Wie Phoenix aus der Asche (1)

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10 September 2010, Von: The Brain
Geposted in: Blog
Wie Phoenix aus der Asche (1)
Bad Oeynhausen Poker Classics, €200 Freeze-out, Tag 1 A
Gestern war gestern, heute ist heute: erster Freitag im September, Tag 1 A des 200er Freezeout in Bad Oeynhausen. Startstack 10.000, Leveldauer 45 Minuten, EPT-Blind-Strukturen.
Auf der Fahrt springt der Kilometerzähler meines roten Blitzes auf 33.333. Schnapszahl. Eigentlich sind es 233.333 Kilometer, aber die Anzeige ist nur fünfstellig. Schade, dass ich mich gerade in einer Baustelle mit verengten Fahrstreifen befinde, sonst hätte ich angehalten und wäre 3-mal ums Auto gegangen.

Das Turnier ist mit 88 Startern wieder mal ausverkauft. Ein Renner. Ich erlebe ein Déjà-vu. Derselbe Tisch wie gestern, dieselbe Dealerin - aber ein völlig anderer Norbert. In den ersten 3 Stunden spiele ich deutlich weniger Hände als gestern in 53 Minuten. Ich kann mein bestes Poker abrufen, bin hochkonzentriert, geduldig und diszipliniert. Nach und nach erobere ich auch die rhetorische Tischhoheit, ernte anerkennende Kommentare der Mitspieler für meine Spielweise: Balsam für mein geschundenes Ego nach der gestrigen Blamage.

ept-trophy
Spielen wie bei der EPT.

Bei dem heutigen Marathon mit 10 Leveln und einer Nettospielzeit von 7,5 Stunden sitze ich mit Peter Hagen an einem Tisch, einem sehr guten Cash- und Turnierspieler, der sich auch schon in die Siegerliste des hiesigen Casinos eingetragen hat. Wir meiden weitestgehend die direkte Konfrontation. Abwechselnd nehmen wir im Turnierverlauf etwa ein Dutzend Konkurrenten vom Tisch und bauen unseren Stack entsprechend auf. Die entstehenden Lücken müssen immer wieder mit „Frischfleisch" aufgefüllt werden, um die Table-Balance herzustellen. Das Platzangebot wird fast luxuriös, als durch ausscheidende Spieler von 11er- auf 9er-Tische reduziert wird.

Mit A, K  gegen J, J treffe ich bei einem Board von 4, 5, 3, Q, 2 glücklich den Straight und verdoppele in Level 3.

Kurze Zeit später calle ich im BB ein Position-Raise mit 6, 8, komplettiere auf dem River zur Nuts Straight gegen Two Pair. Mit Fortuna brauche ich heute wahrlich nicht zu hadern.

Beim ersten Break nach Level 4 habe ich 33.000 Chips bei einem Average von 14.500. Kleinere Rückschläge stecke ich unbeeindruckt weg. Einmal liegen vier Kreuz mit Kreuz-As auf dem Board. Ich halte Q, verliere gegen die einzige Karte, die mich schlagen kann: K.

queens
Hugh Hefner versteht unter einem Full House mit Damen etwas ganz Anderes.

Etwas später gewinne ich ungefähr 10.000 Chips, als ich Q, Q als Hole Cards finde. Trotz eines hohen Preflop-Raises habe ich einen Caller. Flop 9, 9, J. Turn A, River Q. „Oh, wie ist das schön, oh, wie ist das schön..." Als ich beim Show-Down als Aggressor zuerst mein FH zeige, wirft der Kontrahent fluchend seine Hand verdeckt weg.

Kurz vor dem zweiten Break und dem Race 4 Chips (25er, 50er) nach Level 8 habe ich über 90.000 und zum ersten Mal eine Doppelkeilformation gebildet.

Der Hauptkeil besteht aus 100ern bis 5000ern mit einer Breite von 6 Stapeln an der breitesten Stelle, der Zweitkeil aus Stücken in der Wertigkeit 25 und 50 für zusammen etwa 5000.

Ich arbeite mich auf knapp 110.000 Chips hoch, bevor Tisch 6 zu Beginn des zehnten Levels aufgelöst wird. Dies ist immer eine kritische Phase, muss man doch ohne Reads und Infos auf die neuen Spieler Entscheidungen von enormer Tragweite treffen. Da dieses Turnier nicht heute, sondern am Sonntag entschieden wird, entscheide ich mich, den Tag Ultra-tight zu Ende zu spielen.

Und führe mich nicht in Versuchung - gilt auch für Pokerchef Werner Horstmann.

Kein Monster führt mich in Versuchung, also zahle ich brav meine 100 Ante und die Blinds in Höhe von 500/1000, beende den ersten Tag gegen 03:20 Uhr mit 104.100 als Zweiter des Chipcounts. 15 der angetretenen 88 Pokerspieler sind noch im Rennen, der Average liegt aktuell bei 58.700, kann sich durch die Resultate an Tag 1 B aber noch deutlich ändern. Erfahrungsgemäß schaffen etwa 20 Prozent der Starter den Cut. Nachdem die Chips gezählt, eingetütet, versiegelt und beschriftet sind, findet mein Luxusauto fast von allein den Weg über leere Autobahnen nach Hause.

In der heimischen Bäckerei hole ich gegen 5 Uhr aus der Backstube ofenfrisch heiße Brötchen, fast schon ein Ritual bei später, weil erfolgreicher Heimkehr zu früher Stunde. Die Familie freut sich doppelt: Gaumenschmaus bedeutet Geld im Haus...

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Norbert 2010-09-10 18:13:51

Der beste aller Chefredakteure hat mir soeben mitgeteilt, wann der Artikel über den Finaltag
im Blog erscheint. Wenn Euch der Sinn nach mehr Erlebnisschilderungen von mir steht, lest in der Rubrik NEWS hier auf pokerzeit.com den Termin nach. Nice weekend all!

Peter Hagen 2010-09-10 17:10:06

Danke für die Lorbeeren,Norbert.Ich kann
das wirklich nur zurückgeben.Es ist immer
wieder ein Genuss,Deine Kommentare
sowie Deine Mischung aus agressivem ung tight´m Spiel miterleben zu dürfen.Ich freue mich schon sehr auf den nächsten
`Show Down´ Ende Oktober.

Gruss Peter

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Ein deutscher Hobbyspieler ohne WSOP-Allüren, aber mit Sinn fürs Detail.

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