Ville Wahlbeck – Chinese Poker ist ein Skill Game

ville wahlbeck
Ville Wahlbeck in London.

Ville Wahlbeck machte sich einen Namen, als er bei der WSOP in Las Vegas 2009 in wenigen Tagen mehrere Finaltische erreichte und ein Bracelet gewann.

Kurz danach gewann er den High Roller Event bei der EPT in Tallinn und setzte sich dabei zuletzt gegen Dan Shak und Justin Bonomo durch.

Aus dem Main Event der EPT London schied er an Tag 2 aus. „An dem Tag bin ich meistens fertig“, grinst er, während er sich mit uns zusammensetzt, um über die Situation von Poker in Finnland, den Siegeszug der dort entwickelten Variante Open Face Chinese Poker und die Entwicklung von Poker in Asien zu sprechen.

PZ: Läuft doch gut. Du hast in diesem Jahr live schon 150.000 Dollar gewonnen...

VW: Ehrlich, bist du sicher?

PZ: Ja. Dann fragen wir doch lieber mal, wie es online lief.

VW: Es war ganz in Ordnung. Nicht großartig, aber in Ordnung. Ich hatte 2010 ein ziemlich schlechtes Jahr, deshalb tut mir das ganz gut.

Ich habe hauptsächlich Mixed Games und live Chinese Poker gespielt.

PZ: Dein Kollege Juha Helppi hat gerade seinen Vertrag mit der staatlichen finnischen Anbieter RAY verlängert. Was hältst du davon?

Juha Helppi
Juha Helppi - keine gute Idee.

VW: Die RAY will das Monopol auf Poker. In Finnland ist die rechtliche Situation ziemlich unklar. Z. B. darf man zwar spielen, aber keine Werbung dafür machen, es sei denn, es ist staatlich organisiert.

So gesehen ähnelt die Situation der in vielen anderen europäischen Ländern.

Es ist definitiv keine gute Idee, sich an die RAY zu binden. In Finnland wird Online-Poker hauptsächlich für Hobbyspieler angeboten.

Keiner der Profis spielt bei dem staatlichen Anbieter.

PZ: Wenn die Situation so undurchsichtig ist, wie wirkt sich das dann auf die finnische Pokerszene aus?

VW: Da es relativ wenig Marketing gibt, glaube ich, dass die meisten Leute von der Entwicklung gar nichts mitbekommen.

Nur diejenigen, die in der Szene drinstecken und Nachrichten und Foren verfolgen, wissen, was vor sich geht.

Für die Allgemenheit machen Gesetzesänderungen aber keinen Unterschied.

PZ: Sollte Finnland isoliert werden, ziehst du dann einen Umzug in Betracht?

VW: Auf jeden Fall. Eine Geo-Blockade würde Finnland aber ungefähr in die gleiche Situation bringen, in der China sich heute befindet.

Thor hansen
Thor Hansen - schon allein wegen dem, was er durchgemacht hat.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Regierung wirklich diesen Weg einschlagen will.

Ich wäre sehr enttäsucht, wenn es dazu kommen sollte. Ich bin aber ziemlich zuversichtlich, dass das nicht passiert.

PZ: Finnland ist je ein eher kleiner Markt. Wenn nur noch Einheimische spielen dürfen, wie etwa in Frankreich, dann ist da nicht mehr viel los.

VW: Genau. Es gäbe kaum noch offene Tische, die stakes würden sinken, und mit nur finnischen Spielern wäre der Traffic einfach zu schwach.

Das ist keine wünschenswerte Situation.

PZ: Anderes Thema. Wer ist dein Favorit für die Poker Hall of Fame?

VW: Ich bin nicht ganz sicher. Wer war nochmal gleich nominiert?

PZ: McEvoy, Matusow, Harman, Thor Hansen, Chris Bjorin...

VW: Ich verfolge das nur am Rande, aber ich sehe in der Liste niemanden, der es nicht verdient hätte.

Natürlich würde ich gerne sehen, dass Thor Hansen die Ehre bekommt, schon allein wegen dem, was er alles durchgemacht hat. Außerdem ist er ein wahrer Pokerpionier.

PZ: Kürzlich hat PokerListings einen Preis für den Spieler der Zukunft vergeben. Lauri Pesonen wurde Zweiter. Wer wäre dein Kandidat?

VW: Ich würde gerne Joni Jouhkimainen sagen, aber er ist schon so lange unterwegs, dass man ihn nicht mehr als Nachwuchsspieler bezeichnen kann.

