Was Sie noch über Zynga wissen sollten

zynga-poker

Vor kurzem wurden Gerüchte laut, dass Yahoo am in die Krise geratenen Unternehmen Zynga interessiert ist. Steht eine Übernahme von Yahoo unmittelbar bevor und was zum Teufel ist mit Zynga passiert?

Als die Firma Zynga Inc. im Dezember 2011 einen sehr erfolgreichen Start am Nasdaq, der größten elektronischen Börse der USA hinlegte, hielten es wenige für möglich, dass sich das scheinbar solide Unternehmen und Marktführer in der Welt der Social Games nicht mal eineinhalb Jahre später in einer so prekären wirtschaftlichen Lage wiederfinden würde.

In einem Sektor mit scheinbar unaufhaltsamem Wachstum befand sich Zynga im Zentrum einer Reihe von Marktbewegungen, die sich als große Belastung für das Geschäftsmodell erweisen sollten.

Außerdem stellte sich in der Folgezeit heraus, mit wie vielen und ungeahnten Herausforderungen diese Branche nach ihrer Boomperiode zu kämpfen hat.

Zynga geht zum Höchstpreis an die Börse

Der Ausgabepreis von $10 pro Aktie deutete auf eine vielversprechende Zukunft hin: Der grandiose Start am Nasdaq in den letzten Tagen des Jahres 2011, der die Fusion zwischen der digitalen und der Finanzwelt verkörpert, riss die Investoren zu Beginn noch zu Lobeshymnen hin.

Noch dazu kam die unglaubliche Steigerung des Umsatzes im Zeitraum von 2008 bis 2011 von 19,41 Millionen Dollar auf beeindruckende 1140 Millionen Dollar, in der folgenden Tabelle grafisch dargestellt (Quelle: Wall Street Cheat Sheet, 2013):

 

Geschäftsjahr 2008 2009 2010 2011
Umsatz (in Millionen Dollar) 19,41

121,47

597,46

1.140

Bei solch beeindruckenden Zahlen dauerte es natürlich nicht lange, bevor die großen Namen des Nasdaq – allen voran Morgan Stanley – begannen, sich für Zynga zu interessieren.

Aufgrund des großen exponentiellen Wachstums erkannten sie die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt mit Zynga zu verdienen. Im Zeitraum von Dezember 2011 bis März 2012 stieg die Aktie um sagenhafte 54,63% und erreichte einen Wert von $14,69 pro Aktie.

zynga graph1

Es war die Zeit als viele von uns Spiele wie Zynga Poker oder FarmVille entdeckten. Damals schrieb InvestorPlace.com:

„Zynga hat sich zu einem der wichtigsten Unternehmen in der Gamingwelt entwickelt. Es ist in der Lage Gewinne von mehr als einer Milliarde Dollar nur durch den Verkauf von virtuellen Gegenständen zu machen.

Doch anstatt Rücklagen für schlechte Zeiten zu schaffen, lässt man es sich gut gehen und genießt den Erfolg. Derzeit plant man sogar weitere Investitonen in Immobilenbereich und möchte seine Vormachtstellung bei den Social Games weiter ausbauen.“

Anfang März 2012 gab der Geschäftsführer Marc Pincus dann tatsächlich bekannt, dass man sich langsam aber sicher von den sozialen Netzwerken wie Facebook (und Google+) lösen und in Zukunft auf Echtgeldspiele konzentrieren möchte.

Diese Meldung sorgte für großes Aufsehen: Das Forbes Magazine berichtete schon damals recht kritisch und zeigte die Grenzen des Geschäftsmodells auf.

Einserseits hielt man die eigene Plattform für eine große Chance, anderseit verwies man darauf, dass die Aktie schon jetzt überbewertet sei, was auch eine Analyse von JP Morgan ergab.

Dennoch stieg die Aktie von Zynga nach Bekanntwerden der Meldung um weitere 7% und erreichte einen neuen Höchststand von $15,60. Kurz gesagt, der Traum ging zunächst weiter.

Im Frühjahr 2012 kam das böse Erwachen

In den Folgemonaten gab es dann jedoch ein böses Erwachen. Denn ab dem 14. März 2012 ging es auf einmal nur noch bergab und der Kurs der Aktie befand sich im freien Fall.

Zynga gelang es nicht gegenzusteuern und so stürzte der Kurs innerhalb von einem halben Jahr auf $2 pro Aktie ab (siehe Graphik).

Die erste Sammelklage gegen das Unternehmen ließ nicht lange auf sich warten und Electronic Arts entschied sich dazu Zynga wegen Verletzung des Urheberrechts vor Gericht zu bringen. Zudem hagelte es Kritik aus der ganzen Welt Kritik am Geschäftsmodell des Unternehmens.

