Wie man die Micro Stakes schlägt: Das Spiel vor dem Flop Teil 2

BlackRain792

Nathan “BlackRain79” Williams ist einer der erfolgreichsten Spieler aller Zeiten auf den Micro Stakes. Im zweiten Teil zum Spiel vor dem Flop verrät er Euch wie man richtig auf ein Raise des Gegners reagiert und wann man weiter erhöhen sollte.

Wir haben Euch Nathan Williams ja bereits ausführlich vorgestellt.

In Teil 1 des Micro Stakes Pre-Flop Guides hat er Euch erklärt, worauf es beim Spiel vor dem Flop ankommt, und welche Starthände ihr spielen solltet.

Was tun wenn es vor dir ein Raise gibt

Wenn es vor dir ein Raise gibt, dann hast du drei Optionen: Reraise (3-Bet), Call oder Fold.

raise call fold
Raise, Call oder Fold?

Generell ist es in den meisten Fällen besser zu 3-betten oder zu folden, als nur zu callen. Trotzdem gibt es ein paar Situationen, wo ein Call die beste Option istKonkret gibt es drei Ausnahmen, wo man callen sollte:

Wenn du ein Pocketpaar hast und setminen willst 

Mit Sets verdient man auf den Micro Stakes sehr viel Geld. Allerdings solltest du mit kleinen und mittleren Paaren nicht 3-betten, da du eine 4-Bet nicht callen kannst und du nicht häufig genug dein Set triffst, um die 3-Bet langfristig profitabel zu machen.

When du ein Raise, aber kein Re-Raise callen willst

Auch wenn du mit Händen wie A-K oder J-J durchaus 3-betten kannst, gibt es dennoch Situationen, in denen ein Call die bessere Option ist.

Ein Beispiel: Ein Nit raist aus Early Position. Seine Range ist in diesem Fall so stark, dass er nur mit Händen, die uns schlagen, eine 3-Bet callt. Alle schwächeren Hände wird er gegen ein Reraise einfach folden.

Wenn du eine spekulative Hand hast und du gegen einen Fisch spielst

Gleich mal vorneweg, dies gilt nur, wenn du Position hast!

Suited Connectors und Broadway-Hände können gegen einen Fischvsehr lukrativ sein, solange man die Hand in Position spielt.

In fast jeder anderen Situation sollte man entweder reraisen oder folden.

Bevor wir uns für eines von beidem entscheiden, sollten wir jedoch noch ein paar weitere Dinge berücksichtigen:

1. Die Position des Raisers

Als Erstes muss man sich die Position anschauen, aus der das ursprüngliche Raise kommt.

Das ist so wichtig, weil es die Basis dafür darstellt, dem Raiser eine Range zu geben. Generell deutet ein Raise aus Early Position auf eine deutlich stärkere Hand als eines aus Late Position hin.

Dazu muss man sich nur sein eigenes Spiel anschauen. Normalerweise spielt man in früher Position deutlich tighter als in später.

2. Was für ein Spielertyp ist der Raiser?

Dazu kann man sich die Stats anschauen oder falls man keine Tracking Software besitzt das Image des Raisers.

Selbstverständlich sollte man einem Raise eines tighten Spielers mehr Respekt entgegenbringen, als dem eines Fischs.

Um einen Spieler zu charakteriserien, solltest du dir folgende Fragen stellen:

  • Wie sieht seine Open-raising Range aus?
  • Foldet er häufig auf eine 3-Bet?
  • Mit welchen Händen 4-bettet er?
  • Wie häufig foldet er auf eine Continuation Bet?
  • Wie aggressiv ist er Postflop?

3. Hast du nach dem Flop Position?

Wie du inzwischen weißt, hat es viele Vorteile eine Hand in Position zu spielen. Deshalb ist es wichtig zu wissen, ob man nach dem Flop Position hat.

Indem man die oberen Punkte berücksichtigt, kann man seine ungefähre Position bestimmen und dem Spieler eine Range geben.

Reraise nur für Value!

no min raise

Das ist einer der entscheidenden Punkte beim Spiel vor dem Flop.

Auf den Micro Stakes macht es keinen Sinn mit marginalen Händen zu 3-betten, da man sich dadurch nur unnötig in schwierige Situationen bringt.

Deshalb sollte eine 3-Bet immer für Value sein. Ist das nicht der Fall, dann sollte man lieber folden.

Merke: Um zu bestimmen mit welcher Range man for Value 3-betten kann, sollte man Pokerstove verwenden. Gib einfach die Range des Gegners ein und schau dir die Equity an. Wenn du das einige Male gemacht hast, dann bekommst du ein Gefühl dafür mit welchen Händen du profitabel reraisen kannst.

