Wie man die Micro Stakes schlägt: Das Spiel nach dem Flop, Teil 2

Das Spiel nach dem Flop

Nathan “BlackRain79” Williams ist einer der erfolgreichsten Spieler aller Zeiten auf den Micro Stakes und hat die ultimative Artikelserie für den Einstieg in die Pokerwelt geschrieben. Im zweiten Teil zum Spiel nach dem Flop erklärt er euch wie ihr eure Gegner kategorisieren könnt und zum Schluss verrät er die drei wichtigsten Regeln auf den Micro Stakes.

Im ersten Teil zum Spiel nach dem Flop gab euch Nathan Williams Beispiele für die richtige und die falsche Vorgehensweise nach dem Flop und erläuterte, woran man einen starken Spieler erkennt.

Erinnerst du dich an die Richtlinien vor dem Flop, wo wir herausstellten, wie wichtig Position und Initiative sind, um in späteren Setzrunden einfachere Entscheidungen treffen zu können?

Mit Position hast du mehr Kontrolle über den Pot. Checkt der Gegner etwa, kannst du mit einem Check die Setzrunde abschließen.

Wie bereits beschrieben, hast du auch einen großen Informationsvorsprung. Ohne Position kann dein Gegner immer noch setzen (wenn du checkst) und raisen (wenn du setzt).

Die Bedeutung der Initiative

Der zweite Faktor, den wir in den Artikeln zum Spiel vor dem Flop besonders herausstellten, war die Initiative.

Zu dem Spieler mit Initiative wird ohne Position meist gecheckt und in Position wird eher gecallt als geraist.

Dies ist vor allem für die Planung der Hand sehr wichtig, wie wir später sehen werden.

Auf diese Weise kannst Du entweder wie dein Gegner checken, wenn du Pot-Kontrolle betreiben willst, oder weniger setzen.

Planung der Hand

Hast du alles gemacht, wie wir es empfehlen, weißt du, mit welchem Gegnertyp du es zu tun hast und ob du um einen großen oder einen kleinen/mittleren Pot spielen willst.

Das Spiel nach dem Flop
Man sollte sich schon vor dem Flop einen Plan für das Spiel nach dem Flop machen.

Nun ist es an der Zeit, die nächste Stufe der Planung anzugehen. Durch sie machst du weniger Fehler und vermeidest schwierige Entscheidungen.

Zielgerichtete Setzfolgen

Weißt du schon, dass du um einen großen Pot spielen willst, solltest du über Setzfolgen nachdenken, mit denen du dieses Ziel erreichst.

Hier einige grobe Richtlinien:

Setzfolgen in Position:

Starke Hand:

Wenn du eine starke Hand hast und um Stacks spielen willst, musst du natürlich in jeder Runde setzen oder raisen.

Gute Hand:

Mit einer guten Hand, mit der du aber nicht um den gesamten Stack spielen willst bzw. Potkontrolle betreiben willst, solltest du in einer Setzrunde checken.

Überleg dir im Voraus, in welcher Setzrunde du checken willst. Eine häufige Setzfolge ist Bet auf dem Flop und Check auf dem Turn.

Oft callt der Gegner dann eine River-Bet, weil er wegen des Checks auf dem Turn eine schwache Hand vermutet.

Ein Check auf dem Turn kann außerdem einen gegnerischen Bluff auf dem River mit einer Hand provozieren, die eine Bet nicht gecallt hätte.   

Eine andere Variante ist ein Check auf dem Flop. Dieser kann dazu führen, dass der Gegner mit schwächeren Händen auf Turn und River callt, weil er dir keine gute Hand zutraut.

Setzfolgen ohne Position:

Starke Hand:

Eine Möglichkeit ist zum Beispiel ein Check-Raise, um den Pot aufzubauen. Meinst du, dass dein Gegner vielleicht nicht immer setzt, solltest du selbst in allen Setzrunden anspielen.

Gute Hand:

Mit einer guten Hand, mit der du aber nicht um deinen ganzen Stack spielen willst, musst du vorsichtig sein.

Denk dran, dass du im Nachteil bist. Dein Gegner kann raisen und dich aus deiner Komfortzone bringen. Außerdem kann ein Check als Schwäche erkannt werden.

Setzt dein Gegner, musst du überlegen, ob du gegen einen aggressiven Spieler auch spätere Bets callen willst.

Vor allem ohne Position (aber auch mit) musst du bei der Wahl der Setzfolge einige Faktoren berücksichtigen.

Stil des Gegners

Bei der Überlegung, welche Setzfolge die beste ist, musst du den Stil deines Gegners berücksichtigen.

Die Unterscheidung zwischen schwachem und gutem Spieler reicht dabei nicht mehr aus.

Ein schwacher Spieler zum Beispiel callt vielleicht dreimal mit einer schwachen Hand, würde aber nicht damit setzen.

Neben der Unterscheidung zwischen schwachen und guten Spieler, musst du auch zwischen passiven und aggressiven Spielern unterscheiden.

