TV Total Poker - Zurück in die Vergangenheit

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Ein Raise, ein Call, ein Abgang - Stefan Raab.

Gestern Abend konnte man bei Pro Sieben Zeuge davon werden, wie Stefan Raab erwartungsgemäß seinen Titel nicht verteidigte. Neben dem obligatorischen Elton waren dieses Mal Schauspieler Uwe Ochsenknecht, Handballer Stefan Kretzschmar und die Spaßbremse Cindy aus Marzahn am Start.

Die letzte Folge der Spaßpokernacht endete bekanntlich mit einer Überraschung. Der an Nummer 6 gesetzte Gastgeber, notorischer Falsch-Ratgeber und Gewinner des noch nicht erfundenen „Worst Read Award" Stefan Raab gewann das Turnier und strich €50.000 Siegprämie ein. Wenn es so etwas wie Gerechtigkeit im Poker gibt, sollte sich das nicht wiederholen.

Zur Seite saß ihm auch gestern wieder der Mann mit dem Rekordpuls: Elton. Von war zu erwarten, dass er problemlos unter die letzten drei kommt, falls ihn nicht ein böser Bad Beat erwischt. Und so etwas Ähnliches ist dann auch passiert.

Außerdem gab es wie immer einen Online-Qualifikanten sowie drei mehr oder weniger prominente Gastspieler. Dieses Mal dabei:

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Tattoomeister Kretzschmar.

Stefan Kretzschmar. Der frühere Profihandballer machte sein letztes Spiel für die Nationalmannschaft im Finale der Olympischen Spiele von Athen 2004. Drei Jahre später beendete er offiziell seine aktive Laufbahn. Bekannt ist er für seinen kämpferischen Einsatz und dafür, sich das Gesicht von Franzi van Almsick auf die Wade tapezieren lassen zu haben, der er von 2000 bis 2004 regelmäßig beiwohnte, bevor er zu seiner kubanischen Jugendliebe zurückging und diese ein zweites Mal heiratete.

Er ist prinzipiell ein cooler Typ, neigt aber in speziellen Situationen (7-Meter-Schießen gegen Spanien!) dazu, die Nerven zu verlieren. Hatte außerdem eine Zeitlang eine Show mit dem Namen „Sushi", die genauso absurd war wie der Titel vermuten lässt.

Kretzschmar ist auch der erste Promigast, der zum zweiten Mal an Raabs Pokertisch saß (mal abgesehen von Doppelspitze Becker/Lilly). Beim ersten Mal war er im Heads-up an Tim Mälzer gescheitert. Erinnerungswürdiges Zitat: "Der Koch soll die Fresse halten."

Auf Poker übertragen heißt das, dass Kretzschmar wahrscheinlich eher für Rebuy-Turniere geeignet wäre.

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Kann ich checken?

Cindy aus Marzahn. Die Ganzkörperproblemzone aus den Untiefen des Ostberliner Plattenbaudschungels ist ohne Zweifel für die humoristische Komponente der Show zuständig. Schließlich soll das Ganze ja vor allem Spaß machen.

Außerdem läuft es in letzter Zeit sowieso nicht mehr ganz so rund, und da muss man natürlich jede Kamera nutzen, die sich einem wacker entgegenstellt. Ihre Berliner Schnauze dürfte immerhin für den einen oder anderen Lacher gut sein.

Konnte für eine große Überraschung sorgen. Eigentlich konnte sie überhaupt nur positiv überraschen. Außerdem ließ sie keine Möglichkeit aus, Kretzschmar offensiv sexuell zu belästigen. Der Ex-Handballer versuchte vergeblich, sich hinter Elton zu verstecken, und Cindy gab dem Begriff „Sandwich" eine Bedueutung, die sich niemand im Saal bildlich vorstellen wollte.

Uwe Ochsenknecht. Der Schauspieler ist weder cool noch witzig, aber immerhin sympathisch. Unvergessen für seinen persönlichen Durchbruch in Petersens „Das Boot", zu Recht ignoriert für zahlreiche miese Filme zeigte der Mann, der im Schweizer Fernsehen jahrelang für Käse warb und sich dafür als bekennender Liebhaber sogar teilweise in Käse entlohnen ließ, von Anfang an, dass Poker für ihn ein Niemandsland ist.

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Kurzauftritt von Ochsenknecht.

Es gelang ihm schon in der dritten Hand, den gesamten Stack im komplett falschen Moment in die Mitte zu schieben und konsequenterweise auch zu verlieren. Überhaupt waren die Hände 2 und 3 sehr schöne Beispiele dafür, was die „Qualität" der TV Total Pokernacht ausmacht.

In Hand 2 trafen Kretzsche (A K), Cindy (A Q) und Uwe (5 5) aufeinander. Auf dem Flop Q 5 J war es ausgerechnet Kretzsche, der anspielte. Ochsenknecht spielte dann rätselhafterweise den Turn 8 an, woraufhin Kretzschmar erhöhte(!). Cindy, von der bekannt war, dass sie ebenfalls keine Ahnung von Poker hat, gelang immerhin ein schöner Laydown, nachdem Kretzschmar tatsächlich die T auf dem River traf. Ochsenknecht konnte seinen schlecht gespielten Drilling allerdings nicht mehr wegwerfen und verlor schnell einen Großteil seines Stacks.