Ein Beispiel dazu: Ein Nit raist UTG. Wenn du PokerStove verwendest, dann wirst du sehen, dass du tatsächlich nur mit AA und KK profitabel reraisen kannst.

Generell kannst du immer mit der Spitze deiner Range 3-betten, das heißt mit QQ+ und AK. 

Welche Hände sind gegen ein Reraise spielbar?

Zusätzlich zu deiner Equity gegen die Range deines Gegners, solltest du immer auch die Spielbarkeit deiner Hand berücksichtigen. Ideal wäre es natürlich, wenn du Position hast, da du dann einen Informationsvorteil besitzt.

Wenn du out of Position bist ist es daher keine gute Idee gegen einen aggressiven Spieler, der viele 3-Bets callt, mit Pocket Tens oder Pocket Jacks zu reraisen. Besonders dann, wenn du nicht genau weißt, wie du die Hand Postflop weiterspielen willst.

Dabei sollte man sich immer vor Augen halten, dass vor dem Flop der Grundstein für das Postflopspiel gelegt wird. Also versuche immer vorauszudenken und deine Position, die Spielweise des Gegners und die Spielbarkeit deiner Hand bei deinen Entscheidungen zu berücksichtigen.

Wenn du glaubst, dass dich eine 3-Bet in eine schwierige Situation bringen könnte, dann calle lieber und versuche den Pot kleinzuhalten. Falls du nicht weißt was du tun sollst, ist es manchmal sogar besser einfach zu folden als zu callen oder zu reraisen.

Wann 3-bettet man mit einer marginalen Hand?

Während eine 3-Bet mit einer marginalen Hand auf den höheren Limits zu deinem Arsenal gehören sollte, kannst du auf den Micro Stakes komplett darauf verzichten.

Beachte: Auf den Micro Stakes 3-betten wir in erster Linie für Value!

Zwar gibt es Situationen, in denen man light 3-betten kann, aber nur wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  • Du hast Position
  • Dein Gegner foldet häufig auf eine 3-Bet oder auf die anschließende Continuation Bet

Wenn du mit einer marginalen Hand 3-bettest, dann muss die nötige Fold Equity gegeben sein. Um diese zu maximieren, sollte man sich strikt an die oberen Voraussetzungen halten.

Auf den Micro Stakes ist es nicht notwendig riskante 3-Bets zu machen. Ein Reraise kann eine positive Erweiterung deines Spiels sein, aber nur, wenn du die richtigen Spots dafür auswählst. 

Crushing the Micro Stakes
Das Buch von Nathan Williams "Crushing The Microstakes" gilt als Standardwerk für die kleinen Limits.

Mit welchen Händen kann man light 3-betten?

Neben den oberen Bedingungen gibt es auch Hände mit denen man light 3-betten kann, ohne nach dem Flop Probleme zu bekommen.

Nehmen wir mal an du 3-bettest light mit einer Hand wie A-4s und der Flop bringt A-7-T. Du machst eine Contibet und wirst von deinem Gegner geraist.

Das ist für die meisten Anfänger ein ekliger Spot, da sie Top Paar mit schwachem Kicker in einem großen Pot haben, obwohl das eigentlich ein klarer Fold ist. Also falls du Schwierigkeiten hättest dich in dieser Situation von deiner Hand zu trennen, dann solltest du sie gar nicht erst spielen.

Dasselbe gilt für Hände, die in einem 3-Bet-Pot sehr häufig dominiert sind wie z.B. KJ, KQ, AT etc.

Falls es dir schwer fällt diese Hände zu folden, dann wäre es besser mit Händen wie Suited Connectors (wie beispielsweise T9s, 98s, 87s und 76s) light zu 3-betten. Mit solchen Händen triffst du den Flop oft entweder sehr gut oder nicht gut genug, um weiterspielen zu können, was es sehr viel einfacher macht sie zu folden.

Falls du den Flop gut triffst, gewinnst du zudem häufig einen großen Pot, da dein Gegner Schwierigkeiten haben wird dich auf diese Art von Händen zu setzen.

Wenn du dich, nachdem dein Gegner Stärke gezeigt hat, leicht von diesen Händen trennen kannst, dann eignen sich Suited Connectors, Suited Asse und Broadway-Karten gut für eine 3-Bet.

Logischerweise könnte man auch meinen, dass kleine und mittlere Paare zu dieser Kategorie gehören. Warum das nicht der Fall ist könnt ihr weiter oben unter “Wenn du ein Pocketpaar hast und setminen willst nachlesen.”

Die richtige Raise Size im Falle einer 3-Bet

In diesem Fall kommt es zunächst darauf an, ob du Position hast oder nicht.

In Position solltest du um das Dreifache des ursprünglichen Raises erhöhen. Out of Position dagegen um das Vierfache. 