Passive Gegner

Gegen einen passiven Spieler ist Potkontrolle viel einfacher. Bei einem Check weißt du, dass der Gegner außer mit einer starken Hand auch checkt.

Das Gleiche gilt in Position, da dein passiver Gegner meist checkt und selten setzt. Wie du dir leicht vorstellen kannst, wäre es ideal, nur gegen passive Gegner zu spielen, da man leicht den Pot kontrollieren und schöne Gewinner mit seinen guten Händen erzielen könnte.

Leider ist es nicht immer so einfach.

Aggressive Gegner

Aggressive Gegner übernehmen eher die Initiative und bringen dich damit in schwierigere Situationen.

Sobald sie Schwäche riechen, versuchen sie den Pot an sich zu reißen. Hast du Position und die Initiative ist das kein so großes Problem, da du mit einem Check Potkontrolle betreiben kannst.

Anders sieht es aus, wenn du keine Position hast.

Checkst du zwecks Potkontrolle, übt dieser Gegner oft Druck mit einer Bet aus. Und bei einem richtig aggressiven Gegner weißt du schon, dass er in der(n) nächsten Setzrunde(n) auch anspielen wird.

In diesem Fall geht die Potkontrolle oft verloren und du musst dir gut überlegen, mit welchen Händen du weiterspielen willst.

Natürlich ist gegen solche Spieler vor allem ohne Position die Planung der Hand eine schwierige Aufgabe.

Einsatzhöhen

Neben der besten Setzfolge ist auch die Einsatzhöhe wichtig.

Cunningham makes a raise
Die richtige Betsize ist entscheidend.

Normale Einsatzhöhen liegen zwischen halbem Pot und ganzem Pot, doch beantwortet dies noch nicht die Frage, wann man halben Pot oder drei Viertel des Pots setzen soll.

Dazu ein Beispiel: Du raist aus UTG auf 4 BB und wirst vom Big Blind gecallt.

Vor der Hand hattet ihr beide 100 BB. Runden wir auf 8 BB auf dem Flop ab, um es einfacher zu haben.

- Setzt du in jeder Setzrunde halben Pot und dein Gegner callt, sind auf dem River 64 BB im Pot und du und dein Gegner habt noch 68 BB übrig.

- Setzt du in jeder Setzrunde drei Viertel des Pots und dein Gegner callt, sind auf dem River 124 BB im Pot und du und dein Gegner habt noch 38 BB übrig.

- Setzt du in jeder Setzrunde ganzen Pot und dein Gegner callt, sind auf dem River 201 BB im Pot und du und dein Gegner seid auf dem River All-In.

Siehst du den Unterschied? Dir muss klar sein, dass die Bets in späteren Setzrunden wegen des größeren Pots höher sind.

Während drei Viertel des Pots auf dem Flop nur 6 BB sind, sind es auf dem River schon 37 BB.

Die Einsatzhöhen haben also einen großen Einfluss darauf, wie groß der Pot am Ende sein wird.

Willst du um den gesamten Stack spielen, reichen drei Bets in halber Potgröße natürlich nicht aus. Umgekehrt solltest du keine Bets in Potgröße abfeuern, wenn du den Pot nicht aufblähen willst.

Über Einsatzhöhen gehen die Meinungen auseinander. Einige Spieler empfehlen, unabhängig von der Hand immer gleich viel zu setzen. Ein anderer Ansatz besteht darin, auf einem drawlastigen Board mehr zu setzen und auf einem trockenen Board weniger.

Sind die Einsätze unterschiedlich, kann der andere Spieler leicht erkennen, dass man mit einer starken Hand mehr setzt als mit einer schwachen.

Diese Begründung stimmt zwar, doch stellt sich die Frage, ob auf den Microstakes jemand darauf achtet.

Dort ist die Frage weniger, ob man seine Einsätze ausgewogen gestaltet, sondern ob der Gegner callt.

Stell dir vor, du hast ein Monster und willst um einen großen Pot spielen und bist sicher, dass dein Gegner eine Bet in doppelter Potgröße callen wird. Warum solltest du nicht so spielen?

Auf den Micro Stakes geht es darum, aus den richtigen Gegnern in den richtigen Situationen Geld herauszuholen, und das klappt nur mit hohen Value Bets.

Schlussfolgerungen für die Planung der Hand

Planst du deine Hand, indem du dir überlegst, um welche Potgröße du spielen willst, was die beste Setzfolge ist, mit welchem Gegnertyp du es zu tun hast und was die richtige Einsatzhöhe ist, hast du nach dem Flop ein deutlich leichteres Leben.

Dann gibt es deutlich weniger Überraschungen, da du die meisten Situationen schon durchdacht hast.

Du machst auch weniger Fehler, weil du einen Plan hast, und wenn die Situation sich anders entwickelt, erschrickst du nicht hinterher, dass alles anders als gewollt ablief.

Continuation Bets

Zwar sprachen wir schon über spätere Setzrunden, doch muss ein Thema noch gesondert behandelt werden, und zwar die Continuation Bet.

