Die Zukunft des US-Poker aus Sicht der CEO`s

pokernerwsdaily

FullTilt, PokerStars und Absolute Poker sind vom US-Markt verschwunden. Ist das gut für die kleineren Netzwerke oder werden die in Zukunft ebenfalls dem Druck der amerikanischen Justiz weichen? Geschäftsführer von einigen überlebenden Seiten haben sich dazu nun detailliert geäußert. Außerdem: das einstige Poker-Nachrichten Leitmedium pokernewsdaily.com wird versteigert. Bei ebay.

Erst erwischte es die großen Haie und nun stirbt in den USA auch der Unterbau. Einstmals war die Website pokernewsdaily.com so etwas wie ein Leitmedium in der englischsprachigen Pokerwelt. Doch seitdem ihr wichtigster Partner Absolute Poker kein Geld mehr überweisen kann, ist auch die Website nicht mehr handlungsfähig.

Deshalb wird sie jetzt verkauft. Nicht etwa über einen geheimen Deal und mit Millionensummen, sondern ganz öffentlich bei ebay http://cgi.ebay.com/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=120738253399 für ein paar tausend Dollar. Auktionsende ist am 25.Juni. Aktuell gibt es 14 Gebote, das höchste liegt bei 4000 Dollar.

Der Black Friday, das zeigen solche Nachrichten, ist noch immer nicht vorbei, die Konsequenzen der Verbannung von PokerStars, FullTilt und Absolute Poker immer noch nicht absehbar. PokerNews.com hat deshalb mehreren Pokerseiten, die noch amerikanische Spieler akzeptieren, folgende Fragen gestellt:

  1. Hat ihre Seite einen steigende Traffic-Zahlen verzeichnen können, seitdem Absolute Poker, FullTilt und PokerStars vom amerikanischen Markt verschwunden sind?
  2. Wie schafft es ihre Seite immer noch Real Money Poker anzubieten. Ist das Angebot legal?
  3. Sind die Spielerguthaben sicher? Werden sie auf einem anderen Konto gehalten als die übrigen Unternehmensgelder?
  4. Wie antwortet sie ihren Spielern auf deren Fragen nach der Sicherheit ihrer Guthaben?

Viele Unternehmen antworteten gar nicht: darunter Everleaf Gaming Network, Bodog, und Doylesroom. Andere waren dagegen zwar auskunftswillig, aber nicht gerade sehr aussagekräftig. Zum Beispiel Marco Griffin von Carbon Poker: „Wir sehen uns weder mit einer Klage noch mit anderen Problemen anderer Pokeranbieter konfrontiert. Wir werden weiterhin ein sicheres Spielerlebnis für unsere Kunden anbieten.“

Ein bisschen mehr kam da schon von Chuck Kidd, CEO des Poker Pro Network (PPN). Er schrieb, dass sein Unternehmen seit dem Black Friday eine Steigerung des Traffic um 22% erfahren hat.

Er fuhr fort: „Ich wiederhole es bestimmt zum tausendsten Mal, es gibt in den USA kein Gesetz, was das Pokerspielen im Internet verbietet. FT, PS und Absolute Poker sind wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche, Bankbetrug und illegaler Herstellung von Kreditkarten angeklagt. Man könnte die Namen beispielsweise gegen die eines großen Pharma-Konzerns  austauschen und es wäre immer noch dasselbe. Unglücklicherweise hat die amerikanische Regierung die Chance genutzt, um die gesamte Poker-Community zu verunglimpfen und Spieler zu verunsichern.“

Hinsichtlich der Spieler-Guthaben sagte Kidd: „In fünf Jahren hat bei uns nicht ein einziger Spieler sein Geld nicht erhalten. Die Spielerguthaben sind auf einem separaten Konto untergebracht. Wir haben direkte Kontrolle über diese Gelder und sind bezüglich unseres Cashier-Systems von keinen Drittanbietern abhängig.“

Ähnlich äußerte sich auch PokerView, die einen Anstieg des Traffics von 26% verzeichnen konnten. Sprecherin Sandy Hart „Wir stehen unter der Aufsicht der Lotterie & Gaming Behörde auf Malta. Deswegen ist es für uns auch kein Problem amerikanische Spieler zu akzeptieren. Die strengen Regeln hier garantieren außerdem maximale Sicherheit für die Spieler-Guthaben.“

Doch während PokerView, PPN und Carbon-Poker sich stark und optimistisch zeigen, ist die Verunsicherung spätestens nach der zweiten Klage-Welle am 23. Mai unübersehbar. PPN-Pro Josh Brikis beispielsweise erklärte letzten Monat via Twitter: „Ich habe meine Zusammenarbeit mit PPN beendet. Nicht weil ich die Seite nicht mag, ganz im Gegenteil ich habe vor Chuck Kidd großen Respekt. Aber ich wurde in den letzten Wochen von Spielern mit E-Mails und Twitter-Nachrichten bombardiert in denen ich immer wieder gefragt wurde: Sind meine Guthaben sicher? Bekomme ich mein Geld ausgezahlt? Und nachdem es neben FullTilt, PokerStars und Absolute Poker nun seit dem 23. Mai immer mehr Pokerseiten erwischt, fühle ich mich einfach nicht mehr wohl in meiner Rolle als Repräsentant.“

Auch die neuesten Nachrichten scheinen die Befürchtungen Brikis zu bestätigen. Das Netzwerk LockPoker akzeptiert seit Kurzem keine Spieler aus den Bundesstaaten New York, Maryland, Louisiana, Washington DC und Missouri mehr. Für Insider ein klares Zeichen, dass die Mission des Department of Justice noch lange nicht beendet ist.

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Fegefeuer 2011-06-19 14:01:44

Meiner Ansicht nach sollte auch ohne oben beschriebene Maßnahmen klar sein, dass die bisherigen Sperrungen erst der Anfang und noch lange nicht das Ende waren und dass aus dem Black Friday mit Sicherheit ein ganzes Black Year werden wird. Warum sollte die US Regierung sich auch nur über die großen hermachen? Selbst wenn man damit mal die großen "Brandherde" beseitigt hat und die anderen im Grunde keinen Ausschlag geben, muss sie schon alleine deshalb weiter machen, um vor den Bürgern nicht als lächerlich dazustehen - entweder ganz oder gar nicht eben.

Man fragt sich nur, wie sich die Regierung das in Zukunft vorstellt - das gar kein Online-Poker mehr betrieben wird in den Staaten? Wohl schwer zu verhindern und wenn sie sämtliche amerikanischen Anbieter schließen, dann gehen die Leute eben zu anderen solchen, auf irgendwelchen No-Name-Inseln oder wo auch immer, legal oder illegal. Da hätte man doch mehr davon, lieber Regeln für gezielte Abgaben einzuführen oder gleich ein staatliches System á la Win2Day in Österreich zu etablieren, bei dem der Staate legale Möglichkeiten bietet und zudem noch mitkassiert. Und die sicherste Variante für die Pokerspieler ist es wohl auch.