Was tun, wenn der Gegner 3-bettet

Wenn du raist und dein Gegner 3-bettet, dann ist die Spielweise auf den Micro Stakes in den meisten Fällen straight forward.

Erstens hast du die Initiative nicht, weshalb du meistens Hit-or-Fold spielen musst. Leider trifft man nur jedes dritte Mal den Flop und so muss man sehr häufig folden.

Und selbst wenn du triffst heißt das noch lange nicht, dass du auch Auszahlung bekommst.

Wenn dein den Flop verpasst hat, wird er oft gegen eine Bet ganz einfach aufgeben und somit kann man all die Male, in denen man 10-12 BBs für den Call der 3-Bet investiert damit nicht kompensieren.

Darüber hinaus ist es ein großer Nachteil, wenn man die Hand out of Position spielen muss, da man sich die meiste Zeit nicht wohlfühlen wird, während der Gegner einen massiven Informationsvorsprung besitzt.

Noch dazu ist es out of Position schwieriger eine gute Auszahlung zu bekommen, wenn man den Flop hart getroffen hat.

Mit Händen wie AA und KK geht man auf eine 3-Bet einfach All-In.

Ob man eine 3-Bet callen sollte, ist zudem situations- und gegnerabhängig. Gegen einen loosen Spieler, der nach dem Flop passiv ist, kann man viel mehr 3-Bets callen, als gegen einen tighten Spieler der Postflop aggressiv ist.

Deshalb sollte man immer auf seine Position, die Stats des Gegners und die Playability der eigenen Hand achten. Möglichererweise bist du Preflop gegen die Range deines Gegners mit 88 vorne, aber was ist das auf einem Flop von A-J-6 noch wert?

Des Weiteren ist es in solch einem Fall sehr wichtig, vorauszudenken. Wenn du dir unsicher bist, dann folde lieber. Dabei solltest du immer daran denken, dass es auf den Micro Stakes genügend gute Spots gibt, also warum solltest du dich unnötig in schwierige Situationen verwickeln?

Die richtige Raise Size bei einer 4-Bet

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Anstatt zu 4-betten solltest du direkt All-In gehen!

Wenn dein Gegner reraist und du eine 4-Bet machen möchtest, dann sollte diese das 2,5 – Dreifache des Reraises betragen. Falls du der Meinung bist dein Gegner wird callen, dann kannst du auch etwas größer 4-betten.

Was tun, wenn der Gegner 4-bettet

Wenn der Gegner 4-bettet, dann solltest du nur AA und KK weiterspielen und mit beiden Händen All-In gehen.

Falls du Pocket Queens genauso spielen würdest, dann solltest du dir vor Augen halten, dass du gerade mal 53% Equity gegen eine loose 4-betting Range wie TT+,AQs+ und AKo hast.

Wenn die Range des Gegners noch tighter ist, was häufig der Fall sein wird, dann sinkt deine Equity sogar noch weiter. Es mag Situationen geben, die einen Call aufgrund von Pot Odds/Equity rechtfertigen, dennoch sollte man auf den Micro Stakes lieber auf bessere Spots warten und versuchen die Varianz so gering wie möglich zu halten.

Raise Size 5-Bet/All-In

Wenn dein Gegner 4-bettet und du eine Hand hast, die du weiterspielen möchtest, dann solltest du direkt All-In gehen.

Fazit

Das Spiel auf den Micro Stakes unterscheidet sich enorm von dem auf den höheren Limits und du solltest deine Spielweise entsprechend anpassen.

Es mag vielleicht uncool sein ABC Poker zu spielen und du verpasst möglicherweise die ein oder andere Situation mit einem positiven Erwartungswert, aber Poker spielt man nicht, um sein Ego zu pushen.

Dein Ziel sollte sein eine möglichst hohe Winrate zu erreichen, die Varianz gering zu halten und so schnell wie möglich in den Limits aufzusteigen.

Deshalb brauchst du eine Strategie, die dir dabei hilft, dieses Ziel möglichst schnell und einfach zu erreichen.

In diesem Artikel haben wir dir eine profitable Preflop-Strategie vermittelt. Selbstverständlich wird nicht jeder Pot schon vor dem Flop entschieden, aber mit einem guten Preflopspiel legst du den Grundstein dafür erfolgreich zu sein und die Entscheidungen in den späteren Setzrunden werden enorm vereinfacht.

Die wichtigsten Faktoren beim Spiel vor dem Flop sind:

  • Position
  • Initiative
  • Handstärke
  • Playability
  • Eine gute Einschätzung der Gegner

Wenn du all diese Punkte berücksichtigst, bevor du eine Hand spielst, dann wirst du viel bessere Entscheidungen als deine Gegner treffen.

Und genau darum geht es beim Poker: Bessere Entscheidungen und weniger Fehler zu machen als die Gegner!

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