Wie man die Micro Stakes schlägt: Das Spiel nach dem Flop, Teil 1

Das Spiel nach dem Flop

Nathan “BlackRain79” Williams ist einer der erfolgreichsten Spieler aller Zeiten auf den Micro Stakes. Beim Schreiben des Artikels zum Spiel nach dem Flop hat er sich mit anderen starken Spielern zusammengetan. Im ersten Teil erläutert er euch die richtige Vorgehensweise, sagt woran man einen guten Spieler erkennt, und wie man die unterschiedlichen Hände richtig spielt.

Wie Ihr in unserer in Teil 1 und Teil 2 zum Spiel vor dem Flop gesehen habt, benötigt man auf diesem Niveau einen allgemeineren Ansatz.

Das gilt auch für das Spiel nach dem Flop.

Wie beim Spiel vor dem Flop legen wir zunächst die Ziele fest und schauen dann, wie wir diese erreichen können.

Zur Erinnerung:

Das Spiel auf den Microstakes dreht sich darum, mit seinen guten Händen ausbezahlt zu werden.

Gut ist, dass es auf den Microstakes viele schwache Spieler gibt.

Man muss in der Lage sein, in Situationen zu folden, in denen man nur einen kleinen Pot gewinnen, aber einen großen verlieren kann.

Um auf den Microstakes profitabel zu spielen, muss man nicht jeden mickrigen Vorteil ausnutzen, sondern sich auf eine solide Strategie konzentrieren, die nur dafür ausreicht, auf den Microstakes erfolgreich abzuschneiden.

Die falsche Vorgehensweise

Wie erwähnt, gibt es auf den Microstakes viele schwache Spieler. Erzielst Du nur in den profitabelsten Situationen Gewinn (die gibt es häufig), reicht dies für eine solide Gewinnrate mit niedriger Varianz und einen schnellen Aufstieg in den Limits.

Die meisten Spieler auf diesen Limits tun aber das Gegenteil. Statt sich auf schwache Spieler zu konzentrieren, versuchen sie gegen andere gute Spieler kleine Vorteile zu erzielen.

Außerdem versuchen sie gegen schwache Spieler Semi-Bluffs, reine Bluffs oder heldenhafte Calls und produzieren so mehr Varianz, eine niedrigere Gewinnrate und Frust.

In diese Falle sollte man nicht tappen.

Die richtige Vorgehensweise

Statt einer avancierten Vorgehensweise, die gegen die meisten Spieler auf den Microstakes nicht funktioniert, sollte man so spielen:

Konzentration auf die Situationen, bei denen man wirklich Geld gewinnen kann!

nathan williams
Micro Stakes Legende Nathan "BlackRain79" Williams weiß, worauf es nach dem Flop ankommt.

Hier einige grobe Richtlinien, wie eine solide Strategie nach dem Flop auf den Microstakes aussehen sollte:

Großer Pot, große Hand, kleiner Pot, kleine Hand

Wie nimmt man schlechten Spielern Geld ab? Mit einem Satz: Spiele mit großen Händen um große Pots und mit kleinen Händen um kleine Pots.

Dies deckt sich mit dem Ziel, das wir am Anfang dieses Artikels formulierten: Lass Dich mit den guten Händen auszahlen und folde Hände, bei denen du viel verlieren, aber wenig gewinnen kannst.

Definition großer und kleiner Hände

Das klingt einfach, aber die Antwort auf die Frage, was große und was kleine Hände sind, lautet: „Je nachdem.“

Eine Hand wie Top Pair, Top Kicker ist gegen einen guten Spieler mittelmäßig. Normalerweise bezahlt er seinen Gegner nicht in allen drei Setzrunden mit der schwächeren Hand aus.

Du jedoch kannst gegen einen solchen Gegner einen großen Pot verlieren, wenn du zu viel Geld investierst.

Ein schlechter Spieler jedoch investiert mit einer Hand wie Top Pair, schwacher Kicker seinen gesamten Stack, womit dein Top Pair, Top Kicker gegen diesen Gegner eine „große“ Hand ist.

Die erste Unterscheidung vor der Klassifizierung einer Hand ist also der Gegner.

Schauen wir uns die Unterschiede zwischen einem schwachen und einem starken Gegner an.

Erkennen eines schwachen Spielers

Schwache Spieler bezahlen ihren Gegner mit schwachen Händen aus, daher solltest du gegen sie permanent Value Bets mit guten Händen bringen.

Wie erkennt man diese Spieler? 

