicht so erfolgversprechend hielt. Irgendwie war es dem Ukrainer gelungen, in diesem scheinbaren Widerspruch eine gute Balance zu finden.

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Anton Makijewski.

Makijeweski hätte der jüngste WSOP Champion werden können, aber dafür war er am Finaltisch viel zu passiv. Nur vier Hände spielte Makijewski bis zu seinem Ausscheiden gegen Pius Heinz. Dass er kaum gute Karten bekam, war für den Ukrainer bis zum Finale kein echtes Problem gewesen, aber angesichts des Umfelds und der Medienpräsenz schien er doch etwas verunsichert.

Makijewski nahm es nicht allzu tragisch, mit 21 Jahren stehen ihm ja nun alle Möglichkeiten offen. Seine Reading Skills bewies er, als er ungewollt den Ausgang des Turniers ziemlich genau vorhersagte: „Ich habe das schon gesagt, bevor die November Nine feststanden: Ben Lamb ist gut, aber Pius Heinz ist besser.“

Anton Makijewski, Platz 8, $1.010.015

Bob Bounahra, der älteste Spieler am Tisch, wurde von den jungen Profis mehr oder weniger überfahren. Nach einem kurzen Zwischenhoch konnte der sympathische Mann aus Belize sich den ständigen Angriffen kaum noch erwehren und gab Chip um Chip ab.

Er suchte sein Heil schließlich mit A-5, aber Stazko interpretierte die Situation richtig und bezahlte mit A-9. Das Board verlief denkbar harmlos 7-6-2 - K – 6. Bounahra schied aus, ohne seine gute Laune zu verlieren. Es heißt, er habe bereits einen großen Club in Belize für seine Party reserviert.

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Bob Bounahra.

Bob Bounahra, Platz 7, $1.314.097

Die Enttäuschten

Eoghan O’Dea war als Chipzweiter an den Finaltisch gekommen und hatte sich sicher mehr als Platz 6 ausgerechnet. Für den Iren, dessen Vater schon zwei Mal am Finaltisch des WSOP Main Events gesessen hatte, wendeten sich die Dinge früh zum Schlechten, und der Verantwortliche dafür hieß Pius Heinz.

Als noch alle neun Spieler am Tisch saßen, versuchte O’Dea auf einem Board 8 8 4 # 2, Heinz mit einer Bet von 8,2 Mio. aus der Hand zu drängen. O’Dea hielt A-Q, aber Heinz war mit einem Paar Damen unterwegs und hatte nicht Absicht, diese aufzugeben.

Er gewann schließlich den bis dahin größten Pot und 44 Mio. Chips, während O’Dea plötzlich Shortstack war und sich von diesem Schlag nicht mehr erholte. Später verlor er unglücklich noch einmal einen Pot gegen Ben Lamb mit A-9 gegen Q-8, und kurz danach schied O’Dea gegen Stazko aus.

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Eoghan O'Dea.

Eoghan O’Dea, Platz 6, $1.720.831

Phil Collins, der Mann mit dem berühmten Namen, zeigte am Finaltisch fast gar keine Impulse mehr. Hatte er an früheren Tagen seine Tische noch zeitweise dominiert, hatte er im Finale offenbar kein Pulver mehr übrig.

Collins hielt sich im Finale die meiste Zeit zurück, kam nie in den Rhythmus und musste mit ansehen, wie sein Chipstack dahin schrumpfte. Am Ende traf er mit A-7s auf Heinz‘ Pocket Neunen und schied sang- und klanglos aus. Das galt allerdings nicht für seine Fans, die das Ende ihres Stars mit „In the air tonight“ begleiteten. Aber eben nicht mit „One more night“.

Phil Collins, Platz 5, $2.269.599

Matt Giannetti war über sein Ausscheiden besonders enttäuscht. Der Profi aus Texas war sichtlich gezeichnet, als er seinen Platz verlassen musste.

„Ich bin nicht hierher gekommen, um Vierter zu werden“, sagte er. „Ich werde mich jetzt tierisch besaufen, aber hauptsächlich, weil ich so deprimiert bin. „Und dann will ich ein paar Tage lang nichts mehr von Poker hören.“

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Phil Collins.

Giannetti war Chipzweiter bei noch vier Spielern, verlor dann aber drei Hände nacheinander gegen Pius Heinz, bevor ihm Ben Lamb den Nackenschlag versetzte. Mit A-7s war Lamb für 26 Mio. Chips all-in, Giannetti hielt mit Buben die deutlich bessere Hand. Schon auf dem Turn hatte Lamb aber einen Flush zusammen und nahm Giannetti den Großteil seiner Chips ab. Lamb war es auch, der mit einem Poker Könige für das endgültige Aus des WPT-Malta-Gewinners sorgte.

Matt Giannetti, Platz 4, $3.012.700

Die drei Musketiere

Ben Lamb und Martin Staszko sorgten im Finale für einen spektakulären Auftakt. Gleich in der ersten Hand putschten sich die beiden zum All-in, und im Showdown bekamen wir ein klassisches Race zu sehen.

Lambs K-J trat gegen das Paar Siebenen von Stazko an. Lamb konnte auf dem Board keine Hilfe finden und verlor nicht nur drei Viertel seines Stacks, sondern auch den Nimbus des Unbesiegbaren, der ihm in den vorhergehenden Tagen des Main Events zugetragen worden war.

