UKIPT Galway – das beste Full Tilt Festival, das PokerStars je organisiert hat

galway poker festival

Alan Gold hat den Main Event gewonnen, aber der Star war das Festival. Das erkennt auch ein Poker-Dino wie Padraig Parkinson an.

Nach dem Goldrausch

Am Ende ging alles ganz schnell. Nicht einmal vier Stunden benötigte der Schotte Alan Gold, um den Finaltisch komplett leerzufegen.

Gold nahm die Mehrheit der Spieler persönlich vom Tisch. Ob er pre-Flop dabei vorne oder hinten lag, spielte für das Deck keine Rolle. Im entscheidenden Moment traf Gold immer das Board.

Und wenn er es nicht traf, gelang es Gold immer wieder, seine Gegner so sehr zu beeindrucken, dass sie ihre Karten aufgaben.

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Alan Gold, Main Event Gewinner.

860 Spieler waren insgesamt für den Main Event zusammengekommen, wodurch es nicht nur zu einem Overlay von €140.000, sondern auch €188.000 Siegprämie kam.

60 Events, 17 Tage Festival

Damit geht das erste – und vielleicht auch einzige – Galway Full Tilt Poker Poker Festival zuende. 2009 war die UKIPT Galway von PokerStars gesponsert worden.

Es war ein Pokerfestival von vielen, aber es keines wie alle anderen. In der kleinen Stadt an der irischen Westküste konnt eman wieder etwas von dem Gefühl spüren, dass sowohl die Spieler als auch alle, die in der Szene arbeiten, vor sechs oder acht Jahren hatten.

Es ging nicht um die größten Summen, und es war nicht die Show der großen Namen zur besten Sendezeit, aber dafür haben wir selten so viel gute Laune und eine so positive Grundstimmung erlebt.

Bedenkt man, dass ausgerechnet Full Tilt Poker der Veranstalter war, also der Pokerraum, der für die meisten negativen Schlagzeilen der letzten zwei Jahre gesorgt hat, ist das schon eine Überraschung.

Das Galway Poker Festival war eine Rückkehr zu den Wurzeln. Letztlich gibt es immer nur einen WSOP-Champion, aber Millionen Spieler weltweit, die Spaß am Spiel haben, aber keine 10.000 Dollar oder Euro übrig haben, um in Las Vegas oder beim EPT Grand Final anzutreten.

„Jeder soll glücklich nach Hause gehen“

Padraig Parkinson ist nicht nur ein Pionier der Pokerszene. Er wurde auch in Galway geboren. Dank seiner jahrzehntelangen Erfahrung kann er diesen Event besser einordnen als die meisten anderen.

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Atmosphäre allgemein: sehr schön.

Zunächst muss er allerdings ein paar Worte über seine Heimatstadt verlieren.

PP: Ich liebe Galway. Die Menschen sind unheimlich freundlich, es gibt sehr viele verschiedene Festivals, und es war schon seit den ersten Turnieren im Radisson Hotel eine international bekannte Poker-Location.

Besonders erstaunlich finde ich, wie sich diese Atmosphäre auf die Pokertische überträgt.

PL: Wie denn?

PP: Die Atmospäre ist total angenehm. Selbst als es im Main Event auf die Bubbe zuging, hatten wir alle was zu lachen. So etwas ist selten geworden.

Als ich mit Poker angefangen habe, also in den frühen Achtzigern, war das ein Spiel für Exzentriker. Wenn man keinen abgefahrenen Typen links von sich hatte, dann saß er auf der rechten Seite.

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Padraig Parkinson - Pokerpionier aus Galway.

Eigentlich waren es diese irre Atmosphäre und die schrillen Typen, in die ich mich verliebt habe. Das geht heute oft verloren.

Die jungen Spieler heute wissen häufig gar nicht, wie Live-Poker sich anfühlt. Verstehen Sie mich nicht falsch, es sind viele klasse Typen darunter – und ein paar total durchgeknallte – aber die Stimmung hat sich insgesamt verändert.

Ich war gerade in Vegas. Wenn man dort am Tisch sitzt, sind die Chancen darauf, ein bisschen Spaß zu haben, niedrig bis null.

Alle glotzen auf ihren iPad oder sind am Telefon. Wer hier in Galway einen iPad auf den Tisch legt, wird ausgelacht.

