Was so im Netz nicht zu finden ist.

michael ausserbauer
Royal Flush Leiter Michael Außerbauer.

Michael Außerbauer vom Royal Flush Magazin über die Unterschiede von Online- und Offline-Berichterstattung, die nächste Ausgabe und die Zukunft von Poker.

PZ: Es gibt neben dem Royal Flush noch mehrere weitere deutsche Pokermagazine, ganz abgesehen von den deutschen bzw. europäischen Ausgaben von CardPlayer und Bluff Magazine. Wie viele Pokerzeitschriften verträgt der deutsche Markt?

Royal Flush: Wir sind überzeugt, dass mit Konsolidierung des Booms, also einer zu erwartenden Stagnation auf hoher Ebene, sich der Markt nivellieren und bereinigen wird. Sicherlich aber wird nicht nur Platz für ein Magazin sein, denn - wie bei anderen Themen auch - will der Leser kein Monopol sondern Diversifikation.

PZ: Wo positioniert sich das Royal Flush und was unterscheidet die Zeitschrift von den Mitbewerbern?

Royal Flush: Information kann sich jeder zu jeder Zeit aus dem Internet holen. Zwar liefern wir das auch in Form von Turnierberichten etc. Aber darüber hinaus wollen wir auch Lesestoff bieten, der so nicht überall verfügbar ist. Seien dies jetzt die Ratschläge und Tipps von Doc Keiner oder seien dies karikierende und glossierende Artikel oder auch Interviews mit den Stars. Auch unsere Strategie-Artikel sind so im Netz nicht zu finden. Das ist das, was wir als Alleinstellungsmerkmal noch weiter vertiefen wollen.

PZ: Pokerspieler sind ständig im Internet. Steht das nicht im Widerspruch zum Printprodukt insgesamt und wird es auf Dauer möglich sein, Zeitschriften zu erhalten?

Royal Flush: Mit diesem Widerspruch müssen wir leben. Aber wie bereits oben erwähnt, wollen wir Informationen und Unterhaltung bieten, die so im Netz nicht zu finden sind. Und mit dieser Mischung haben Print-Magazine eine echte Chance, einen guten Markt zu finden. Das gilt nicht nur für Poker, das gilt fast für alle Sparten. Für einige Sachen greift man als Konsument doch lieber wieder zum guten, alten Papier zurück.

PZ: Sollte Online-Poker ein Thema für eine Pokerzeitschrift sein? Ist denn eine Berichterstattung darüber überhaupt möglich?

Royal Flush: Online-Poker muss sogar ein Thema sein, denn wenn sich die Majorität der Leser damit beschäftigt, können wir das nicht außen vor lassen. Und so analysieren wir beispielsweise auch Software und nehmen immer wieder Bezug zum Online-Spiel. Übrigens auch in den Fragen, die ein gestandener Live-Spieler wie Doc Keiner immer wieder beantwortet. Man kann nicht so tun, als gäbe es online nicht.

PZ: Werden die Online-Anbieter sich mit der Zeit gegenseitig vom Markt nehmen und nur eine Handvoll große Anbieter überleben? Würde sich das auf die Berichterstattung bzw. die Themenauswahl im Royal Flush auswirken?

Royal Flush: Auch da wird es eine Bereinigung geben. Aber ich sehe immer noch genügend Nischen, in denen die Kleinen überleben können. Allerdings wird der Konkurrenzkampf stärker werden und damit verbunden werden die Gewinne schrumpfen. Auf unsere Berichterstattung hätte das kaum Einfluss.

PZ: Wie sehen Sie die rechtliche du gesellschaftliche Situation von Poker in Deutschland? Wie wird sich die Lage in Zukunft entwickeln?

Royal Flush: Die gesellschaftliche Situation ist mittlerweile geprägt von einer großen Akzeptanz für Poker. In den Supermärkten gibt es Pokersets, Mischmaschinen und was sonst noch alles. Die junge Generation kennt dieses typische Zerrbild vom dunklen Hinterzimmer mit lauter bewaffneten Betrügern nicht mehr. Die denken bei Poker eher an Negreanu und Ferguson. Das wird beinahe wie ein Sport gesehen.

Die Rechtslage allerdings richtet sich immer noch an diesem alten Bild aus. Und an Five-Card-Draw. Und das ist wirklich ein Glücksspiel, das wissen wir alle. Aber die modernen, strategischen Pokervarianten sind an der Justiz spurlos vorübergegangen. Hier besteht Handlungsbedarf. Zwar gibt es viele Initiativen - aber die rennen bei bestehender Gesetzeslage gegen geschlossene Türen. Hier wäre eine Harmonisierung des Rechtes auf europäischer Basis wünschenswert.

PZ: Der große Hype der letzten Jahre scheint vorbei zu sein. Dennoch werden die Europäer in jüngerer Vergangenheit gerade bei der WSOP und EPT immer erfolgreicher. Kann Europa in den kommenden Jahren mit den amerikanischen Spielern gleichziehen oder wird das Interesse hierzulande eher wieder abnehmen?

Royal Flush: Das Interesse wird sicher wieder ein wenig abflauen. Aber zurück bleibt eine solide Basis. Wie seinerzeit nach Boris Beckers erstem Wimbledon-Sieg, als plötzlich alle Tennis spielen wollten oder immerhin Tennis-Experten waren. Zurück bleiben - nicht nur hier, sondern in ganz Europa - begabte und brillante Spieler wie Hansen, Thorsen, Pagano, Ruthenberg, Keiner und so viele andere. Europa holt auf. Aber in den USA ist Poker Volkssport. Bei uns noch nicht ganz. Also wird es wohl noch ein wenig dauern, bis Europa gleichauf ist. Aber bei solchen Prognosen kann man sich gewaltig täuschen.

PZ: Letzte Frage: Wie hoch (in Prozent) ist der Glücksanteil beim Pokern?

Royal Flush: 10 % . Weil es nur am Rande auf die Karten ankommt, sondern darauf, was ich damit mache.

 

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