Zunächst solltest du auf Showdowns achten. Durch sie bekommst du die meisten und die genauesten Informationen.

Entdeckst du einen Spieler, der zum Beispiel in allen drei Setzrunden mit maximal Top Pair callte, handelt es sich vermutlich um einen schwachen Spieler, der dich regelmäßig mit einer schwächeren Hand ausbezahlt.

Beim Showdown siehst du auch, welche Hände deine Gegner in welcher Position spielen. Raist jemand mit A7s oder KJo aus erster Position, kennst du sein Spektrum in späteren Händen und weißt, dass er loose ist.

Vermutlich weiß dieser Spieler auch nicht, in welchem positionellen Nachteil er sich befindet.

Andere Informationen, auf die du achten solltest:

- Wie viele Hände spielt jemand und raist er oder ist er eher passiv und callt viel? Spieler, die viele Hände spielen, aber selten raisen, sind oft schwach.

- Benutzt du ein HUD, siehst du auch, ob zwischen seinem VPIP und seinem PFR eine Differenz besteht. Bei schwachen Spielern ist sie oft groß.

- Benutzt du ein HUD, solltest du auch darauf achten, wie oft ein Spieler auf Reraises und C-Bets foldet. Foldet ein Spieler selten, callt er vermutlich mit schwächeren Händen.

Dein Ziel ist, schwache Spieler so schnell wie möglich zu identifizieren, wenn du dich an einen neuen Tisch setzt.

Erkennen eines guten Spielers

Wer nicht in die Kategorie der schwachen Spieler fällt, wird automatisch als guter Spieler klassifiziert.

Das heißt aber nicht automatisch, dass er auch wirklich gut ist. Du solltest aber auf jeden Fall vorsichtiger gegen diese Spieler sein.

Grundsätzlich solltest du gegen diese Spieler solide spielen und dich nur in große Pots verwickeln lassen, wenn du eine sehr starke Hand hast.

Trifft dies nicht zu, spielst du unkomplizierter und wählst den Weg mit der niedrigeren Varianz.

Wie erwähnt, liegt die Konzentration auf den schwachen Spielern, aber mit einer soliden Strategie kannst du vielleicht auch gegen die anderen Spieler Geld gewinnen.

Klassifizierung großer und kleiner Hände

Nach der Unterscheidung der Gegnerarten kann man deutlich leichter festlegen, was eine große und was eine kleine Hand ist.

Im Folgenden beschreiben wir Handtypen und welche Ziele du mit diesen Händen verfolgen solltest.

Zur Erinnerung: Dies sind nur ungefähre Richtlinien, denn beim Poker ist jede Situation anders. Du musst immer das Board analysieren und überprüfen, wie es dem gegnerischen und deinem Spektrum geholfen hat.

Bei den folgenden Ratschlägen gehen wir davon aus, dass keine Straights oder Flushes möglich sind. Dementsprechend solltest du vorsichtiger sein, wenn sie möglich sind.

Kein Paar/Schrott

Diese Hände sind einfach zu spielen. Gib einfach auf, wenn die Continuation Bet nicht funktioniert.

Paare

Bei Paaren kann man leicht zwischen Top Pair, Middle Pair und niedrigeren Paaren unterscheiden. Außerdem spielt der Kicker eine Rolle.

Schwache Paare wie Middle Pair oder weniger kannst du problemlos aufgeben, wenn die Continuation Bet nicht erfolgreich war.

Mit einem gefloppten Top Pair hast du weiterhin eine kleine Hand, mit der du gegen starke und schwache Spieler mit Vorsicht weiterspielen solltest.

Bei Top Pair, Top Kicker kannst du eine Unterscheidung zwischen den Gegnern treffen. Gegen einen guten Spieler solltest du nicht um einen großen Pot spielen, gegen einen schwachen Spieler aber viele Value Bets bringen.

Obwohl diese Hand gegen einen schwachen Spieler im Wert steigt, gehört sie nicht zu den Händen, die das große Geld bringen.

Overpairs

Auf den ersten Blick sieht ein Overpair immer gut aus, aber du solltest dir die Frage stellen, ob ein guter Spieler dich mit einer schlechteren Hand tatsächlich drei Setzrunden lang ausbezahlt.

Wenn dies vermutlich nicht der Fall ist, solltest du auch nicht um einen großen Pot spielen.

Gegen schwache Spieler ist diese Hand aber sehr profitabel. Nehmen wir an, du hast KK auf einem Flop mit Q85 und dein Gegner hat AQ. Die Chancen stehen dann sehr gut, dass er dich in allen drei Setzrunden ausbezahlt.

