WSOP 2009: Veldhuis vs. Münz Handanalyse

Alexander Veldhuis
Veldhuis schlägt wieder zu.

Wir haben vergleichen lassen: Die deutschen Pokerprofis Thomas Bihl und Michael Keiner über einen der zahlreichen Bluffs, mit denen Lex Veldhuis seinen Tisch das Fürchten gelehrt hat.

Nachdem Veldhuis schon im vorigen Level einen eiskalten Bluff gegen Münz gespielt hatte, wollte der Deutsche es dem Holländer offenbar heimzahlen. Dazu musste er ein Paar Zehnen einfach nur slow spielen und Veldhuis ins offene Messer laufen lassen. Aber der Plan ging nicht auf...

In der folgenden Hand erhöhte Münz aus früher Position und wurde von Veldhuis und Allen Cunningham gecallt. Blinds: 150/300

Münz: T T, Raise auf 900.

Veldhuis: ? ?, Call.

Cunningham: A J, Call.

Pot: 3150. Flop: 4 3 2

Münz: Check; Veldhuis: Bet 2300; Cunningham: Fold; Münz: Call.

Pot: 7750. Turn: T; Münz: Check; Veldhuis: Bet 6000; Münz: Call.

Pot: 19750. River: A; Münz: Check; Veldhuis: all-in; Münz: Fold.

Veldhuis strich den Pot ein und zeigte lächelnd K 6. Ein weiterer kompletter Bluff.

Thomas Bihl
Thomas Bihl analysiert.

Die Meinung von Pokerprofi Thomas Bihl, Braceletträger und bei Full Tilt unter Vertrag:

„Preflop: Standard Raise mit TT von Münz, sehr spekulativer Call von Veldhuis mit K6s und Cunningham callt ebenfalls nur mit AJo.

Flop: Ich verstehe den Check-Call von Münz nicht. Er spielt ohne Position und ohne Information weiter

Turn: Prinzipiell das gleiche Problem mit dem Check-Call. Ich denke Münz will seinem Gegner aufgrund der Vorgeschichte (zurecht) keine gute Hand geben sich aber auch nicht overcomitten.

River: Eine weitere Scare Card und Münz gibt widerwillig auf. Ich denke er hätte einfach früher für Klarheit sorgen müssen."

Michael Keiner
Michael Keiner reflektiert.

Michael Keiner, altgedienter Pokerprofi und in Diensten von 888, sieht die Situation so:

"Auf dem Flop wollt Münz auch nach eigener Aussage einen Bluff induzieren. Ihm war klar, dass Verldhuis auf jeden Fall anspielen würde, wenn er nicht gerade einen sehr starken Draw oder etwas Ähnliches gefloppt hätte. So spielt Veldhuis eigentlich die ganze Zeit: Mit Nichts setzen, aber mit einem Monster checken.

Ich hätte auf dem Flop einen satten Checkraise angesetzt und bin sicher, dass Veldhuis daraufhin fast alles außer A-5, einem Set oder einem starken Flush Draw wegwirft. Hätte Velldhuis den Checkraise mit einem All-in gekontert, hätte Münz die Zehnen noch problemlos und vor allem viel billiger wegwerfen können, als es dann am Schluss wurde. Eine wirklich starke Hand hätte Veldhuis ja auf dem Flop tatsächlich schützen müssen. Münz' Spielweise ist hier zwar fragwürdig, auf der anderen Seite aber auch sehr mutig. Leider hat sich das nicht ausgezahlt.

Auf dem Turn ist ein Re-Raise dann keine Option mehr, weil das dritte Herz die Situation natürlich verkompliziert. Der Flush ist ja immerhin möglich. Ein Fold auf dem Turn würde dagegen den Call auf dem Flop nicht mehr rechtfertigen.

Das All-in auf dem River kann Münz im Grunde nicht mehr bezahlen. Ich kann da keinen großen Fehler erkennen. Die drei schlimmsten Karten, die an dieser Stelle fallen können, sind Kreuz, Pik und Karo As. Bei einem Herz As hätte Münz vielleicht noch überlegen können, da er ja selbst die Zehn hielt. Das Pik As ist aber eine absolute Scare Card. Der Fold wird hier erzwungen.

Was Veldhuis an diesem Tag gespielt hat, funktioniert nur einmal im Leben, und es zeigt, dass ihm noch viel Erfahrung fehlt. Das sieht zwar in der Aufzeichnung gut aus, aber am ersten Tag eines solchen Turniers geht es nicht darum, auf Teufel komm raus möglichst viele Chips zu akkumulieren. Es geht darum, zu überleben."

 

 

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