Der WPT Trip – Warum wir alle nach Kasachstan fahren sollten

Share:
4 Juni 2014, Von: Dirk Oetzmann
Geposted in: PokerZeit Blog , Featured
Der WPT Trip – Warum wir alle nach Kasachstan fahren sollten
Die WPT National in Kasachstan ist vorbei, und wir blicken zurück auf etwas, das viel mehr war als nur ein Pokerturnier.

Als wir die Einladung erhielten, die WPT Kasachstan vor Ort zu begleiten, hatte ich eher gemischte Gefühle. Ich meine, was assoziiert man denn schon mit Kasachstan?

Ein 24h-Ritt in die Wildnis, eine Diktatur, eine mir vollkommen unbekannte Kultur, und Menschen, mit denen ich wahrscheinlich äußerst wenig gemein habe.

Aber dann passierte folgendes.

Es wurde wirklich eine lange Reise. Sogar wenn man den Flughafen in der Hauptstadt Astana erreicht hat, liegen noch 300 km Autofahrt vor einem, und das einzige, was man auf dieser Strecke zu sehen bekommt, sind Pferde, Gras und Wälder.

Nur selten passiert man eine Kreuzung, und auf der Autobahn geht es derartig geradeaus, dass man sich an Bilder von amerikanischen Highways in Arizona erinnert fühlt (oder Kanada, wenn man die Vegetation berücksichtigt).

Ich weiß nicht mehr, welche Städtenamen auf dem ersten Verkehrsschild an der Autobahn standen, aber ich erinnere mich an die Entfernungsangaben: 380 km, 460 km, 740 km. Das sind die nächsten drei Städte. So groß und leer ist dieses Land.

Und das mit der Wildnis stimmt definitiv auch. Ich konnte von meinen Hotelfenster aus nachts die Wölfe heulen hören. Ohne Witz.

Und dann erreicht man irgendwann ein brandneues 5* Hotel, erst 18 Monate alt, mit 200 Zimmern, direkt an einem wunderschönen See.

Es gibt dort ein italienisches und ein türkisches Restaurant (aus diesen beiden Ländern kommen die Bauherrn), ein weitläufiges Wellness-Zentrum, ein modernes Casino, das rund um die Uhr geöffnet ist und in dem Spieler umsonst speisen.

Die Leute kommen einem zunächst etwas abweisend vor, aber wir waren dort ja auch die einzigen Europäer und damit wahre Exoten. In Wahrheit erwiesen sich die Einheimischen als sehr interessiert, und sie sind durchaus für Überraschungen gut.

Zum Beispiel sprach ich abends mit einem der Spieler, ein Hüne mit eher asiatisch-mongolischem Aussehen.

Er erzählte mir, dass er ein großer Fußballfan sei. Er kannte nicht nur meinen Heimatverein in der Bundesliga, den VfL Wolfsburg – den kennt ja schon in Deutschland kaum jemand – sondern er hatte seinen Sohn auch Arjen genannt, zu Ehren von Bayern München Spieler Arjen Robben.

Sein größter Wunsch war es, seinen Sohn eines Tages zur Fußballakademie von Chelsea London zu schicken.

Wie alt ist denn dein Sohn, fragte ich. Zwei, antwortete er, und er zeigte mir einen kurzen Film auf seinem Smartphone, auf dem ein winziger kleiner Kerl über einen Fußball stolperte.

Die WPT versucht, neue Märkte zu erschließen, und die größten davon liegen natürlich in Asien. Für die Spieler bedeutet der Besuch einer WPT ausgezeichnetes Catering, weil sich die Veranstalter sehr darum bemühen, es ihnen so angenehm wie möglich zu machen.

An einem Tag fuhren wir in die Wälder und besuchten ein Nationaldenkmal. Mit uns fuhr eine Fernsehmoderatorin des kasachischen Rundfunks, die uns erläuterte, dass dort in alter Zeit die Kasachen die Mongolen unter Dschingis Khan auf ihrem Kreuzzug nach Westen aufhielten.

Lebende Adler bewachen das Denkmal. Man kann ihnen ziemlich nah, aber nicht zu nah kommen.

Wir hatten die Gelegenheit, nationale Gerichte wie geräucherten und gepökelten Fisch, Borschtsch, Blinis und geschmortes Rind nach kasachischer Art zu probieren.

Der Turnierdirektor Artur Voskanyian hat schon sowohl für die WT als auch für PokerStars gearbeitet, und die Turniere liefen ohne jegliche Schwierigkeiten ab.

Für den Spieler aus dem Westen bietet ein Ort wie Kasachstan eine Menge zusätzlichen Value, denn Odds und Wahrscheinlichkeiten sind bei den wenigsten Spieler Teil des Skill-Repertoires.

Mehr als einmal sahen wir All-ins auf dem Flop, bei dem die Spieler im Showdown einen Sechs hoch bzw. Zehn hoch Flush Draw zeigten.

Fortgeschrittene Spieler werden zahlreiche Gelegenheiten finden, um das auszunutzen, weniger erfahrene können in jedem Fall mithalten, und sie brauchen nicht die Sorge haben, von einem Haufen Top-Profis umringt zu sein.

Wenn hier jemand ein Turnier gewinnt, dann freut er sich tatsächlich darüber, auch wenn der Siegerscheck „nur“ eine fünfstellige Summe aufweist.

Es ist nach den letzten Jahren erfrischend, so etwas zu beobachten, denn wie oft habe ich schon Spieler Millionen gewinnen sehen, die danach aussahen, als hätten sie gerade etwas schlechtes gegessen.

Ich schätze, dass Sie als Leser dieser Zeilen genauso wie ich Poker als Hobby betreiben, mit viel Enthusiasmus und der Hoffnung, eines Tages den großen Treffer zu landen.

Wir werden niemals Profis sein, aber wir haben immer die Chance zu gewinnen, und Poker ist viel mehr als nur ein Kartenspiel.

Es sind nicht nur die Karten, die uns umtreiben, es ist auch das Erlebnis, das uns Poker bietet.

Kasachstan in Bildern:

Der Eingangsbereich.

Moderner, atmosphärischer Turnierbereich.

Artur Vaskonyian, Turnierdirektor und Hobbyfotograf.

Andreas Lobzhanidse (links), Pokerspieler, Clubbesitzer und Künstler.

Dieser Schokokuchen wurde unter den Finalisten verteilt.

In Kasachstan trifft Tradition auf Moderne.

Klischee erfüllt: Am Eröffnungstag des ersten großen internationalen Events wird der Eingangsbereich zur Baustelle.

Das Csino ist so reich, dass das Geld mit Lastwagen angekarrt werden muss...

Low-Tech Angry Birds.

Katia, Fernsehmoderatorin und die Lynn Gilmartin von Kaszachstan.

Sehen Sie den auf dem Rücken liegenden Igel?

Liebesschlösser auf kasachische Art.

Schnellimbiss auf kasachisch.

Der Wächter.

Der Legende zufolge konnten die Kasachen in alter Zeit hier die Mongolen unter Dschingis Khan aufhalten.

Von links: Dirk, Katia, Christian und Jewgeni von der WPT. Unser Tipp: Macht Poker auch zu Eurem Abenteuer!

Share:

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Raimus 2014-06-06 02:52:28

Nice report