Meinung: Uli Hoeneß muss Pokerprofi werden!

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Bilder: dpa.

Der ehemalige Vorsitzende des FC Bayern muss dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Hört sich nicht nach Vorbild an? Lesen Sie erstmal weiter.

Bisher war Uli Hoeneß für drei Dinge bekannt: einen verschossenen Elfmeter im Finale der Euro 1976, Denunzieren seines Intimfeindes Christoph Daum und die Verwandlung von Bayern München in den wohlhabendsten und erfolgreichsten Fußballclub der Welt. Jetzt kommt eine vierte Sache hinzu.

Wer den Prozess um Uli Hoeneß verfolgt hat, kommt nicht umhin, anzuerkennen, dass niemand einen Sponsorenvertrag so wenig benötigt wie er – und ihn so verdient hat.

Sehen wir uns doch nur mal an, was passiert ist.

Jahrelang hat sich Hoeneß ein einer wirklich hohen Partie behauptet. Wer an der Börse zockt, geht ein noch größeres Risiko ein als am Pokertisch, vor allem auf den High Stakes.

Und Hoeneß spielte auf wirklich hohem Niveau. Seine Bankroll stieg zeitweise auf rund 150 Mio. Euro! Wäre Hoeneß Pokerspieler, er wäre wahrscheinlich schon für die Hall of Fame nominiert.

Pre-Flop Spiel

Seine Spielerkarriere begann eigener Aussage nach im Jahr 2001, und obwohl er keinerlei Erfahrung hatte, konnte er gleich einen wohlhabenden Staker gewinnen.

Uli Hoeness laughing
Das einzige,...

Der damalige Chef von Adidas, Robert Louis-Dreyfus, lieh ihm zehn Millionen Mark als Startgeld. Gar nicht so schlecht, oder?

Ach ja, im Jahr 2002 erwarb Adidas knapp 10% der Anteile an Bayern München für 77 Mio. Euro. Im Jahr darauf wurde der Vorsitzende Herbert Hainer stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Bayern München.

Nach Hoeneß‘ Rücktritt übernahm er den Vorsitz. Außerdem hat Adidas einen ungewöhnlich längen Werbevertrag mit Bayern München abgeschlossen. Er ist bis zum Jahr 2020 gültig.

Muss natürlich nichts miteinander zu tun haben. Einem Freund kann man ja wohl noch ein bisschen Geld leihen.

Offenbar ist Uli Hoeneß ein begnadeter Spieler. Innerhalb weniger Jahre baute er sein Startkapital von zehn Millionen auf das 15-fache auf. Laut Pressemeldungen machte er in seinem besten Jahr 80 Mio. Profit, während er in seinem schlechtesten 40 Mio. verlor. Das schaffen Blom, Hansen und Guy Laliberté nicht einmal zusammen!

Mal ehrlich, Uli Hoeneß würde sich nicht mal von Andy Beal aus der Ruhe bringen lassen.*

Außerdem weiß Hoeneß, wie man mit Gegnern umgeht. Es brauchte nur ein einzelnes Interview im Jahr 2000, in dem er Christoph Daum in die Nähe von Kokainmissbrauch rückte, und kurz danach war Daum fristlos entlassen, hatte keine Perspektive mehr in Deutschland und ging für fünf Jahre nach Österreich und in die Türkei.

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...woran Uli Hoeneß arbeiten muss,...

Flop-Spiel

Uli Hoeneß machte keinen auffälligen Zug, bis er erfuhr, dass sein Name auf einer Daten-CD auftauchte, die von der deutschen Regierung zur Ergreifung von Steuerhinterziehern erworben worden war.

Danach griff er schnell zum Mittel der Selbstanzeige und erklärte sich der Polizei. Zu spät, wie die Legislative selbst in Bayern erkennen musste. Also wurde Hoeneß wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 3,5 Mio. verklagt.

Vor Gericht setzte Hoeneß dann einen gekonnten Bluff an. Er gab freiwillig die Hinterziehung von weit mehr Geld zu, insgesamt 18,5 Mio., um zu zeigen, dass er eigentlich ein aufrechter Mann ist.

Allerdings checkraiste ihn der Staatsanwalt auf 27 Millionen.