Gleich in der zweiten Hand übernahm Staszko sogar den Chiplead von Heinz, der doch wenige Minuten zuvor noch mehr Chips gehabt hatte als seine beiden Gegner zusammen.

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Matt Giannetti.

Mit Pocket Königen ließ sich der Tscheche nicht von Heinz mit K-Q ausspielen. Obwohl das Board 9-A-6 – 9 – J zeigte und damit eine Overcard auswies, bezahlte Stazko den Bluff-Raise von Heinz auf dem River und eroberte die Führung.

Zwei weitere Hände später eliminierte Staszko Lamb. Der Tscheche hatte ein weiteres Paar aufgenommen, Buben dieses Mal, und Lamb war mit Q-6 nur all-in, um keinen Call zu bekommen. Bekam er aber trotzdem, und zum (gefühlt) zweiten und letzten Mal verpasste Lamb das Board und damit auch den Verdoppler, den Titel und seinen großen Traum.

Ben Lamb verabschiedete sich freundlich und mit Stil. Er wünschte den beiden Finalisten viel Glück und verließ lächelnd den Saal.

Ben Lamb, Platz 3, $4.021.138

Was ein paar Minuten nach einem kurzen Prozess ausgesehen hatte, entwickelte sich nun zu einem ungleichen, aber genau deswegen umso spannenderen Wettstreit.

Pius Heinz‘ Strategie bestand darin, pausenlos Druck auf den Tschechen auszuüben und ihn so zu zermürben. Staszko wählte eine konservativere Spielweise, verlor mehr Hände als er gewann, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen.

Der junge Deutsche war wild entschlossen, das Turnier nun für sich zu entscheiden und überzog dabei mehrfach. Mehrmals hatte er Staszko am Rand einer Niederlage, überspielte dann aber eine Hand und verlor einen großen Pot. Staszko konzentrierte sich erfolgreich darauf, nur die großen Hände zu gewinnen, und konterte Heinz‘ Spielweise damit höchst effizient.

Und für all die, die das Hohelied auf aggressives Spiel singen und alles Andere für veraltet halten: Staszko begann das Heads-up mit 117 zu 89 Mio. Chips. Nach einigem Hin und Her baute er seine Führung über vier Stunden hinweg auf 161 Mio. zu 45 Mio. aus. Insgesamt schien Stazko mental der Stärkere, Konstantere zu sein.

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Ben Lamb und Kara Scott.

Am Ende war es aber der Wagemut von Pius Heinz, der belohnt wurde. Der Deutsche gewann zwei Hände pre-Flop durch 3-Bets und bereitete damit den Führungswechsel gleichsam vor.

Dann kam Hand Nr. 293. Staszko limpte vom Button (Blinds (1,2 Mio./2,4 Mio./300k), Heinz erhöhte auf 7,9 Mio. und bekam den Call. Die Etnscheidung fiel auf dem Flop T K 7. Heinz setzte, Staszko erhöhte, Heinz schob all-in und der Tscheche bezahlte! 161,5 Mio. Chips sorgten für den größten Pot des Turniers.

Beim Showdown staunten die Zuschauer nicht schlecht: Straszko hielt Q 9 und damit Flush und Straight Draws, Heinz zeigte A Q und damit Ass hoch mit Inside Straight Draw.

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Vizeweltmeister Martin Staszko.

Zur Begeisterung der deutschen Fans lag Heinz damit sogar vorn. Staszko suchte Kreuz oder Neunen, denn ein Bube hätte Heinz ja die bessere Broadway Straight eingebracht. Turn 3 und River 6 ließen Heinz die Hand mit Ass hoch gewinnnen und 160 Mio. Chips stapeln, während Staszko auf 44 Mio. zurückfiel.

Acht Hände später fiel die letzte Entscheidung. Stazko ging open all-in, Heinz hielt A-K und bezahlte. Der Tscheche zeigte T 7. Das Board verlief 9 5 2 - J - 4, und wieder war Ass hoch stark genug. Aus. Vorbei! Jubel auf den Rängen, und im Geschichtsbuch erfolgt ein neuer Eintrag:

Am 9. November 2011 gewinnt mit Pius Heinz erstmals ein deutscher Spieler den WSOP Main Event! Eine fantastische Leistung von Pius Heinz, und vielleicht der Auftakt zu einem neuen Boom?

In den kommenden Wochen werden wir in den Mainstream-Medien ein gesteigertes Interesse an Poker wahrnehmen, vielleicht stehen auch ein paar Fernsehauftritte an.

Heinz wird auf jeden Fall bei der EPT in Prag antreten, ob er schon in Griechenland dabei ist, steht noch nicht fest.

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Der letzte Chipcount:

Pius Heinz – 205.900.000

Payouts am Finaltisch:

1. Pius Heinz, D, $8.715.639
2. Martin Staszko, CZ, $5.433.086
3. Ben Lamb, USA, $4.021.138
4. Matt Giannetti, USA, $3.012.700
5. Phil Collins, USA, $2.269.599
6. Eoghan O’Dea, IRL, $1,720.831
7. Bob Bounahra, Belize, $1.314.097
8. Anton Makijewski, UKR, $1.010.015
9. Sam Holden GB, $782.115

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