Deshalb hat mir das Projekt hier so gut gefallen. Und das hat jeder bestätigt, mit dem ich hier gesprochen habe.

PL: Wie in der guten alten Zeit also?

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"Manche jungen Spieler sind total durchgeknallt."

PP: Ein bisschen. Mehr die gute neue Zeit.

PL: Erläutern Sie das.

PP: In der guten alten Zeit war es so, dass wir einen schlechten Spieler am Tisch zumindest gut unterhalten haben.

Damit er gut gelaunt nach Hause geht, auch wenn er sein Geld verloren hat, und wiederkommt.

Das ist der Idealfall. Heute werden schlechte Spieler am Tisch als Donkey und Fisch beschimpft und gedemütigt. Warum sollten sie zurückkommen?

Wenn man in eine Kneipe kommt, wo das Bier zu teuer ist und der Wirt einen „Idiot“ nennt, geht man da doch auch nicht wieder hin.

PL: Wirklich eine schöne Analogie.

PP: Internet-Spieler wissen manchmal nicht, dass man sich am Live-Tisch ganz anders benimmt. Man kann nicht einfach „wp“ oder „gg“ sagen.

Das, was online in der Chatbox abgeht, würde live das Spiel sofort umbringen.

PL: Wie sollte ein Anfänger heute an Poker herangehen, um nicht enttäuscht zu werden?

who you calling a fish
Auch eine Art, mit Beleidigungen umzugehen.

PP: Das weiß ich nicht. Meine Spielweise ist total veraltet.

PL: Erstens war das so nicht gemeint und zweitens haben Sie beinahe den Finaltisch des Main Events erreicht.

PP: Also gut. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man dorthin geht, wo man akzeptiert wird, gerade als Anfänger.

Man sollte sich nicht mit einem Haufen Idioten an den Tisch setzen, die einem den Abend versauen.

Man soll schließlich etwas haben von seinem Geld.

Das war das tolle hier in Galway. Auch Gus Hansen bin ich sehr dankbar für das, was er hier getan hat.

PL: Was war denn das?

PP: Dass ein so bekannter Spieler wie er hier ganz selbstverständlich sitzt und mit jedem noch so unwichtigen Amateur quatscht, ist doch großartig.

Viel besser, als zuhause in der Unterwäsche zu sitzen und jemanden als Donkey zu bezeichnen.

Deshalb, liebe Anfänger da draußen, wählt sorgfältig aus, wo Ihr hingeht und spielt.

Wahrscheinlich werdet Ihr am ersten Abend verlieren. Nicht unbedingt, aber wahrscheinlich.

hoppelhammer
Es gab viele Gründe für die gute Laune in Galway.

Also geht irgendwo hin, wo die Leute nett sind und Ihr was lernt.

Ich habe hier nicht einen Spieler gesehen, der sauer oder verärgert war, als er das Gelände verließ.

PL: Eine Sache noch. Viele Leute schienen sich nicht ganz sicher zu sein, ob Full Tilt oder PokerStars nun eigentlich der Sponsor dieses Events war.

PP: Das kann ich gut verstehen. Vielleicht wissen sie es selbst nicht. Jemand hier hat es den besten Full-Tilt-Event genannt, den PokerStars je organisiert hat.

Da war das Marketing wohl etwas verfehlt. Jeder glaubt, dass PokerStars den Main Event Preispool garantiert hat.

Ich weiß ja selbst auch nicht, wo das Geld herkommt, das ich im Maion Event gewonnen habe.

Aber das Entscheidende, was wir von diesem Festival hier mitnehmen, ist doch, dass wir hier alle eine tolle Zeit hatten.

Das Interview führte Giovanni Angioni.

Ob in Zukunft weitere Full Tilt Poker Festivals in Europa ausgetragen werden, steht noch nicht fest. Der nächste Event findet in Montreal statt.

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pokerevolutions 2013-08-13 12:02:32

Schöner Artikel. Live Poker ist einfach toll, wenn die Leute nett sind. Was in Deutschland eh selten der Fall ist :-) Wo das Geld für das Event jedoch herkommt, kann ich jedoch sagen. Es kommt von den Hausbots auf Pokerstars, die jeden Tag ordentlich die Preispools abkassieren.