In Hand 3 war es dann Ochsenknecht, der A-K hielt. Elton hatte ein Paar Vieren, Raab ein Paar Buben, Cindy schon wieder A-Q. Nach einem Raise auf 300 (bei 50/100 Blinds) re-raiste Raab auf 500! Damit vertrieb er natürlich niemanden, und der Flop 5-4-8 sollte sich als verhängnisvoll erweisen.

Raab setzte von vorn, Elton bezahlte und Ochsenknecht ging zur allgemeinen Verblüffung in der Kommentatorenkabine all-in. Der einmal mehr sichtlich überforderte Raab bezahlte nur, Elton ging konsequenterweise ebenfalls all-in und Raab ließ sich zu dem Call überreden, obwohl er die Gelegenheit bekam, Eltons Puls zu fühlen (175).

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Raabs erster und letzter Triumph.

Das Board half niemandem mehr, und Ochsenknecht belegte den letzten Platz, da er vor der Hand am wenigsten Chips gehabt hatte. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich seelenruhig wieder an den Tisch zu setzen. Erst nach mehrmaliger Aufforderung von Raab machte sich der ehrlich überraschte Ochsenknecht auf in die Losers Lounge.

Nach dem doppelten Aus der beiden beruhigte sich das Geschehen. Mit anderen Worten, es geschah lange Zeit gar nichts. Beängstigend wurde im Lauf des Abends allerdings die Zahl der getroffenen Drillinge. Fast jedes Pocket Paar wurde schon auf dem Flop zum Set, Elton knackte mit K-6 sogar die Asse: König auf dem Flop, König auf dem River.

Unauffällig bis blass blieb Online-Qualifikant Semih, der allerdings auch fast überhaupt keine Hände bekam. Ganz anders die in babyrosa gekleidete Diademträgerin aus der Hauptstadt. A-A, K-K, T-T, alles war dabei. Das Paar Zehnen war es letztlich, dass das Ende für Elton (Q-5) bedeutete. Die Marzahnerin zog den besseren Flush, nachdem Elton tatsächlich die Dame gefloppt hatte.

Bei nur noch drei Spielern zeigten sich die Defizite der Berlinerin dann aber immer deutlicher. Kretzschmar stahl ein ums andere Mal die Blinds, und Semih konnte entweder keine vernünftige Hand finden oder bekam keine Action. Der Student aus Ostwestfalen behielt jedoch die Nerven und zog ins heads-up ein, nachdem er ein All-in von Cindy mit K-6 bezahlt hatte. Hört sich ein wenig donkmäßig an, war eine der besten Hände, die Semih bis dahin bekommen hatte.

Kretzschmar, der am Wochenende auch bei der EPT Monte Carlo antreten wird, verlor auch sein zweites Heads-up. Mit 3-3 gegen Q-T, ein echter Coin Flip also. Die Zehn auf dem Flop brachte Semih auf die Siegerstraße, und damit war es wieder einmal der Qualifikant, der die Nase vorn behielt.

 

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Björn R. 2010-04-23 12:28:29

Hallo!
Zitat "Und das Semih gewonnen hat war nur gerecht.." Hierzu können wir nur sagen, das Semih nicht aus Gerechtigkeit gewonnen hat, er verstand wohl eher Poker als so manch andere am Tisch (ausgenommen Elton).

Zitat "Ich glaub das ich schon das ein oder andere mal geflucht hätte aber er hat es eben wie ein Sieger genommen." Die Bezeichnung "Sieger" ist hier etwas zwischengegriffen, er übte sich sehr gut in Geduld, er war zwar deutlich auf der Seite des Zorns, jedoch hat man ihm das nur sehr selten angesehen, was man nur positiv werten kann. Den großen Sieger hat er nicht raushängen lassen, ich denke er wusste genau das er sehr gute Chancen hat zu gewinnen, und wie das geht hat er sogar mit eher schlechten Karten eindrucksvoll gezeigt. Bei so einer Runde war es für ihn aber schwerer mitzuhalten, in dem Sinne, das z.B. Cindy die eher Spielunerfahrenste am Tisch der schwerste Brocken war. [... nicht symb. gemeint ;)] Sie setzten unbeirrt viele Tells zu unbestimmten Momenten aus, bei denen man sich nicht wirklich sicher sein kann was für eine Geschichte erzählt wird oder gar OB überhaupt eine Geschichte erzählt wird, in diesem Sinne war es dennoch eine Unterhaltsame Pokerrunde.

Kai 2010-04-21 20:32:32

Also das man bei dieser Show keine Pokerhighlights erwarten kann dürfte wohl jedem klar sein. Es ist ne Sendung für den Spaß zwischendurch...und das ist doch gut gelungen. Am witzigsten fand ich immer wenn die Dealerin kurz einhalten musste weil sie lachen musste. Und das Semih gewonnen hat war nur gerecht bei so vielen absolut desaströsen Händen. Ich glaub das ich schon das ein oder andere mal geflucht hätte aber er hat es eben wie ein Sieger genommen. Herzlichen Glückwunsch von meiner Seite. Alles in allem wieder eine amüsante Show...mehr aber auch nicht.