Ich fürchte, ich bin schon zu alt dafür, um mich in diesen Kreisen noch auszukennen.

jonijouhkimainenept9bar
Kein Nachwuchs mehr - Joni Jouhkimainen.

Ich bin fast 40, da umgibt man sich mit anderen Leuten. Also mit älteren.

PZ: Da du Open Face Chinese erwähnt hast. Ist das dein Spiel?

VW: Ja, unbedingt! Zeitweise bin ich regelrecht davon besessen. Ich habe mal einen Monat lang jeden Tag mit einem Freund Chinese gespielt.

Dabei kamen unfassbar lange Sessions zusammen, manche 30 Stunden und länger.

PZ: Chinese oder Open Face Chinese?

VW: Normales Chinese Poker.

PZ: Ist das wirklich ein Skill Game?

VW: Bis zu einem gewissen Grad ja. Aber es ist ein Spiel, das schlagbar ist. Wenn man es einmal beherrscht, hat man gegenüber einem anderen Spieler auf demselben Niveau  praktisch keinen Vorteil mehr.

Wenn zwei Spieler aufeinandertreffen, die den Dreh raushaben, geht das Spiel wahrscheinlich unentschieden aus.

PZ: Und wie steht es dann bei Open Face Chinese?

VW: Das ist ein ganz anderes, viel komplizierteres und komplexeres Spiel. Chinese Poker ist schon ein gelöstes Spiel, aber bei Open Face Chinese wird über die optimale Strategie noch gestritten.

Es wird eine Weile dauern, bis dieses Spiel auch gelöst ist, aber ich bin sicher, dass das passieren wird.

PZ: Chinese Poker wurde angeblich in Finnland erfunden. Warum heißt es dann Chinese?

chinese poker hand
Chinese Poker - Skill Game?

VW: Das stimmt so nicht. Open Face Chinese stammt aus Finnland. Chinese Poker gab es schon länger, und ich weiß nicht, warum es so heißt.

Außerdem nennt man das Spiel, das man jetzt als Open Face kennt, in Finnland „halboffen“, weil man ja die ersten fünf Karten verdeckt bekommt.

Open Face ist in Finnland ein Spiel, bei dem ausschließlich offene Karten gegeben werden, und es wird immer nur eine Karte gegeben.

PZ: High Stakes Poker findet zunehmend in Macao statt. Liegt die Zukunft in Asien?

VW: Ja und nein. In der Live-Szene ist das der kommende Markt, vor allem, weil es so viele reiche Leute gibt, die gerne spielen.

Um einen Boom zu bekommen, braucht man aber Online-Poker. Wenn es keinen Zugang zu Online-Poker gibt, gibt es auch keinen Markt.

Wenn der Online-Pokermarkt für alle n Asien geöffnet wird, dann kann das der Ort des nächsten Booms sein.

Im Moment dreht sich alles um die High Stakes. Ein paar Businesstypen da spielen unfassbare Stakes.

PZ: Hast du Runner Runner schon gesehen?

VW: Nein. Ich habe die Vorschau gesehen, und die war scheiße. Und gehört habe ich bisher auch nichts Gutes.

Irgendwann werde ich ihn mir ansehen, aber das hat keine Eile.

PZ: Dein Lieblings-Pokerfilm?

VW: Rounders.

PZ: Alle sagen Rounders. Was ist z. B. mit Cincinnati Kid.

VW: Oh, auch ein toller Film, aber die letzte Szene ist einfach lächerlich. Aus Sicht eines Pokerspielers ist diese Hand einfach nur ganz schlecht gespielt. vor allem vom Hauptdarsteller.

Cincinnati Kid
Cincinnati Kid - Guter Film mit schlechtem Schluss?

Er schiebt da sein Geld in die Mitte, obwohl er genau weiß, dass er nur von einer besseren Hand bezahlt wird, wie dem Straight Flush.

Ein schöner Film mit einem schlechten Schluss.

PZ Deine nächsten Pläne? WSOPE Paris?

VW: Nein. Ich fliege zun den Finish Championships nach Malta. Und im kommenden Monat bin ich vielleicht bei den Amterdam Master Classics. Ein Live-Turnier im Monat reicht.

PZ: Könntest du dir vorstellen, in Malta zu leben? Heute waren dort 30°.

VW: Dann habe ich auf jeden Fall zu wenig T-Shirts. Ich weiß nicht, ob ich dort leben würde. Frag mich in einer Woche nochmal.

PZ: Wir danken für das Gespräch.

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Peter Petersen 2013-10-12 04:01:42

1000 Rechtschreibfehler, sonst gutes Interview! Danke.