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Welches Geräusch würde ich auf einer einsamen Insel am meisten vermissen? Richtig, das Klappern von Chips. Ob aus Keramik oder Plastik. Diese Geräuschkulisse gehört einfach zu jedem Poker-Live-Event dazu. Eigentlich müsste man die Akustik eines Turniers auf Tonträger aufnehmen und an Zocker verkaufen, die „auf Turkey" sind oder nur noch online spielen.
Manch Spieler hat es zu artistischer Geschicklichkeit gebracht, geht es darum, Jetons in einer Hand umzuschichten oder einem Spielchip beim Wegschnipsen soviel Effet mit auf den Weg zu geben, dass dieser nach kurzer Vorwärtsbewegung stoppt und wie von Geisterhand bewegt, zurück zu seinem Besitzer rollt.
In diesem Beitrag geht es jedoch nicht um Kunststückchen, Aufschneider (s. oben) oder Untertreiber - sondern um die Art und Weise, seinen Stack zu sortieren und zu stapeln. Diese Architektur kann uns unter Umständen kleine „Reads" auf den Baumeister geben.
Wir sind uns sicher einig, dass es zu den schönsten Aufgaben dieses Spiels gehört, nach einem gewonnenen Pot die Chips nach Wertigkeit getrennt zu sortieren. Im fortgeschrittenen Stadium eines Turniers, womöglich auch bereits vor dem ersten Race 4 Chips, häufen sich die bunten Wertmarken vor den Chipleadern.

Jetzt scheiden sich die Geister. Nicht ein Spieler stapelt seine Chips exakt so, wie ein anderer. Trotzdem gibt es gemeinsame Grundtendenzen, auch bedingt durch das Reglement, hochwertige Jetons gut sichtbar für die anderen Spieler hinzustellen. Also nach vorn oder ganz oben. Diese Konstruktionen lassen meiner Meinung nach psychologische Rückschlüsse auf den dazugehörigen Spieler zu. Vergesst bitte nicht, dass ich Psychologie nur im Nebenfach studiert habe, dieser Beitrag eher etwas mit Spaß als mit Wissenschaft zu tun hat und meines Wissens noch keine Doktorarbeit oder gar Feldstudie zu diesem tiefenpsychologischen Ansatz existiert. Im Übrigen kann es sich bei keinem der Stapler um einen grottenschlechten Spieler handeln, hätte er doch sonst keinen nennenswert stapelbaren Stake.
Mischtypen lasse ich unberücksichtigt, ebenso solche Spieler, die mit wachsendem oder schrumpfendem Stack ihr Stapelsystem ändern.

Typ 1, der Zehnerstapler.
Er/Sie setzt Duftmarken, jeder Mitspieler soll auf Anhieb erkennen, wie Furcht einflößend groß sein Stack ist. Bevorzugt die Flächenausdehnung, redet viel: Jokes, Trashtalk und Smalltalk.
Wartet auf klassisch gute Starthände, wird jedoch mit steigenden Blinds zunehmend aggressiver. TAG >>>sLAG.
Typ 2, der Zwanzigerstapler.
Spielt viele Hände. Loose. Auch Conti-Bets, 3-Bets und Bluffs. Hohe Stake-Volatiliät (sehr große Schwankungsbreite). Oftmals Labertasche, verwickelt Kontrahent in Gespräch mit der Hoffnung auf Tells. Überlegt sehr lange, wenn er nicht Aggressor, sondern Caller ist. Im Frühstadium eines Turniers fast Calling-Station. LAG.

Typ 3, der Gipfel stürmende Hochstapler.
Volles Risiko, alles oder nichts, schiebt auch mal All-In, macht Cochones-Calls, baut auf 20er Basis in die Höhe, 2. oder 3. Etage, Reißt gelegentlich Späßchen. sLAG.
Typ 4, der flach- oder hochstapelnde Rechteck-Bauer
Spielt eher Tight und diszipliniert. Trotzdem nicht frei von seltenen unmotivierten Moves bis hin zum Black-out. Neigt bei hohem Raise zum Fold, wenn er kein Monster hält oder den Flop voll getroffen hat. TP.
Typ 5, Anhänger der Keilformation.
Eher aggressive Spielweise. Positions- und Boardplay. Greift gezielt vermeintliche Schwachpunkte an. Klaut häufig die Blinds.

Schwer aus der Hand zu drängen. Spielt hohes Risiko, auch 3-Bets, wenn er sich erst einmal in die Hand verbissen hat. Kann schwer los lassen. AGGRO (siehe oben).
Typ 6, der Chaot.
Mixt wild durcheinander. Will Verwirrung stiften oder gefragt werden „Mit wie viel spielst Du?". Weiß aber sehr genau, wie hoch sein Stack ist. Oftmals Cashgamer. Redet selten und dann nur über Hand- und Spielzuganalysen. Spielt eine Premiumhand auch schon einmal Slow.
TP. Gefährlich!

Typ 7, der Penible.
Die Chipstapel sind perfekte Zylinder. Will alles unter Kontrolle haben, spielt diszipliniert wie nach Lehrbuch, redet selten.
Tight-aggressive, bei All-in oft nur verbale Annonce, schiebt die Chips nicht wie Typ Gipfelstürmer über die Bet-Line.
Im zweiten Teil: Von Internet-Nerds und psychisch arg gestörten Live-Spielern.
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