Auch der Software-Entwickler NimbleBit und die Seite AllThingsD übten massive Krittik am Modus operandi des Geschäftsfühers Marc Pincus: „Sobald Zynga eine erfolgreiche Anwendung ist, wird sofort versucht werden es zu kaufen.

zynga graph2

Sollte die Übernahme scheitern, dann wird einfach eine Kopie davon erstellt. "

Auch Forbes widmete sich erneut diesem Thema. Dieser Artikel zeigte die Probleme des Unternehmens auf und es ging darum, dass Zynga deutlich mehr Initiative ziegen und neue Ideen entwickeln muss, anstatt nur zu kopieren, sonst wird das Unternehmen nicht in der Lage sein die Herausforderungen des hartumkämpften Marktes zu meistern.

Unterdessen setzte sich der freie Fall der Aktie fort und es folgte ein Artikel des TechCrunch Kolumnisten, Josh Constine, der bereits den Titel trug: „Warum Zynga gescheitert ist.“

Er zeigte die die Unfähigkeit des Unternehmens auf seine Produkte gemeinsam mit den Spielern weiterzuentwickeln und kritisierte die Werbepolitik und die Führungsetage, die seiner Meinung nach inkompetent und überbezahlt sei.

2013: Das Jahr des Wandels

Zwar hat das Jahr gerade erst begonnen aber es besteht kein Zweifel daran, dass Zynga am Wendepunkt steht.

Vieles wird davon abhängen, ob sich die Übernahme von „OMGPOP“ den Entwicklern des erfolgreichen Handy Games „Draw Something" als gute Entscheidung erweist und es ihnen gelingt weitere erfolgreiche Apps zu produzieren und Zynga dadurch eine starke Position in dieser Branche einnehmen kann.

Zu Beginn des Jahres 2013, als die Aktie von Zynga zu einem Preis von 2,39 Dollar (-82,04% im Vergleich zum März des letzten Jahres) augegeben wurde, kündigte Geschäftführer Mark Pincus die größte Umstrukturierung seit der Gründung des Unternehmens und eine massive Sparpolitik an.

mark pincus
Zynga CEO Mark Pincus.

Gleich 13 Spiele wurden aus dem Portfolio gelöscht, so als ob sie nie existiert hätten. Mehr als 5% der Mitarbeiter wurden entlassen und die Büros in England und Japan wurden geschlossen. Damit sollte Zynga nun wieder in der Lage sein, seine Position am Markt wiederzuerlangen und das Überleben seiner Vorzeigeprodukte zu sichern.

Außerdem will man ab Mitte des Jahres Echtgeldspiele anbieten und möglichst viele der Millionen von Spielern die Zynga im Playmoney Bereich hat, in Echtgeldspieler oder Casinobesucher verwandeln.

Wenn das gelingt wird es genügend Geld in die Kassen spülen, um das angeschlagene Unternehmen aus der Krise zu führen. Darüber hinaus setzt man große Hoffnungen darauf, dass Online Poker in den USA schon bald legalisiert wird.

Wie erwartet, hatte die Ende Februar getroffene Entscheidung Online Poker in Nevada zu legalisieren einen positiven Effekt auf den Kurs der Aktie und sie stieg um satte 7,4%. Ein Lichtblick am Ende des Tunnels für Zynga.

Die Kombination aus der Entwicklung einer Echtgeld-Software und der möglichen Legalisierung von Online Poker in den USA haben die Analysten der „Bank of America“ dazu bewegt, Anfang Februar eine Kaufempfehlung für die Zynga Aktie auszusprechen.

Die Anleger nahmen die Analysten beim Wort, und der Kurs der Aktie stieg um weitere sieben Prozent.

Steht eine Übernahme durch Yahoo unmittelbar bevor?

Obwohl sich die neue, hochmotivierte Geschäftsführerin Marissa Mayer weigert, das Gerücht zu bestätigen, glauben die einflussreichsten Analysten, dass eine Übernahme von Zynga durch Yahoo unmittelbar bevorstehen könnte.

Dies könnte Teil der Umstrukturierung des Unternehmens weg von einer reinen Suchmaschine und hin zu einer neuen Identität sein, denn aktuell hat Yahoo im Social Media Bereich gegenüber Facebook und Twitter das Nachsehen und möchte in Zukunft auch wieder mit Google konkurrieren.

Zynga wurde zuletzt mit rund drei Milliarden Dollar bewertet. Eine Übernahme würde gut ins Bild und zur geplanten Umstrukturierung passen, denn damit könnte sich Yahoo mit einem Schlag an die Spitze bei den Social Games setzen.

Vor einer Woche haben die Analysten der Bank of America das Unternehmen nun aber wieder herabgestuft und dies damit begründet, dass Zynga vor dem Jahr 2015 keine Gewinne im Bereich der Echgeldspiele einfahren wird und der Fortbestand des Unternehmens gefährdet ist.

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