Mit unserer Preflop-Strategie hast du meist Position und Initiative, doch das bedeutet nicht, dass du immer den Flop triffst.

Tatsächlich triffst du öfter keine gute Hand. Doch das Gute daran ist: Dein Gegner auch nicht!

Normalerweise würdest du diese Hände auf dem Flop aufgeben, doch es gibt eine Ausnahme, wenn du vor dem Flop der Aggressor warst.

Dann kannst du eine Continuation Bet bringen und hoffen, dass dein Gegner auch nichts getroffen hat und foldet.

Bevor wir erörtern, wann du eine Continuation Bet bringen solltest, wollen wir uns anschauen, wie oft du bei verschiedenen Einsatzhöhen gewinnen musst, um profitabel abzuschneiden.

- Bei halbem Pot ist deine Continuation Bet profitabel, wenn dein Gegner in 33% der Fälle foldet.

- Bei drei Viertel des Pots ist deine Continuation Bet profitabel, wenn dein Gegner in 43% der Fälle foldet.

- Bei ganzem Pot ist deine Continuation Bet profitabel, wenn dein Gegner in 50% der Fälle foldet.

Selbst eine Bet in Potgröße ist also profitabel, wenn dein Gegner jedes zweite Mal foldet. Die entscheidende Frage aber lautet: Warum solltest du Potgröße setzen, wenn weniger auch ausreicht?

Eine normale Continuation Bet beträgt zwei Drittel des Pots und muss in 39% der Fälle funktionieren. Aber wenn eine Continuation Bet mit halbem Pot deiner Meinung nach auch reicht, gibt es keinen Grund für die höhere.

Wird deine Continuation Bet aber auf dem Flop gecallt, solltest du die Hand anschließend aufgeben. Tappe nicht in die Falle, auf den Microstakes zu oft zu bluffen.

Die drei wichtigsten Regeln auf den Microstakes

Du weißt bereits, dass erfolgreiches Abschneiden auf den Microstakes davon abhängt, gegen die richtigen Gegner deinen Gewinn zu maximieren.

Nathan Williams
Es ist das Anliegen von Nathan Williams euch mit dieser Artikelserie zu vermitteln, wie man die Micro Stakes schlägt.

Umgekehrt geht es aber auch darum, deine Verluste zu minimieren.

Das geht sogar recht leicht, wenn du dein Ego zu Hause lässt!

Befolge die folgenden Ratschläge und mach nicht die gleichen Fehler wie viele andere Spieler.

1. Achtung, wenn du geraist wirst!

In der Regel bedeutet ein Raise auf den Microstakes große Stärke. Die meisten Spieler sind passiv, daher haben sie meist die Nuts oder etwas in der Art, wenn sie auf einmal raisen.

Das gilt vor allem für Raises auf Turn und River. Lass dein Ego aus dem Spiel und folde in solchen Situationen einfach.  

Auch ein Raise auf dem Flop bedeutet in der Regel Stärke. Vor allem ohne Position und starke Hand solltest du einfach folden und auf eine bessere Gelegenheit warten.

Meist wirst du in späteren Setzrunden mit weiteren Bets konfrontiert und ohne Top Pair plus Top Kicker solltest du keinen großen Pot austragen. Es ist nichts dabei, mit einem Fold den sicheren Weg einzuschlagen.

2. Keine Bluffs!

Der durchschnittliche Spieler auf den Microstakes callt viel zu oft. Das führt zu großer Varianz, aber auch zu Frust, wenn ein Spieler Calls macht, die er eigentlich nicht machen sollte.

Du willst mit starken Händen das Maximum herausholen, aber nicht Gegner bluffen, die den Fold-Knopf nicht finden.

Die einzige Ausnahme ist die vorher beschriebene Continuation Bet.

3. Suche die Tische mit den schwachen Spielern!

Der durchschnittliche Spieler auf den Microstakes ist heute besser als vor einigen Jahren. Dennoch gibt es nicht viele gute Spieler auf diesem Niveau.

Der einzige Unterschied besteht darin, dass früher nur schlechte Spieler an einem Tisch saßen, und es heute vielleicht noch drei bis fünf sind.

Das sollte für eine hübsche Gewinnrate immer noch locker ausreichen, wenn du dich an die empfohlene Strategie hältst.

Zur Vereinfachung kannst du dir die Tische aussuchen, an denen die schlechten Spieler sitzen. Tische mit einem durchschnittlichen VPIP von 30% sind meist sehr profitabel und fast jeder Online-Anbieter zeigt diesen Wert in der Lobby an.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, eine Liste mit den Pseudonymen der schwachen Spieler zu führen. Fast jeder Anbieter hat die Option, nach einem Spielernamen zu suchen. 

Fazit

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Das Ziel unserer Artikelserie ist, dir ein besseres Verständnis vom Spiel auf den Microstakes zu vermitteln. Mittlerweile solltest du einen guten Eindruck bekommen haben, wie man sich auf diesen Limits richtig verhält und erfolgreich spielt.

Wir wünschen dir viel Glück an den Tischen!

 

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