Natürlich musst du dein Overpair richtig einschätzen. 99 auf einem Board mit 852 ist natürlich etwas ganz anderes als die Könige von eben.

Two Pairs

Gegen gute Spieler solltest du diese Hände wie ein Overpair behandeln. Du willst Geld gewinnen, aber nicht den Pot aufblähen.

Gegen schwache Spieler ist diese Hand sehr profitabel und  du solltest möglich viele Value Bets bringen. Solche Gegner zahlen dich mit schwächeren Händen aus.

Trips

Trips sind zwar eine gute Hand, aber nicht so versteckt wie ein Set. Gegen gute Spieler ist daher größere Vorsicht geboten.

Bei Trips spielt der Kicker eine wichtige Rolle. Mit T9 solltest du auf einem Board mit 992 nicht deinen ganzen Stack investieren und dir dann den besseren Kicker zeigen lassen.

Wie mit einem Two Pair willst du Geld gewinnen, aber nicht unnötig den Pot aufblähen.

Gegen schwächere Spieler musst du dir wegen des Kickers weniger Sorgen machen, da diese dich auch mit schlechteren Händen wie Overpairs oder Top Pairs auszahlen.

Schwache Spieler lassen sich nicht gern bluffen, daher kontrollieren sie oft nach.

Sets

Bei diesen Händen musst du keine Unterscheidung zwischen deinen Gegnern treffen, sondern erbarmungslos setzen.

Straights und Flushes
Straights und Flushes sind die Hände, mit denen man die richtig großen Pötte gewinnt.

Natürlich musst du auf das Board und mögliche Straights und Flushes achten, aber wenn keine derartige Gefahr besteht, solltest du einfach nur versuchen, deine Chips komplett in die Mitte zu bekommen.

Straights

Gegen gute Spieler gewinnst du damit gutes Geld, wenn du die Nuts hast.

Mit dem unteren Ende oder wenn vier Karten zur Straight auf dem Board liegen, solltest du vorsichtiger sein, da gute Spieler dich bei einer offensichtlichen Straight nicht mit der schlechteren Hand auszahlen werden.

Gute Straights sind aber profitable Hände, mit denen du deinen Gewinn maximieren solltest.

Gegen schwache Spieler muss man sich weniger Gedanken machen, da diese auch mit Two Pairs oder Top Pair ausbezahlen. Die Ausnahme sind vier Karten zur Straight, wenn du das untere Ende hast.

Flushes

Gegen gute Spieler sind nur Nut Flushes sehr profitabel. Ein schwächerer Flush reicht ebenfalls für eine Value Bet aus, doch vor allem bei vier Karten zum Flush auf dem Board solltest du wesentlich vorsichtiger sein.

Gegen schwache Spieler sind diese Hände in der Regel sehr profitabel, da diese oft einen Bluff vermuten und dich mit schlechteren Händen ausbezahlen.

Die Ausnahme sind vier Karten zum Flush, wenn du nicht die Nuts hast. Dann solltest du vorsichtiger sein.

Monster: Full House und besser

Diese Hände sprechen natürlich für sich selbst. Gegen beide Spielertypen solltest du versuchen, das Maximum herauszuholen.

Da diese Hände sehr profitabel sind, solltest du sie auch so spielen.

Draws

Das ist eine spezielle Kategorie. Meist hast du kein Paar oder nur ein schwaches, aber das Potential für eine sehr starke Hand.

Gegen gute Spieler kannst du Draws etwas aggressiver spielen, da du vermutlich Fold Equity hast.

Gegen sie kannst du die Hand auf zwei Arten gewinnen: Entweder du triffst deinen Draw oder der Gegner foldet. Dennoch solltest du an die Stärke deines Draws denken, wie wir das bei den Einträgen zu Flushes und Straights erwähnten.

Gegen schwache Spieler solltest du mit diesen Händen vorsichtiger sein, wenn du nicht zusätzlich ein Paar hast. Schwache Spieler folden nicht gern, daher ist ein Semi-Bluff nicht so schlagkräftig.

Teilweise beruht der Semi-Bluff auf Fold Equity, und die gibt es gegen diese Spieler kaum. Gegen schwache Spieler sollte man Draws deshalb passiver spielen und callen statt raisen, wenn die Pot Odds stimmen.

Nachdem wir dieses Mal die verschiedenen Arten von Händen untersuchten und die Frage klärten, was Hände für große Pots und was Hände für kleine Pots sind, werden wir in Teil 2 zeigen, wie man seine Hände planvoll spielt.

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