Der Turn

Damit wurde Uli Hoeneß klar, dass seine Hand geschlagen war, also entschloss er sich, bis zum Ende durchzuchecken. Er verhielt sich während des Prozesses ruhig und ließ die Anwälte die Schlacht ausfechten.

Sicher war ihm bewusst, dass er mit jeder weiteren Aussage seine Lage verschlechtern und den Prozess verlängern konnte, und das wollte er bestimmt nicht.

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...ist sein Pokerface.

Scheinbar wollte das überhaupt niemand, denn obwohl solche Verfahren in Deutschland manchmal Jahre dauern können, war dieser Prozess nur eine Angelegenheit von einer Woche. Vielleicht sollten manche Dinge ja auch nicht entdeckt werden.

Der River

In Anbetracht der immensen Summen, von denen hier die Rede ist, liegt das Strafmaß des Gerichts von dreieinhalb Jahren laut Aussagen von Steuerexperten im mittleren bis unteren Bereich.

Dennoch kündigten Hoeneß‘ Anwälte sofort Revision an, und darauf folgt der letzte und vielleicht beste Spielzug des Angeklagten.

Er überstimmt seine Anwälte und akzeptiert die Entscheidung des Gerichts. Gleichzeitig tritt er von allen seinen Ämtern zurück.

Manche behaupten, er habe das nur getan, weil eine Revision möglicherweise zu einer längeren Freiheitsstrafe geführt hätte, aber böse Zungen gibt es ja überall.

Showdown

Uli Hoeneß, verurteilter Steuerhinterzieher in bislang ungekannter Dimension, erfährt nun viel Verständnis über das gesamte Spektrum der Gesellschaft hinweg. Dafür, dass er so ein integrer Mensch ist.

Selbst Kanzlerin Merkel sprach ihm ihren „tiefen Respekt“ aus. Horst Seehofer, Ministerpräsident in Bayern, nannte ihn einen „Mensch von Format“, der „mit der Situation sehr verantwortungsvoll umgeht“. Sogar Christoph Daum erklärte sein Mitgefühl!

Natürlich ist Seehofer als CSU-Vorsitzender mit Zweitfamilie in seiner Glaubwürdigkeit geringfügig eingeschränkt, aber Bayern war ja schon immer etwas Besonderes.

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Quelle: spiegel.de; Uwe Becker, Foto: dpa.

Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Menschenmassen für Hoeneß‘ Freilassung und zeigten ihre „Sulidarität“, übrigens eine selten misslungene Wortschöpfung. Bayern München hat bereits signalisiert, dass die Tür für Hoeneß immer offen bleiben wird.

Und die Haftstrafe? Dreieinhalb Jahre hören sich ja ganz schön happig an, oder? Wird es aber nicht.

In ein paar Monaten wird ihm wohl der offene Vollzug gewährt, dann verbringt er nur noch die Nächte im Gefängnis, und man kann davon ausgehen, dass er wegen guter Führung schnellstmöglich wieder entlassen wird.

Eigentlich wäre es keine Überraschung, wenn er Weihnachten wieder zuhause ist.

Wenn also ein Uli Hoeneß in der Lage ist, trotz seiner Vergehen so gut wegzukommen, und von hochrangigen Persönlichkeiten sogar noch wegen seines Charakters gelobt wird, kaum auszudenken, was er für Poker tun könnte, wenn er nur wollte.

Er ist der perfekte Kandidat für eine repräsentative Funktion. Wer sonst könnte Poker sein negatives Image nehmen, oder zumindest deutlich machen, dass ein negatives Image gar nichts Schlimmes ist.

Uli Hoeneß muss in die Pokerbranche. Wenn das gelingt, wird der nächste EPT-Gewinner in der Tagesschau verkündet, gleich nach den Bundesliga-Ergebnissen!

Das einzige, woran er noch arbeiten muss, ist sein Pokerface.


*Andy Beal ist ein amerikanischer Milliardär, der in den Jahren 2001-2004 für Aufsehen sorgte, als er die bekanntesten Profis der Welt heads-up herausforderte, darunter Doyle Brunson, Ted Forrest, Jennifer Harman, Chip Reese und Gus Hansen. Er versuchte, die Profis aus ihrer Comfort Zone zu holen, indem er die Stakes immer weiter erhöhte. Hat nicht funktioniert.

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