Was wurde aus der Berliner Croupierschule?

CCA Berlin Logo
Logo der Berliner Croupierschule

Die Eingangstür ist verschlossen, das Telefon ist tot. Wer die Facebookseite anklickt bekommt eine Fehlermeldung. Eingabe der deutschen Webadresse „www.croupierschule.de“ führt auf die UK-Seite www.croupieracademy.co.uk. Aktuelle Informationen zur Croupierschule der „Cerus“ in Berlin-Friedrichshain sind nicht zu bekommen. Auch eine Anfrage auf der englischen Facebookseite und eine E-Mail an die britische Niederlassung in Manchester zum Schicksal der Berliner Niederlassung blieben unbeantwortet.

Was mag passiert sein? Bei einem Besuch im März 2016 wirkten die Verantwortlichen vor Ort sehr betriebsam und engagiert.

Das französische Unternehmen Cerus betreibt seit 2003 erfolgreich Croupierschulen in Städten Frankreichs, Englands, Belgiens, Italiens, in Nikosia/Zypern und in Mexico City. Im Oktober 2015 wurde die Niederlassung Berlin hoffnungsvoll gestartet. Jetzt, 10 Monate später, scheint die Hoffnung dahin zu sein. Das Firmenschild hängt noch neben der Tür der Niederlassung in der Silvio-Meier-Straße, die Tür ist jedoch geschlossen, von außen sind keinerlei Aktivitäten im Innern zu erkennen.

Croupierschule Fhain
(Ex-)Croupierschule Berlin Friedrichshain

Eine meiner ersten Fragen bei meinem Besuch im März 2016 bezog sich auf die Teilnehmerrekrutierung. Die Croupierausbildung ist selbstverständlich kostenpflichtig. Und ein mehrwöchiger Ausbildungskurs soll nicht nur die Teilnehmenden für den Croupierberuf fit machen, sondern auch dem Betreiber einen Profit generieren. Deswegen müssen die Teilnehmer für die Ausbildung zahlen. Dazu gibt es Teilzahlungsmodelle, bzw. die Möglichkeit, die Lehrgangskosten erst nach erfolgreicher Vermittlung in einen Arbeitsplatz zu begleichen. Die Vermittlung in einen Casino-Arbeitsplatz wird von Cerus für erfolgreiche Absolventen garantiert.

In Deutschland ist es üblich, dass Spielbanken ihren Croupiernachwuchs selbst ausbilden. Das ist mit Kosten für Rekrutierung, Schulungspersonal, Schulungsinfrastruktur und mit einem unvermeidlichen „Schwund“ bei der Ausbildung verbunden, da nicht alle Startenden letztlich das Schulungsziel erreichen.

Hier setzte das Ausbildungskonzept von Cerus an. Denn für die Casinos entfallen Auswahl- und Qualifizierungskosten. Cerus bildet die Fachkräfte aus, die Spielbanken und Casinos vermeiden die beschriebenen Anlaufkosten und bekommen fertig ausgebildeten Nachwuchs.

Das scheint in Berlin nicht funktioniert zu haben. Ob überhaupt ein einziger Croupierkurs begonnen hat, ist nicht sicher. Und es bleiben Fragen: Woran mag es gelegen haben? Wer käme als Azubi dafür in Frage? Wer ist bereit, sich auf einen solchen Lehrgang einzulassen und wer kann sich das finanziell leisten?

Vermutlich Menschen, die ein Interesse am Croupierberuf haben und in der Lage sind, die Gebühren zu zahlen. Sicherlich gäbe es auch unter den Berliner Arbeitslosen geeignete Leute, allerdings dürften die kaum fähig sein, einen solchen Lehrgang aus eigener Tasche zu zahlen.

Eine denkbare Finanzierungsquelle wäre demnach die Agentur für Arbeit. Prinzipiell können Arbeitsagenturen Qualifizierungskosten übernehmen, wenn die Ausbildung „arbeitsmarktpolitisch sinnvoll“ ist, d.h. wenn der Arbeitsmarkt einen entsprechenden Mitarbeiterbedarf signalisiert und die Absolventen anschließend sozialversicherungspflichtig in Lohn und Brot kommen. Allerdings sind die Anforderungen der Agentur für Arbeit an Fortbildungsinstitute sehr hoch. Ein Weiterbildungsinstitut muss sich durch unabhängige Stellen zertifizieren lassen und die Vorlaufkosten zum Erlangen der Zertifizierung sind recht hoch.

So scheint es also, dass nicht ausreichend Interessenten gefunden wurden, um den Schulungsbetrieb rentabel zu machen und dass das Engagement der Cerus in Berlin erfolglos geblieben ist.

Schade!

 

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